Wasser: Trinkwasser

Wasserversorgung und Abwasserbeseitigung in Hessen

Allgemeines

Wasser ist die Grundlage des Lebens. Für Menschen, Tiere und Pflanzen ist es von existenzieller Bedeutung. Neben den privaten Haushalten benötigen Gewerbe- und Industriebetriebe sowie öffentliche Einrichtungen ebenso Wasser wie Kraftwerke und die Landwirtschaft. Deshalb werden Daten zur Wasserversorgung und Abwasserbeseitigung alle drei Jahre für den öffentlichen Sektor und für das Produzierende Gewerbe (Industrie und Wärmekraftwerke für die allgemeine Versorgung) sowie alle vier Jahre für die Landwirtschaft erhoben. Die öffentliche Wasserversorgung und Abwasserbeseitigung umfasst Anstalten und Körperschaften des öffentlichen Rechts, Unternehmen und andere Einrichtungen, die Anlagen der öffentlichen Wasserversorgung bzw. Abwasserbeseitigung betreiben. Bei der Erhebung der Wasserversorgung und Abwasserbeseitigung in der Industrie (Bergbau, bei der Gewinnung von Steinen und Erden sowie im Verarbeitenden Gewerbe) werden alle Betriebe einbezogen, die Wasser gewinnen oder Wasser oder Abwasser in Gewässer einleiten oder deren Wasseraufkommen jährlich 10 000 m3 übersteigt. Außerdem werden die Daten der Wärmekraftwerke für die allgemeine Stromversorgung erfasst.

Aus diesen Statistiken ergibt sich ein umfassendes Bild über die Wasserversorgung (Menge des gewonnenen Wassers, Wasseraufkommen und Wassernutzung). Die geförderte Menge kann nach Herkunft aus Grund- und Quellwasser, aus Uferfiltrat oder aus Oberflächenwasser differenziert dargestellt werden. Die Wassernutzung wird in den entsprechenden Statistiken als Trinkwasser, als Belegschaftswasser, für produktionsspezifische Zwecke, als Kühlwasser, zur Stromerzeugung, zur Bewässerung usw. ausgewiesen.

In den Statistiken über die Abwasserbeseitigung werden jeweils die anfallenden Mengen nach Herkunft, der Abwasserverbleib sowie die Art der Behandlung (mechanisch, chemisch und/oder biologisch) dargestellt.

1,9 Mrd. m3 Wasser aus der Natur entnommen

In Hessen wurden im Jahr 2007 rund 1,9 Mrd. m3 Wasser gewonnen. 1,5 Mrd. m3 oder 81 % dieser Menge wurden für die nichtöffentliche Wasserversorgung gefördert. Dazu gehören insbesondere 1,2  Mrd. m3 für Wärmekraftwerke der allgemeinen Energieversorgung. Diese nutzen Oberflächengewässer. Die geförderte Wassermenge wird fast ausschließlich als Kühlwasser eingesetzt. Daneben gewinnen auch Betriebe der Industrie (Bergbau, Gewinnung von Steinen und Erden, Verarbeitendes Gewerbe) und einige landwirtschaftliche Betriebe Wasser für die Kühlung von Anlagen, für produktionsspezifische Zwecke sowie für Belegschaftszwecke. Die öffentlichen Wasserversorger entnahmen die übrigen 362 Mill. m3 Wasser aus der Natur, was 19 % der gesamten Eigengewinnung in Hessen entspricht. 88 % des hier gewonnenen Wassers stammten aus dem Grund- und Quellwasserreservoir.

Die Gesamtwassergewinnung betrug im Jahr 2004 noch 5,0 Mrd. m3. Der deutliche Rückgang um 3,1 Mrd. m3 zwischen den Gesamtentnahmemengen von 2004 und 2007 ist fast ausschließlich auf die Reduktion der nichtöffentlichen Wasserversorgung zurückzuführen. Ursache hierfür war eine vorübergehende Minderung des Wasserbedarfs der Energieversorger. Dagegen spielen effektivere Kühlsysteme und die verstärkte Kreislaufnutzung des Wassers zur Senkung des Wasserverbrauchs der Industriebetriebe für diesen Rückgang der Gesamtwassergewinnung nur eine untergeordnete Rolle. Auch die Wasserversorgungsunternehmen der öffentlichen Hand benötigten um 16,1 Mill. m3 bzw. 4,3 % weniger Wasser als drei Jahre zuvor.

Trinkwasserverbrauch bei 123 l pro Tag

Die öffentlichen Wasserversorger in Hessen förderten in ihren 1935 Gewinnungsanlagen im Jahr 2007 insgesamt 362 Mill. m3 Wasser. Von der geförderten Gesamtmenge sind 47 Mill. m3 Wasser abzurechnen, worin neben Eigenverbräuchen der Wasserwerke und Netzverlusten auch Lieferungen an andere Wasserversorger und Abnehmer enthalten sind.

Die Karte stellt die Wasserbilanzen der Landkreise dar. Sie weisen deutliche Unterschiede auf. Abgebildet werden hier die vielfältigen Lieferbeziehungen zwischen den Wasserversorgern untereinander sowie zu ihren Abnehmern. Zum Beispiel findet in den Gebieten der kreisfreien Städte Darmstadt und Offenbach überhaupt keine Wassergewinnung statt, sodass sämtliches Wasser aus den umliegenden südhessischen Kreisen bezogen wird.

Den Letztverbrauchern in Hessen (zum Beispiel Haushalten, Gewerbetreibenden oder Industriebetrieben) wurden demnach 315 Mill. m3 Wasser zur Verfügung gestellt. Daraus ergibt sich ein täglicher Verbrauch von rund 142 l bezogen auf die Zahl der Einwohner. Mit 272 Mill. m3 wurden gut drei Viertel des gewonnenen Wassers direkt an Haushalte und Kleingewerbe zur Deckung des Trinkwasserbedarfs abgegeben. Jeder hessische Einwohner verbrauchte im Jahr 2007 täglich rund 123 l Trinkwasser. Damit entsprach der hessische Verbrauch ziemlich genau dem Durchschnitt der gesamten Bundesrepublik, der bei 122 l pro Einwohner und Tag lag. Gegenüber 2004 mit 127 l sank der hessische Pro-Kopf-Wasserverbrauch nahezu um 5 Liter. In den letzten 20 Jahren war der Wasserverbrauch damit von 145 l pro Einwohner und Tag im Jahr 1987 auf den heutigen Wert gesunken.

Die Karte gibt einen Überblick über die Wasserabgabe an Letztverbraucher in den Gemeinden im Jahr 2007 (tägliche durchschnittliche Abgabe an Letztverbraucher bezogen auf die Einwohnerzahl). In den Ballungsgebieten und in Gegenden mit Kurbetrieb ist der Wasserverbrauch naturgemäß höher als in rein ländlichen Siedlungsgebieten. Zwölf Gemeinden mit je unter 100 l lagen am unteren Ende der Skala, während in den Städten Gernsheim und Stadtallendorf als einzige aller hessichen Kommunen mit 346 bzw. 304 l mehr als 300 l Wasser pro Einwohner und Tag abgegeben wurden. Acht weitere Gemeinden (Willingen (Upland), Melsungen, Malsfeld, Bad Wildungen, Schwarzenborn, Löhnberg, Gudensberg, Breuberg) verbrauchten zwischen 200 und 300 l Wasser pro Einwohnr und Tag. Eine weitere Karte stellt die Wasserabgabe an Haushalte und Kleingewerbe dar. Danach ergab sich für 24 Gemeinden ein Wasserverbrauch von unter 100 l pro Tag und Einwohner. In der Kurstadt Bad Salzschlirf dagegen wurde das Maximum von 186 l Wasser verbraucht.

Abwasserbeseitigung

Insgesamt 2,6 Mrd. m3 Wasser flossen in die Gewässer zurück, da sich zu dem in Haushalten, Industrie und Wärmekraftwerken genutzten Wasser noch etwa 640 Mill. m3 sogenanntes Fremd- und Niederschlagswasser addieren, welche über die Kanalnetze aufgenommen wurden. Der größte Teil des Abwassers stammte mit 1,6 Mrd. m3 von der nichtöffentlichen Abwasserbeseitungung. Davon wurden 1,4  Mrd. m3 ohne Behandlung direkt in die Gewässer eingeleitet. Diese wurden vorwiegend als Kühlwasser von Wärmekraftwerken der Energieversorger und in geringerem Maße von Kühlsystemen der Industrie genutzt. Weitere 210 Mill. m3 Abwasser gelangten in die Abwasserbehandlung, wovon 200  Mill. m3 an betriebliche Abwasserbehandlungsanlagen und der Rest an die öffentliche Abwasserbeseitigung abgegeben wurden..

Das hessische Abwasserkanalnetz hatte eine Länge von 38 000 km. Der Anschlussgrad an die 713 öffentlichen Abwasserbehandlungsanlagen betrug 99,0 %. In den Kläranlagen, die fast ausschließlich mit biologischen Verfahren arbeiten, wurden 942 Mill.m3 Abwasser behandelt. Davon waren 304 Mill. m3 Schmutzwasser von Haushalten und Kleingewerbe, 271 Mill. m3 Fremdwasser sowie 367 Mill. m3 Niederschlagswasser; letztere wurden durch die Kanalisation aufgenommen. In den Abwasserbehandlungsanlagen fielen 162 000 t Klärschlamm als Trockenmasse an. 93 000 t wurden stofflich verwertet, indem sie zum Beispiel auf landwirtschaftliche Flächen aufgebracht oder bei Landschaftsbaumaßnahmen eingebaut wurden. Weitere 70 000 t wurden in Abfallverbrennungsanlagen als Energieträger eingesetzt. Der Rest wurde an andere Abwasserbehandlungsanlagen abgegeben.

Datenquellen

Die Ergebnisse der Wasserstatistiken sind in folgenden Statistischen Berichten des Hessischen Statistischen Landesamtes enthalten:

Diese Publikationen und weitere Statistische Berichte aus dem Bereich "Umwelt" stehen im Internetangebot des Hessischen Statistischen Landesamtes unter www.statistik-hessen.de zum kostenfreien Download zur Verfügung. Unter dieser Internetadresse können ausgewählte Umweltdaten abgerufen werden.

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