Wasser: Oberflächengewässer


Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) in Hessen

Im Oktober 2000 trat die Europäische-Wasserrahmenrichtlinie in Kraft.

Ziel der WRRL ist, dass alle Oberflächengewässer spätestens bis zum Jahr 2027 einen guten ökologischen Zustand bzw. ein gutes ökologisches Potenzial erreichen. Beim guten ökologischen Zustand bestehen nur geringe Abweichungen zum natürlichen Zustand; das Gewässer ist zwar durch den Menschen beeinflusst, entspricht aber hinsichtlich seiner aquatischen Fauna und Flora weitgehend dem natürlichen Zustand.

Für künstliche Gewässer (z. B. Schifffahrtskanäle) und erheblich veränderte Gewässer (z. B. Talsperren) gilt das gute ökologische Potenzial (GÖP). Das GÖP bezeichnet den ökologischen Zustand, der erreichbar ist, wenn alle Maßnahmen durchgeführt wurden, die ohne signifikant negative Einschränkungen der am Gewässer bestehenden Nutzungen durchführbar sind.

Die Richtlinie beschreibt fünf Bewertungsklassen für diese Merkmalsgruppen: sehr gut, gut, mäßig, unbefriedigend und schlecht.
Der ökologische Zustand bzw. das ökologische Potenzial eines Gewässers werden primär anhand der biologischen Qualitätskomponenten Fische, Fischnährtiere, wie z. B. Insektenlarven und Krebse, Wasserpflanzen und Algen ermittelt. Dabei werden die Artenzusammensetzung, die Häufigkeit ihres Vorkommens und bei Fischen auch die Altersstruktur erfasst. Unterstützend zur Beurteilung werden die Gewässerstruktur sowie allgemeine chemische und physikalisch-chemische Parameter herangezogen.

Ein guter ökologischer Zustand ist dann erreicht, wenn sich die Zusammensetzung der vier Qualitätskomponenten nur geringfügig von der natürlichen Situation ohne menschliche Eingriffe unterscheidet und keine erhöhte Konzentration an spezifischen Schadstoffen vorliegt.

Im Zuge der Umsetzung der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie war von 2000 bis 2004 die Bestandsaufnahme zum ökologischen Zustand der Gewässer durchzuführen. Diese diente der Abschätzung des Gesamtzustandes der hessischen Gewässer im Hinblick darauf, ob die Ziele der EG-WRRL bereits erreicht waren. Als Ergebnis der Bestandsaufnahme war festzustellen, dass in zahlreichen Wasserkörpern, insbesondere aufgrund der Gewässerstruktur und der Belastung mit dem Pflanzennährstoff Phosphor, eine Beeinträchtigung der Tier- und Pflanzenwelt in den Oberflächengewässern bestand. Hinsichtlich einer Belastung der Gewässer mit spezifischen Schadstoffen waren in erster Linie erhöhte Konzentrationen an Pflanzenschutzmitteln zu nennen.

Ab 2004 erfolgte die Festlegung und Durchführung des Überwachungsprogrammes der Gewässer, das sich zunächst an den Ergebnissen der Bestandsaufnahme orientierte und im weiteren Verlauf entsprechend der festgestellten signifikanten Belastungen angepasst wurde und wird.

2009 folgte die Veröffentlichung des ersten Bewirtschaftungsplans und Maßnahmenprogramms und in 2015 deren Aktualisierung mit der Veröffentlichung des zweiten Bewirtschaftungsplans und Maßnahmenprogramms (flussgebiete.hessen.de). Im Bewirtschaftungsplan werden, basierend auf den Ergebnissen der Gewässerüberwachung, die festgestellten Defizite, deren mögliche Ursachen und die gemäß den Vorgaben der Richtlinie zu erreichenden Ziele beschrieben. Das Maßnahmenprogramm beinhaltet eine Übersicht der hierzu erforderlichen Maßnahmen.

Karte Darstellung:
„Ökologischer Zustand/Potenzial der Wasserkörper Bewertung Fische, Makrozoobenthos, Kieselalgen und spezifische Schadstoffe“
Für jeden Wasserkörper (einheitlicher und bedeutender Abschnitt eines Gewässers) ist in Form eines Kreisdiagramms angegeben, welche Qualitätskomponente dort untersucht wurde und mit welcher ökologischen Zustandsklasse diese jeweils bewertet wurde.

Abbildung 1 zeigt das zusammenfassende Ergebnis der Gewässerüberwachung hinsichtlich der Biologie für Gesamthessen und für die einzelnen Bearbeitungsgebiete wie es in den Bewirtschaftungsplan 2015–2021 eingegangen ist. Hier handelt es sich um eine Bewertung des ökologischen Zustandes der Fließgewässer in Hessen anhand der biologischen Qualitätskomponenten Fische, Fischnährtiere, Wasserpflanzen und Algen.

Biologische Qualitätskomponenten

Abb.1: Verteilung und Anzahl der anhand der biologischen Qualitätskomponenten ermittelten ökologischen Zustands-/Potenzialklassen in Gesamthessen und innerhalb der einzelnen Bearbeitungsgebiete

Von bisher 435 bewerteten Wasserkörpern weist kein Wasserkörper einen sehr guten Zustand auf. Nur knapp 5 % der Wasserkörper befinden sich bereits in einem guten Zustand. 29 % der Wasserkörper weisen einen mäßigen Zustand, 43 % einen unbefriedigenden und 23 % einen schlechten Zustand auf. Damit besteht in 95 % der Wasserkörper noch Handlungsbedarf zur Zielerreichung nach EG-WRRL.

In den einzelnen Bearbeitungsgebieten bestehen geringfügige regionale Unterschiede: Im Bearbeitungsgebiet Fulda/Diemel ist in leicht überdurchschnittlich vielen Wasserkörpern der gute Zustand bereits erreicht (9 %). Geringfügig besser als im Durchschnitt liegt der Anteil im Bearbeitungsgebiet Werra mit fast 6 % und unter dem Durchschnitt die Bearbeitungsgebiete Mittelrhein und Main mit knapp 4 bzw. 2 %. Das Bearbeitungsgebiet Oberrhein weist keinen Wasserkörper im guten Zustand auf.

 

Wichtige Wasserbewirtschaftungsfragen

Die festgestellten Defizite und die formulierten Umweltziele identifizieren einen Handlungsbedarf für die im Folgenden kurz beschriebenen Bereiche:


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