| Wasser: Oberflächengewässer |
Im Oktober 2000 trat die Europäische-Wasserrahmenrichtlinie in Kraft.
Ziel der WRRL ist, dass alle oberirdischen Gewässer bis zum Jahr 2015, mit Verlängerungsmöglichkeiten bis 2027, einen guten ökologischen Zustand bzw. ein gutes ökologisches Potenzial erreichen. Beim guten ökologischen Zustand bestehen nur geringe Abweichungen zum natürlichen Zustand; das Gewässer ist zwar durch den Menschen beeinflusst, entspricht aber hinsichtlich seiner aquatischen Fauna und Flora weitgehend dem natürlichen Zustand.
Für künstliche Gewässer (z. B. Schifffahrtskanäle) und erheblich veränderte Gewässer (z. B. Talsperren) gilt das gute ökologische Potenzial (GÖP). Das GÖP bezeichnet den ökologischen Zustand, der erreichbar ist, wenn alle Maßnahmen durchgeführt wurden, die ohne signifikant negative Einschränkungen der am Gewässer bestehenden Nutzungen durchführbar sind.
Die Richtlinie beschreibt fünf Bewertungsklassen für diese Merkmalsgruppen: sehr gut, gut, mäßig, unbefriedigend und schlecht.
Der ökologische Zustand bzw. das ökologische Potenzial eines Gewässers werden primär anhand der biologischen Qualitätskomponenten Fische, Fischnährtiere, wie z. B. Insektenlarven und Krebse, Wasserpflanzen und Algen ermittelt. Dabei werden die Artenzusammensetzung, die Häufigkeit ihres Vorkommens und bei Fischen auch die Altersstruktur erfasst. Unterstützend zur Beurteilung werden die Gewässerstruktur sowie allgemeine chemische und physikalisch-chemische Parameter herangezogen.Ein guter ökologischer Zustand ist dann erreicht, wenn sich die Zusammensetzung der vier Qualitätskomponenten nur geringfügig von der natürlichen Situation ohne menschliche Eingriffe unterscheidet und keine erhöhte Konzentration an spezifischen Schadstoffen vorliegt.
Im Zuge der Umsetzung der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie war von 2000 bis 2004 die Bestandsaufnahme zum ökologischen Zustand der Gewässer durchzuführen. Diese diente der Abschätzung des Gesamtzustandes der hessischen Gewässer im Hinblick darauf, ob die Ziele der EU-WRRL bereits erreicht waren. Als Ergebnis der Bestandsaufnahme war festzustellen, dass in zahlreichen Wasserkörpern insbesondere aufgrund der Gewässerstruktur und der Belastung mit dem Pflanzennährstoff Phosphor eine Beeinträchtigung der Tier- und Pflanzenwelt in den oberirdischen Gewässern bestand. Hinsichtlich einer Belastung der Gewässer mit spezifischen Schadstoffen waren in erster Linie erhöhte Konzentrationen an Pflanzenschutzmitteln zu nennen.
Ab 2004 erfolgte die Festlegung und Durchführung des Überwachungsprogrammes der Gewässer, das sich zunächst an den Ergebnissen der Bestandsaufnahme orientierte und im weiteren Verlauf entsprechend der festgestellten signifikanten Belastungen angepasst wurde und wird.
2009 folgte die Veröffentlichung des Bewirtschaftungsplans und Maßnahmenprogramms (www.flussgebiete.hessen.de). Im Bewirtschaftungsplan werden, basierend auf den Ergebnissen der Gewässerüberwachung, die festgestellten Defizite, deren mögliche Ursachen und die gemäß den Vorgaben der Richtlinie zu erreichenden Ziele beschrieben. Das Maßnahmenprogramm beinhaltet eine Übersicht der hierzu erforderlichen Maßnahmen.
Karte Titel:
„Ökologischer Zustand der Wasserkörper Bewertung Fische, Makrozoobenthos Kieselalgen und spezifische Schadstoffe“
Für jeden Wasserkörper (einheitlicher und bedeutender Abschnitt eines Gewässers) ist in Form eines Kreisdiagramms angegeben, welche Qualitätskomponente dort untersucht wurde und mit welcher ökologischen Zustandsklasse diese jeweils bewertet wurde.Abbildung 1 zeigt das zusammenfassende Ergebnis der Gewässerüberwachung hinsichtlich der Biologie für Gesamthessen und für die einzelnen Bearbeitungsgebiete wie es in den Bewirtschaftungsplan eingegangen ist. Hier handelt es sich um eine Bewertung des ökologischen Zustandes der Fließgewässer in Hessen anhand der biologischen Qualitätskomponenten Fische, Fischnährtiere, Wasserpflanzen und Algen.
Abb.1: Verteilung und Anzahl der anhand der biologischen Qualitätskomponenten ermittelten ökologischen Zustandsklassen in Gesamthessen und innerhalb der einzelnen Bearbeitungsgebiete
Von bisher 419 bewerteten Wasserkörpern weist kein Wasserkörper einen sehr guten Zustand auf. Nur 6 % der Wasserkörper befinden sich bereits in einem guten Zustand. 27 % der Wasserkörper weisen einen mäßigen Zustand, 40 % einen unbefriedigenden und 27 % einen schlechten Zustand auf. Damit besteht in 94 % der Wasserkörper noch Handlungsbedarf zur Zielerreichung nach EU-WRRL.
In den einzelnen Bearbeitungsgebieten bestehen geringfügige regionale Unterschiede: In den Bearbeitungsgebieten Fulda/Diemel und Werra ist in leicht überdurchschnittlich vielen Wasserkörpern der gute Zustand bereits erreicht (9 % bzw. 12 %); nahezu im Durchschnitt liegt der Anteil im Bearbeitungsgebiet Mittelrhein mit knapp 6 %, und unter dem Durchschnitt das Bearbeitungsgebiet Main mit knapp 3 %. Das Bearbeitungsgebiet Oberrhein weist keinen Wasserkörper im guten Zustand auf.
Wichtige Wasserbewirtschaftungsfragen
Die festgestellten Defizite und die formulierten Umweltziele identifizieren einen Handlungsbedarf für die im Folgenden kurz beschriebenen Bereiche:
- Hydromorphologische Veränderungen:
Die Oberflächengewässer sind in ihrer Struktur und ihrem Abflussgeschehen durch Querbauwerke, Verrohrungen, Laufverkürzung, Einengung und Befestigung des Gewässerbettes deutlich verändert. Diese Veränderungen bedingen eine erschwerte oder fehlende Durchwanderbarkeit der Gewässer für Fische und Wirbellose, eine Verarmung der aquatischen Fauna und Flora sowie Beschleunigungen des Abflusses und daraus resultierend eine Verschärfung der Hochwasserprobleme.
- Nährstoffbelastung:
Die Belastung der Oberflächengewässer mit Nährstoffen ist aufgrund der Maßnahmen des Rückhaltes von Nährstoffen in den Kläranlagen deutlich zurückgegangen. Weiterhin zu hoch ist aber der Phosphorgehalt der damit den wesentlichen Eutrophierungsfaktor der Gewässer darstellt und in Hessen immer noch überwiegend durch Einträge aus Kläranlagen und an zweiter Stelle durch diffuse Einträge aus der Landwirtschaft (hauptsächlich Erosion) verursacht wird.
- Belastung mit leicht abbaubaren organischen Stoffen:
Auch hinsichtlich der Belastung durch leicht abbaubare organische Stoffe zeigt die verbesserte Abwasserreinigung deutliche Erfolge. Bei ca. 22 % der Fließgewässer in Hessen besteht allerdings noch Handlungsbedarf.
- Belastung mit gefährlichen Stoffen:
Bedeutung für einen erheblichen Teil der hessischen Oberflächengewässer haben von diesen Stoffen und Stoffgruppen die Pflanzenschutzmittelwirkstoffe. In einem Teil der Gewässer mit hohem Abwasseranteil sind darüber hinaus die Schwermetalle Kupfer und Zink sowie die polychlorierten Biphenyle relevant. Die nahezu flächendeckende Belastung durch zwei polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe ist im Wesentlichen durch die im Vergleich zu den anderen Vertretern dieser Stoffgruppe extrem niedrigen Umweltqualitätsnormen begründet.
- Salzbelastung im Werra-Fulda-Einzugsgebiet
Im Rahmen der Kaliproduktion in Hessen und Thüringen fallen hohe Mengen an Salzabwasser an. Infolgedessen kommt es zu einer massiven Erhöhung an Chlorid-, Kalium- und Magnesiumionen, was zu Schädigungen der aquatischen Fauna und Flora führt.
[Einführung] [Allgemeine Daten] [Abfall] [Altlasten] [Geologie und Boden] [Klima] [Klimawandel] [Landwirtschaft] [Lärm] [Luft] [Natur und Landschaft] [Radioaktivität] [Umweltplanung/Sonderfragen] [Verkehr] [Wasser][Hilfe] © 2011 Hessisches Landesamt für Umwelt und Geologie