Wasser: Oberflächengewässer


Bild 1: Messstation Oberbiel an der Lahn


Bild 2: Innenansicht der Messstation Bischofsheim am Main


Bild 3: Messstation Schwarzbach, Trebur-Astheim


Bild 4: Messstelle Landgraben, Groß-Gerau/ Wallerstädten

Messstellennetz Fließgewässer

Einführung

Nach 97 des Hessischen Wassergesetzes (HWG) hat das Hessische Landesamt für Umwelt und Geologie (HLUG) "die für überörtlich bedeutsame Planungen, Maßnahmen und Entscheidungen erforderlichen quantitativen und qualitativen Gewässerdaten mit geeigneten Mess-, Beobachtungs-, Untersuchungs- und Datenverarbeitungseinrichtungen zu erfassen, zu sammeln, fortzuschreiben, fallweise zu veröffentlichen sowie Grundsätze zur Erfassung und Bewertung der Anlagen und des Gewässerzustandes aufzustellen."

 

Untersuchungen Hessisches Gütemessprogramm für oberirdische Gewässer

Zur Sicherstellung dieser Aufgaben wurde 1979 das Hessische Gütemessprogramm initiiert. Ziel des Programms ist die Beobachtung von Langzeitwirkungen (Trendentwicklungen) und die Früherkennung kurzfristiger Änderungen der Gewässerbeschaffenheit.

Grundlage für die objektive Beurteilung der Gewässerbeschaffenheit und die Erkennung von Gewässerbelastungen sind biologische und chemisch-physikalische Gewässeruntersuchungen nach einheitlichen Beprobungsrichtlinien und standardisierten Analysenverfahren. Das Bundesland Hessen betreibt seit annähernd 20 Jahren eine Vielzahl von Messpunkten, an denen in genau festgelegten Abständen die aquatischen Lebensgemeinschaften untersucht und Wasserproben entnommen und analysiert werden.

Bei den Messpunkten wird zwischen Messstellen und Messstationen unterschieden (siehe Karte). An Messstationen werden die Messgrößen (z. B. Sauerstoff, Temperatur, pH-Wert, Leitfähigkeit, Ammonium, Trübung) mit Sonden und Geräten direkt im vorbeifließenden Wasserstrom minütlich gemessen. Zusätzlich werden Einzel- und Mischproben (über einen Zeitraum von 7 oder 14 Tagen gesammelte Teilprobemengen bilden eine Mischprobe) zur genauen Erfassung und Analyse weiterer, umfangreicher chemisch-physikalischer Kenngrößen entnommen. Die Probenentnahme erfolgt i.d.R. im Abstand von 14 Tagen.

Die Daten der Messstellen werden durch Einzelproben gewonnen, die i.d.R. im Abstand von 28 Tagen entnommen werden. Diese Messstellen liefern zwar eine geringere Informationsdichte, umfassen dafür aber ein dichteres Messstellennetz, das gleichmäßig über die Fläche Hessens verteilt ist. Werden negative Entwicklungen der Güte einzelner Gewässer bzw. in Teileinzugsgebieten erkannt, werden je nach Situation zusätzliche Untersuchungen und Messstellen in das Programm aufgenommen. Auch die Untersuchungshäufigkeit kann bei Bedarf gesteigert werden.

Darüberhinaus werden an 21 gemäß der Fischgewässerrichtlinie der Europäischen Union (Richtlinie des Rates vom 18. Juli 1978 über die Qualität von Süßwasser, das schutz- oder verbesserungsbedürftig ist, um das Leben von Fischen zu erhalten [78/659/EWG]) ausgewiesenen Gewässern und Gewässerabschnitten Kontrolluntersuchungen durchgeführt, wobei 21 Probestellen dem Salmoniden- und 17 dem Cyprenidenbereich zugeordnet sind.

Im Rahmen von Sondermessprogrammen werden neben den standardisierten Langzeitprogrammen gezielte Untersuchungen zu einzelnen Fragestellungen durchgeführt wie z. B.

 

Ergebnisse


Abb. 1: Nährstoffe im Landgraben bei Groß-Gerau

In den vergangenen Jahren hatte der Gewässerschutz zunächst eine Verbesserung der Sauerstoffverhältnisse durch Verminderung organischer Verunreinigungen zum Ziel. So kam es in den 70er Jahren wiederholt auch in größeren Gewässern wie den Main in den Sommermonaten zu Fischsterben aufgrund von Sauerstoffmangel. Solch dramatische Sauerstoffdefizite sind heute nur noch im Schwarzbach bzw. Landgraben im hess. Ried zu beobachten. Hier kann es im Sommerhalbjahr während der frühen Morgenstunden noch immer zu einem dramatischen Sauerstoffabfall kommen. Der Ammoniumgehalt steigt hierbei gleichzeitig stark an.

Der Eintrag von Nährstoffen (Phosphor- und Stickstoffverbindungen) in Oberflächengewässer konnte in den vergangenen Jahren durch die Verwendung von phosphatfreien Wasch- und Reinigungsmitteln, aber auch durch den Bau von Phosphor- und Stickstoffeleminierungsanlagen der Kläranlagen reduziert werden. Die erhöhten Nährstoffmengen werden über die Flüsse in die Meere eingeschwemmt und führen auch dort zu erheblichen Eutrophierungsproblemen. Eine effektive Nährstoffeliminierung in Kläranlagen trägt somit in Verbindung mit anderen Gewässerschutzmaßnahmen auch stets zum Schutz der Meere bei. In Zusammenhang mit den internationalen Verpflichtungen der Anrainerstaaten zum Schutz der Nord- und Ostsee ist Hessen wie alle übrigen Bundesländer durch nationale und EU-weite Regelungen zur Nährstoffelimination aus Abwasser in die laufenden Bemühungen zur Reduzierung der Nährstoffimmissionen eingebunden. In Abb. 1 sind die Jahresmittelwerte der wichtigsten Nährstoffe im Landgraben an der Messstelle Groß-Gerau/Wallerstädten (Bild 4) dargestellt. Aufgrund der besonderen Belastungssituation des Landgrabens konnten hier selbst mit hohem Aufwand die gesteckten Güteziele nicht erreicht werden. Der Landgraben ist noch immer das am stärksten belastete hessische Fließgewässer. Eine Verringerung der Belastungen ist jedoch auch hier anhand des Diagrammes (Abb. 1) erkennbar. Zunächst konnte die Ammonium- und auch die Phosphat-Konzentration deutlich gesenkt werden. Durch die Nitrifikation des Ammoniums zu Nitrat stieg dessen Konzentration zunächst an, um seit 1994 nun auch deutlich zu fallen. Durch diese Nährstoff-Reduzierung kam es sogar im Landgraben zu einer kaum für möglich gehaltenen Verbesserung der biologischen Güteklasse (siehe Kapitel Biologische Gewässergüte). Ähnliche Reduzierungen, wenn auch auf niedrigerem Niveau, konnten auch an vielen anderen hessischen Fließgewässern festgestellt werden.

© 2013 Hessisches Landesamt für Umwelt und Geologie