Wasser: Oberflächengewässer

Biologische Gewässergüte

Das Standardverfahren zur Beschreibung der „biologischen Gewässergüte“ ist das Saprobiensystem, welches vor allem Beeinträchtigungen von Fließgewässern durch leicht abbaubare organische Stoffe und sich hieraus ergebende Defizite des Sauerstoffhaushaltes aufzeigt.

Aufgrund ihres unterschiedlichen Sauerstoffbedarfs eignen sich die Fischnährtiere gut, um anhand ihres Vorkommens Rückschlüsse auf die jeweilige Gewässergüte zu ziehen. Hinsichtlich der Sauerstoffverfügbarkeit besonders anspruchsvoll sind beispielsweise die Steinfliegen- und viele Eintagsfliegenlarven; hingegen können Wasserasseln oder verschiedene Egel auch noch bei zum Teil erheblichen Sauerstoffdefiziten im Gewässer überleben. Bei der Überwachung der Fließgewässer dient die „biologische Gewässergüte“ immer als Leitparameter für die Beschaffenheit der Gewässer und lässt sowohl Handlungsbedarf als auch Sanierungserfolge leicht erkennen.

Auf diese Weise wurde so bereits 1970 die erste Gewässergütekarte für Hessen erstellt und danach in unregelmäßigen Abständen aktualisiert. Der Vergleich der biologischen Gütekarten aus den Jahren 1970, 1976, 1986, 1994, 2000, 2006, 2010 und nun 2016 dokumentiert dabei zum einen die enormen Erfolge der Vergangenheit, weist jedoch auch auf noch bestehende Defizite hin.
Die erheblichen Investitionen von Städten, Gemeinden und Industrie zur Verbesserung der Abwasserreinigung führten zu deutlichen Verbesserungen des Gütezustands der Fließgewässer in Hessen. Ziel der Maßnahmen war, in allen Gewässern eine Gewässergüteklasse von II zu erreichen. Dies bedeutete, dass die Gewässer höchstens mäßig mit organisch leicht abbaubaren Stoffen belastet waren. Wie der nachstehenden Abbildung zu entnehmen ist, war dies 1970 nur in etwa einem Drittel der Gewässer der Fall; 30 Jahre später war das Ziel dann in fast 93 % der hessischen Gewässer erreicht.

Als erstes Bundesland hat Hessen eine Gewässergütekarte gemäß den Anforderungen an die Wasserrahmenrichtlinie erstellt, d. h. es werden nun 5 statt 7 Klassen unterschieden. Zudem haben sich durch diese Richtlinie die Anforderungen erhöht, denn nun muss sich auch die Beurteilung der biologischen Gewässergüte am natürlichen Zustand der Bäche und Flüsse orientieren. Die neue Gewässergütekarte 2016 zeigt, dass derzeit in 82 % der Gewässerabschnitte eine sehr gute oder gute Situation vorliegt. Bei den restlichen 18 % mit einer Gesamtlänge von ca. 1.500 km besteht in den Fließgewässern in Hessen jedoch noch ein Handlungsbedarf zur Minderung der organischen Belastung.

Biologische Qualitätskomponenten

Abb.1: Prozentualer Anteil der Gewässergüteklassen in Hessen
1970 - 2000: einheitliche Bewertung aller Fließgewässer mit 7 Gewässergüteklassen
2006 - 2010: gewässertypspezifische 5-stufige Bewertung der Gewässergüte nach den Anforderungen der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie

Die Gewässergütekarten von 1970 bis 2016 finden sich im Internet für alle Interessierten unter http://www.hlnug.de/themen/wasser/fliessgewaesser/fliessgewaesser-biologie/ueberwachungsergebnisse/fischnaehrtiere.html.

Es zeigt sich, dass die erhöhte organische Belastung unserer Gewässer meist nicht auf eine einzige Ursache zurückzuführen ist. Zur weiteren Verbesserung der Gewässergüte ist daher ein integrierter Ansatz notwendig. Wesentliche Verbesserungen oft nur erreicht werden, wenn neben der Minderung der organischen Belastung auch andere Belastungsquellen (Einträge aus der Landwirtschaft, Feinsedimenteinträge, Eutrophierung, Strukturdefizite) wirksam vermindert werden.

Im Hinblick auf die Kosteneffizienz ist vor einer Maßnahmenumsetzung abzuschätzen, welche Maßnahme oder welche Maßnahmenkombination am geeignetsten ist, die ökologische Situation in einem Gewässer deutlich zu verbessern. Es ist zu vermuten, dass insbesondere eine erhöhte Nährstoffbelastung (Phosphat) häufig auch für die unzureichende saprobielle Situation verantwortlich ist. Bei Minderung der ortho-Phosphat-Konzentrationen auf einen Wert = 0,07 mg/l (Orientierungswert für die meisten Fließgewässertypen in Hessen) ist davon auszugehen, dass allein hierdurch der Saprobienindex um bis zu 0,4 gesenkt werden kann.

Auch die im Maßnahmenprogramm WRRL vorgesehenen strukturellen Verbesserungsmaßnahmen können indirekt und direkt dazu beitragen, die Gewässergüte zu verbessern. So zeigt sich, dass - bei Erreichung der morphologischen Umweltziele durch strukturelle Verbesserungsmaßnahmen - die saprobielle Belastung insgesamt um ca. 0,1 bis 0,2 gemildert werden kann. In vielen Fließgewässern in Hessen werden sowohl strukturelle Defizite bei gleichzeitig oft erhöhten Nährstoffkonzentrationen vorgefunden. Demzufolge wird eine deutliche Verbesserung der ökologischen Gesamtsituation oft nur durch Minderung der Nährstoffbelastung und durch strukturelle Verbesserungsmaßnahmen möglich sein.

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© Hessisches Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie