Natur und Landschaft: Schutzgebiete

Natura 2000-Gebiete:
Flora-Fauna-Habitate (FFH) und Vogelschutzgebiete

Der Naturschutz im europäischen Rahmen gewinnt zunehmend an Bedeutung. Heute baut das Naturschutzrecht in der Europäischen Union für den Gebiets- und Lebensraumschutz im Wesentlichen auf zwei Richtlinien auf: der Richtlinie über die Erhaltung der wild lebenden Vogelarten (Vogelschutzrichtlinie) und der Richtlinie zur Erhaltung der natürlichen Lebensräume sowie der wild lebenden Tiere und Pflanzen (Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie). Gemeinsam bilden diese beiden Richtlinien den gesetzlichen Rahmen zum Schutz des europäischen Naturerbes.

Neben konkreten Artenschutzbestimmungen liegt das wesentliche Ziel der Richtlinien in der Ausweisung und dauerhaften Sicherung eines europäischen kohärenten ökologischen Netzes von besonderen Schutzgebieten mit dem Namen Natura 2000.

Die Auswahl der Gebiete folgte präzisen naturschutzfachlichen Kriterien in zwei Stufen. Zunächst wurde auf der Ebene der EU-Mitgliedsstaaten eine nationale Bewertung durchgeführt, deren Ergebnis als Gebietsliste mit umfangreichen Meldebögen und genauen Kartenabgrenzungen als nationale Meldeliste an die EU-Kommission weitergeleitet wurde. In einer zweiten Phase fand eine Bewertung auf der Ebene der EU statt, die dann zu einer definitiven Liste der Gebiete von gemeinschaftlicher Bedeutung führte.

Nachdem die Europäische Kommission zuletzt ihre Anforderung an eine vollständige Meldung konkretisiert hat, ist das Meldeverfahren in Hessen zum Abschluss gekommen.

Die Karte gibt den Meldestand an Natura 2000-Gebieten vom 15.12.2007 wieder.

Der Anteil der FFH-Gebiete an der Landesfläche liegt bei 9,9 %. Der Anteil der Vogelschutzgebiete beträgt 14,7 % der Landesfläche. Aufgrund von Überschneidungen beider Gebietskategorien wird das Netz Natura 2000 in Hesssen künftig 20,9 % der Landesfläche umfassen.


Verschlechterungsverbot und günstiger Erhaltungszustand

Nach der FFH-Richtlinie (Art. 6 Abs. 2) sind in FFH-Gebieten geeignete Maßnahmen zu treffen, um eine Verschlechterung des Erhaltungszustandes zu vermeiden. Hierzu sind die maßgeblichen biotischen Strukturen eines Gebietes detailliert zu erfassen und nach Bedeutung zu werten. Die bestehenden Rahmenbedingungen und die verschiedenen Einflussfaktoren müssen ermittelt werden, um zielgerichtet rechtliche, administrative oder vertragliche Instrumente zur Anwendung bringen zu können.

Der Begriff "günstiger Erhaltungszustand" nimmt beim Vollzug der FFH-RL eine zentrale Rolle ein. Dem gegenüber steht der ungünstige Erhaltungszustand, den es zu vermeiden gilt. Der Erhaltungszustand eines Lebensraumtyps wird über dessen spezifische Strukturen, Funktionen und über dessen Artenausstattung definiert. Um die erforderlichen Parameter zur Beurteilung des Erhaltungszustandes zu erheben, führt das Land Hessen in allen Natura 2000-Gebieten eine Grunddatenerhebung durch.

Grunddatenerhebung

Die Grunddatenerhebung (GDE) liefert die erforderliche Basis für die Inschutznahme der Gebiete, für die Erstellung von Maßnahmenplänen und die Steuerung der Instrumente des Gebietsmanagements. Sie liefert damit auch die Grundlage zur Gewährleistung des Verschlechterungsverbots. Gleichzeitig ist die Grunddatenerhebung der Einstieg in das erforderliche Monitoring der Natura 2000-Gebiete auch im Hinblick auf die anstehenden Berichtspflichten nach der FFH-RL. Sie ist darüber hinaus die Voraussetzung dafür, dass Pläne und Projekte, die im räumlichen Zusammenhang mit den Gebieten realisiert werden sollen, zügig und i. d. R. ohne aufwendige weitere Gutachten geprüft werden können.

Das Management von FFH- und Vogelschutzgebieten stellt für die hessische Naturschutzverwaltung eine besondere Herausforderung und gleichzeitig eine Daueraufgabe dar. Für die verschiedenen Verwaltungsebenen bedeutet dies eine Neuausrichtung und eine Konzentration aller verfügbaren Ressourcen, wenn es künftig gelingen soll, ein funktionierendes Netz "Natura 2000" aufzubauen.

Maßnahmenplanung

Der mittelfristige Natura 2000-Maßnahmenplan (MMP) ist nach der Grunddatenerhebung das zweite obligatorische Modul der Natura 2000-Managementplanung. Sein Ziel ist die Konkretisierung ausdifferenzierter Maßnahmen auf der Fläche. MMP werden seit 2006 zunächst für die FFH-Gebiete erstellt. Danach folgen MMP für VS-Gebiete. Die Maßnahmenplanung wurde so konzipiert, dass auch die nationalen Schutzgebiete (Naturschutzgebiete ohne Natura 2000-Status) sowie Habitate von Arten des Anhangs IV der FFH-RL außerhalb der Natura 2000-Kulisse nach diesem Standard bearbeitet werden können.

Der MMP bietet die Planungsgrundlage für den Vertragsnaturschutz auf landwirtschaftlichen Flächen wie auch im Wald. Der MMP stellt das Kohärenzsicherungspotenzial dar und bietet eine fachlich begründete Flächenkulisse für Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen (auch Ökopunktekonto), Artenhilfsmaßnahmen kommunale Pflegemittel, Sponsoring usw..

Der MMP wird im Regelfall für eine Laufzeit von mindestens 10 Jahren erstellt. Er besteht aus einem kurzen Textteil, standardisierten Tabellen und einem Planungsjournal mit Kartenbezug. Für die Bearbeitung des Planungsjournals steht ein DV-Programm (NATUREG-Modul Maßnahmenplanung) zur Verfügung. Das Planungsjournal bildet als tabellarische Übersicht den Arbeitsprozess der Maßnahmenplanung ab und integriert den mittelfristigen und den jährlichen Planungszeitraum in einem Instrument. Auch der Planungsvollzug wird im Planungsjournal dargestellt.

Die Erstellung der MMP wird arbeitsteilig verwirklicht. Die Steuerungsverantwortung für die Erstellung der FFH-MMP und deren Qualitätssicherung liegt bei den Regierungspräsidien. MMP für Waldgebiete werden durch Hessen-Forst erstellt. Hessen-Forst erstellt auch die MMP für FFH-Gebiete, die flächenidentisch mit Naturschutzgebieten sind. MMP für Offenlandgebiete werden durch die Landräte erarbeitet. Bei Sonderfällen (z. B. militärisch genutzte Flächen, Sonderstandorte) erfolgt die Arbeitsteilung flexibel. Grundsätzlich können auch Dritte mit der Erstellung der MMP beauftragt werden (Waldbesitzer, LPV, Naturschutzverbände, Kommunen etc.).

Auf Grundlage der Maßnahmenpläne für die FFH- und VS-Gebiete sorgen die Forstämter und die Ämter für den Ländlichen Raum in den Landkreisen dafür, dass Erhaltungsmaßnahmen zum Schutz der Lebensraumtypen und der Arten umgesetzt werden. Dabei kommt dem Vertragsnaturschutz die zentrale Rolle zu.


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