Natur und Landschaft: Landschaftsplanung         - Die Naturräume Hessens -

Die Naturräume Hessens und ihre Haupteinheiten

32 Westerwald

Der zwischen der Lahn im Süden und der Sieg im Norden gelegene Westerwald liegt nur knapp zur Hälfte auf hessischem Gebiet. Zum Verständnis seiner Gliederung in naturräumliche Haupteinheiten ist eine von der Kölner Bucht ausgehende, nach Süden und Osten dem Gebirgsanstieg folgende Gesamtbetrachtung bis zum Ostrand des Rheinischen Schiefergebirges an der Grenze zum Marburg-Gießener Lahntal zweckmäßig mit der sich so ergebenden Abfolge der nachstehend genannten Haupteinheiten:

326 Vorderwesterwälder Hochflächen (außerhessisch)
325 Rheinwesterwald (außerhessisch)
324 Niederwesterwald
323 Oberwesterwald
322 Hoher Westerwald
321 Dilltal
320 Gladenbacher Bergland

Ganz oder überwiegend in Hessen liegen Gladenbacher Bergland und Dilltal, nur zum Teil auf hessischem Gebiet jeweils die östlichen Teile des Hohen und des Oberwesterwaldes. Der Niederwesterwald springt nur mit einem kleinen Zipfel der Emsbach-Gelbach-Höhen als Ostrand des Hochstein-Rückens (324.04) gegen das Limburger Becken vor und bedarf hier keiner gesonderten Darstellung.
Lit.: 3, 4, 11, 14.

320 Gladenbacher Bergland

Das Gladenbacher Bergland ist ein waldreiches Mittelgebirge am Ostrand des Rheinischen Schiefergebirges zur Hessischen Senke. Obwohl geologisch sehr mannigfaltig und in dieser Mannigfaltigkeit dem Ostteil des Oberwesterwaldes nahe verwandt, bildet es, von diesem durch das Dilltal getrennt, in seinem randlichen Umflossensein von Diete, Perf, Lahn, Dietzhölze und Dill eine wohlumgrenzte orographisch, klimatisch und ökologisch gut definierte naturräumliche Haupteinheit. Mit höchsten Höhen um 600 m im Schelder Wald fällt es schildförmig zu den Randtälern und Senken ab.

Im Regenschatten des Hochsauerlandes gelegen, zeigt es eine etwas exzentrische Niederschlagsabnahme von 950 mm im Schelder Wald bis auf 650 mm am Ost- und Südrand. Der geologischen Mannigfaltigkeit von Diabasen des Schelder Waldes zu basenärmeren Gesteinen des devonisch-karbonischen Schiefergebirges entsprechend, reicht die Amplitude der flächenhaft verbreiteten Bodentypen von flachgründig-eutrophen Braunerden bis flachgründig-oligotrophen, zum Teil stark podsolierten Braunerden; nur in einigen Talmulden und -rändern finden sich Braunerden hoher bis mittlerer Basensättigung, die als löß-lehmbeeinflusste Böden größere Tiefgründigkeit aufweisen. Sie bilden die waldfreien Ackerstandorte. Der heute zum Teil noch in großen geschlossenen Forsten weit verbreitete Buchenwald kann in seiner Artenzusammensetzung noch als weitgehend naturnah gelten und zeigt örtlich sowohl auf Standorten des Melico-Fagetums als auch in dem vorherrschenden Bereich des Luzulo-Fagetums besonders gute Wuchsleistungen der Buche; dementsprechend ist im Gladenbacher Bergland der Anteil der Fichte und des Nadelholzes überhaupt auffallend gering. Der auf hoch gelegenen Rodungsinseln und von den Tälern ausgehenden Rodungszungen in höhere Berglagen vorgedrungene Ackerbau ist auf den flachgründig steinigen Böden immer relativ anspruchslos geblieben und heute in der Gesamttendenz rückläufig. Er fällt daher in Aufforstungen und Hutungen zurück. Landwirtschaftlich von Bedeutung sind vor allem der Breidenbacher Grund, das Gladenbacher Hügelland sowie das Obere Lahntal. Insgesamt werden folgende Unter- und Teileinheiten unterschieden:

320 Lahn-Dill-Bergland
320.00 Breidenbacher Grund
320.01 Bottenhorner Hochflächen
320.02 Schelder Wald
320.03 Zollbuche
320.04 Hörre
320.05 Krofdorf-Königsberger Forst
320.1 Gladenbacher Hügelland
320.10 Damshäuser Kuppen
320.11 Elnhausen-Michelbacher Senke
320.12 Salzbödetal
320.13 Niederweidbacher Becken
320.2 Oberes Lahntal

Bezüglich weiterer Einzelheiten wird auf die nachstehende Literatur verwiesen.
Lit.: 3, 4, 14.

321 Dilltal

Das aus der geologisch bekannten "Simmersbacher Senke" am Südrand des Siegerlandes beginnende Dilltal hat sich nach Süden und Südosten zur Lahn als schmales Einschneidungstal herausgebildet. Die obere Dill und Dietzhölze, von verschiedenen Seiten aus dem gleichen Senkungsgebiet kommend, schließen zwischen sich das hoch gelegene Gebiet der Struth ein. Daraus ergibt sich dillaufwärts betrachtet folgende Untergliederung:

321.0 Unteres Dilltal
321.1 Oberes Dilltal (mit Dietzhölzetal)
321.2 Struth

Während die zuletzt genannte Untereinheit als vollständig bewaldeter, rd. 500 m hoch gelegener Bergrücken im Oberen Dill- und Dietzhölzetal eine Art Inselstellung einnimmt, sind die weicheren Hang- und Talformen des Oberen Dill- und Dietzhölzetales sowie auch das stärker muldenförmig eingetiefte Untere Dilltal nicht vollständig aber überwiegend waldfrei. Der unterste Teil des Dilltales zwischen Ehringshausen und Wetzlar ist bereits dem Gießener Becken (348.1) zuzurechnen (Gießener Lahntal 348.10).
Lit.: 3, 4, 14.

322 Hoher Westerwald

Die hier allein zu nennende Westerwälder Basalthochfläche (322.0) ist eine in 500 bis 600 m Höhe gelegene heute nahezu waldfreie Weidelandschaft mit großen eingesprengten Basaltblöcken und niedrigem Baum- und Buschbewuchs. Das bekannt windbetonte Westerwälder Klima resultiert in erster Linie aus dieser Entwaldung, die als Folge von übermäßigem Holzeinschlag für die frühere Erzverhüttung zu sehen ist. Bei Jahresniederschlägen von 1000 mm und 6°C mittlerer Jahrestemperatur ist Ackerbau kaum möglich.
Lit.: 3, 4.

323 Oberwesterwald

Der nach Osten unter der Westerwälder Basalthochfläche, an deren Rand gegen das Dilltal herausschauende Rumpfflächensockel des Oberwesterwaldes, hier als Westerwald-Osthang oder auch Dillwesterwald bezeichnet (323.0), gleicht den ihm im Osten des Dilltales gegenüberliegenden Teilen des Gladenbacher Berglandes geologisch und in seiner Naturausstattung fast vollständig. Demgegenüber ist das nach Süden gegen das Limburger Becken gerichtete Oberwesterwälder Kuppenland (323.1) und das sich ihm nach unten anschließende Südoberwesterwälder Hügelland mit Gaudernbacher Platte (323.3) einerseits noch stark von Basaltkuppen von zum Teil singulärer Stellung*) bestimmt, andererseits durch Basaltlehmverwitterung- und Lößlehmböden besonders ackerbaulich betont und daher stark entwaldet. Der Übergang zum Limburger Becken ist daher in ökologischer Hinsicht fließend. Bezüglich der hier erfolgten Einbeziehung der Gaudernheimer Platte vergleiche das bei Einheiten 302 und 312 Gesagte.
Lit.: 3, 4, 11, 14.

*) Hier ist z.B. der Dornberg (Dornburg) mit den ganzjährig im Untergrund vereisten "Basaltrosseln" (Kondenseisbildung) zu nennen.

324 Niederwesterwald

Siehe hierzu den Text zu Einheit 32, letzter Satz.


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