Natur und Landschaft: Landschaftsplanung         - Die Naturräume Hessens -

Die Naturräume Hessens und ihre Haupteinheiten

37 Weser-Leine-Bergland

Das Weser-Leine-Bergland ist (für den Hessen betreffenden Teil besonders des Reinhardswaldes) als nördlichster Teil der östlichen Begrenzung der Hessischen Senke bzw. des Westhessischen Berg- und Senkenlandes in tektonischer Fortsetzung des Osthessischen Berglandes naturräumlich im unmittelbaren Anschluss an den Kaufunger Wald zu sehen. Die unbezweifelbare Eigenständigkeit des Weser-Leine-Berglandes gegenüber dem Osthessischen Bergland und auch die Notwendigkeit zu klarer Abgrenzung zwischen beiden Haupteinheitengruppen soll mit dieser, die hessischen Naturräume beschreibenden Darstellung nicht in Zweifel gezogen oder unterbewertet werden, nur ist sie hierfür nicht relevant und daher auch hier nicht darzustellen; denn Bau und Tektonik des Leine-Berglandes, insbesondere die des Leinegrabens (Leine-llme-Senke) haben in das Osthessische Bergland hinein nach Süden nur eine schwache Fortsetzung in den Altmorschen-Witzenhäuser Graben (vgl. den Text zu Haupteinheit 357 Fulda-Werra-Bergland und auf dem Kartenbild die Einheiten 357.50 bis 357.54 Witzenhausen-Altmorschener Talung sowie 357.01 Wichtetal). Folgende Haupt- und Untereinheiten liegen ganz oder teilweise auf hessischem Gebiet:

370 Solling, Bramwald und Reinhardswald
370.1 Kuppiger Solling
370.2 Uslarer Becken
370.3 Weserdurchbruchstal
370.4 Reinhardswald
370.6 Mündener Fulda-Werra-Talung
371 Sollingvorland
371.1 Südliches Sollingvorland
371.15 Dransfelder Hochflächen
372 Leine-llme-Senke
372.6 Groner Flachhänge (Göttinger Leinegraben, Westflügel)
372.7 Oberer Leinegraben
372.70 Eichenberg-Hohenganderner Hänge und Keuperhügel

Für eine Darstellung der hessischen Naturräume flächenrelevant sind der vollständig in Hessen gelegene Reinhardswald, die Mündener Fulda-Werra-Talung und das Weserdurchbruchsland.

Der Reinhardswald ist eine nach Westen schwach geneigte Buntsandsteintafel am Ostrand der Hessischen Senke zwischen Esse und Diemel im Westen und unterer Fulda bzw. Weser im Süden, Westen und Norden. Seine mittlere Höhe liegt bei rd. 400 m. Zu den scharf eingeschnittenen Tälern der unteren Fulda und Weser fällt er schroff ab und zeigt nach dorthin kerbige Zertalungen, während die Hangausformung im Abfall zu Esse und Diemel weniger zerfurcht ist. Die Basaltkuppen des Gahrenberges und des Staufenberges heben sich beide mit 472 m aus dem Plateau nochmals heraus. Bis auf wenige Rodungsinseln, so z.B. die Lößinsel bei Beberbeck, und den sanft geneigten westlichen Unterhang ist der Reinhardswald auf der Hochfläche und zu den ihn umgebenden Flusstälern nahezu vollständig bewaldet. Mit 850 mm Jahresniederschlag und auf der Hochfläche zu Staunässe neigenden oligotrophen bis podsoligen Böden ist der Reinhardswald kein reines Luzula-Buchenwaldgebiet, sondern weithin als Buchen-Eichenwaldgebiet anzusehen. Die früher durch Waldhutung stark begünstigte Eiche ist forstlich recht weitgehend durch Fichte und in geringerem Umfang durch Kiefer ersetzt, die Buche bildet aber noch fast die Hälfte der Waldfläche und ist auch in den jungen Altersklassen mit gleichmäßigen Anteilen vertreten.

Die Mündener Fulda-Werra-Talung umfasst die bei Hannoversch-Münden zusammentreffenden Engtäler von Fulda und Werra im Bereich des zwischen Reinhardswald, Bramwald und Kaufunger Wald von ihnen durchschnittenen Buntsandsteinpaketes. Sie vereinigen sich hier zum Oberen Wesertal (Weserdurchbruchstal). Den steilen bewaldeten Hängen schließt sich nach unten eine nur schmale Hangschuttzone an, auch die grünlandgenutzten Flußauen sind vergleichsweise schmal ausgebildet. Zwischen Hangfuß und Aue sind meist als Ackerland genutzte Flussterrassen ausgebildet, die in der Längsrichtung mit Schwemmkegeln der kleinen Seitenbäche abwechseln.

Das Weserdurchbruchstal zeigt im Prinzip den gleichen Aufbau, nur ist es praktisch doppelt so groß dimensioniert. Die Aue ist breiter und durch alte Schlingen stellenweise geweitet, der breite Talgrund der Mittelterrasse mit lößbeeinflussten Böden trägt fruchtbares Ackerland, die Hangfüße sind örtlich wechselnd von stärkeren Hangschuttzonen verdeckt, aber insbesondere der linke Weserhang zum Reinhardswald hin ist stellenweise außerordentlich schroff und steil ausgebildet und tief herabsteigend bewaldet. Demgegenüber zeigt der rechte Talrand etwas weichere Geländeformen, insbesondere in dem beiderseits hessischen Teilstück des Wesertales zwischen den Mündungen von Nieme und Schwülme, im Anstieg des rechts der Weser liegenden kuppig aufgelösten Solling (370.1) zum ebenfalls noch teilweise hessischen Uslarer Becken (370.2).
Lit.: 4, 5, 8.


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