Natur und Landschaft: Landschaftsplanung         - Die Naturräume Hessens -

Die Naturräume Hessens und ihre Haupteinheiten

34 Westhessisches Berg- und Senkenland

Die Tektonik des Oberrheintalgrabens setzt sich nach Norden entlang dem Ostrand des Rheinischen Schiefergebirges in der so genannten Hessischen Senke fort. Diese hat ihre Wurzel in dem mit dem Oberrheintalgraben flächig verbundenen Rhein-Main-Tiefland (23), sie bildet in ihrem Kern das hier zu besprechende Westhessische Berg- und Senkenland und setzt sich, nach Norden tektonisch schwächer werdend, in dem westlich des Solling (370) gelegenen Oberen Weserbergland (36) fort. Die Ostgrenze des Hessischen Berg- und Senkenlandes bilden von Norden an den Solling anschließend der Reinhardswald (370.4), das Fulda-Werra-Bergland (357) bzw. das Knüll-Hochland (356), das Fulda-Haune-Tafelland (355) und schließlich der auch schon in das Rhein-Main-Tiefland vorspringende Untere Vogelsberg (350); der so genannte Vordere Vogelsberg (349.0) mit dem mittleren Ohmtal und dem Lumdaplateau liegt bereits in der Hessischen Senke und bildet mit dem Gießener Becken (348.1) den Südteil des Westhessischen Berg- und Senkenlandes. Zwischen Gießener und Amöneburger Becken (347) und dem zur lang gezogenen Westhessischen Senke (343) erweiterten Kasseler Becken (343.3) im Norden liegt die mit dem Kellerwald (344) orographisch verbundene Oberhessische Schwelle (346), welche die Hauptwasserscheide zwischen Rhein und Weser aus dem Sauerland durch die Hessische Senke hindurch zu Vogelsberg und Rhön hinüberleitet. Im Rahmen dieser großen Dreigliedrigkeit einer nördlichen Senke, einer mittleren Schwelle und einer südlichen Senke werden folgende Haupteinheiten unterschieden:

340 Waldecker Tafel
341 Ostwaldecker Randsenken
342 Habichtswälder Bergland
343 Westhessische Senke
 
344 Kellerwald
346 Oberhessische Schwelle
 
345 Burgwald
347 Amöneburger Becken
348 Marburg-Gießener Lahntal
349 Vorderer Vogelsberg

Aufgrund seiner eingesenkten Lage und der hierin stark lößbetonten Böden unterscheidet sich das Westhessische Berg- und Senkenland von dem östlich stärker herausgehobenen Osthessischen Bergland (35) vor allem durch das Vorherrschen ausgesprochener Ackerlandschaften.
Lit.: 1, 4, 5, 8, 9, 13, 14, 17.

340 Waldecker Tafel

Die Waldecker Tafel ist ein Zechstein- und Buntsandsteintafelland zwischen Eder und Diemel mit westlichem Anschluss an den Ostsauerländer Gebirgsrand (332) und Abbruch im Osten zu den Ostwaldecker Randsenken (341). Mit einer mittleren Höhe von etwa 400 m liegt die Waldecker Tafel im Regenschatten des Hochsauerlandes. Sie bildet zwei als Naturräume eigenständige Untereinheiten, das im Bereich des Zechsteins und des unteren Buntsandsteins im Wesentlichen waldfreie Waldecker Gefilde (340.0) und die fast geschlossen bewaldete Buntsandsteinhochfläche des Waldecker Waldes (340.1). Im Rahmen dieser Untergliederung werden weiterhin folgende Teil- und Grundeinheiten unterschieden:

340.0 Waldecker Gefilde
340.00 Das Rote Land
340.000 Obermarsberger Hochfläche
340.001 Rotenlandsgrund
340.01 Korbacher Land
340.010 Berndorfer Grund
340.011 Korbacher Ebene
340.012 Goddelsheimer Feld
340.013 Sachsenhäuser Hügelland
340.1 Waldecker Wald
340.10 Orpewald
340.11 Twister Hügelland
340.12 Arolser Platte
340.13 Langer Wald
340.14 Alter Wald

Der Waldecker Wald ist von Natur aus ein Luzulo-Fagetum-Gebiet, in dem die Buche auch heute noch, allerdings in den auslaufenden Altersklassen, überwiegt, während in den jüngeren Altersklassen Fichte und Kiefer nachwachsen.
Lit.: 1, 4.

341 Ostwaldecker Randsenken

Die Ostwaldecker Randsenken bilden einen überwiegend mesozoischen Senkenzug am Ostrande der Waldecker Tafel und des Kellerwaldes im Bereich tektonischer Gräben und Staffelbrüche zur Westhessischen Senke. In gegenüber der Waldecker Tafel weiter abgesenkter Höhenlage zwischen 200 bis wenig über 300 m finden sich hier noch einzelne Bergkegel und -kuppen, die 500 m Höhe erreichen. Buntsandstein, Basalt und Muschelkalk schaffen im Verein mit Lößinseln eine weitgespannte Mannigfaltigkeit der Böden und Standorte für den Pflanzenwuchs: das heute weitgehend waldfreie und ackerbaulich genutzte Gebiet ist floristisch außerordentlich artenreich und durch wärme- und trockenheitsliebende Arten gekennzeichnet. Die Niederschläge liegen in weiterer Abnahme vom Hochsauerland verbreitet unter 600 mm. Die Vielgestaltigkeit dieses Naturraumes drückt sich in folgender Feingliederung aus:

341.0 Mitteldiemelsenke
341.00 Wrexer Diemeltal
341.1 Rhoder Senken
341.10 Schmillinghäuser Grund
341.11 Stock
341.12 Rhoder Grund
341.13 Eichholz
341.14 Volkmarser Graben
341.2 Volkmarser Becken
341.3 Wolfhager Hügelland
341.30 Ehringer Senke
341.31 Elsbergrücken
341.32 Elsunger Senke
341.33 Altenhasunger Graben
341.34 Isthaebene
341.35 Isthaberg
341.4 Naumburger Senken und Rücken
341.40 Ippinghäusergrund (mit Rauenstein)
341.41 Elbergrund
341.42 Elberberger Höhen
341.43 Sander Kammer
341.5 Wildunger Senke
341.50 Netzehügelland
341.51 Wegaer Ederaue
341.52 Wilde-Hügelland
341.520 Braunauer Winkel
341.6 Hessenwald
341.7 Löwensteiner Grund

Eine besonders markante Singularität bildet der Isthaberg bei Wolfhagen.
Lit.: 1, 4, 9, 14.

342 Habichtswälder Bergland

Eigentlich eine Singularität großen Ausmaßes darstellend, bildet der im nördlichen Kern der Hessischen Senke vulkanisch entstandene Habichtswald als Gruppe isolierter plumper Berge mit dem ihnen zugehörigen Gebiet eine eigene naturräumliche Haupteinheit: das Habichtswälder Bergland. Besonders schroff erscheint ihr Anstieg bis auf Höhen von über 600 m von der Westhessischen Senke her, zu welcher zwischenliegende flache Plateaus über breite, waldfreie Täler entwässern. Im Bereich der basaltischen Kegel, Rücken und Hochplateaus ist das Habichtswälder Bergland recht geschlossen bewaldet, die zentrale Habichtswälder Senke mit Breitenbacher Mulde und Zierenberger Grund sowie ihr Anschluss zur Westhessischen Senke durch die Hoofer Pforte sind im Bereich meist pseudo-vergleyter Basaltlehmverwitterungsböden waldfrei und ackerbaulich genutzt. Die Gliederung in einzelne Naturräume ist den Einzelformen der Habichtswälder Vulkangruppen zugeordnet:

342.0 Habichtswald (mit Langenberg)
342.00 Hoher Habichtswald
342.01 Hoofer Pforte
342.02 Langenberg
342.1 Habichtswälder Senke
342.10 Breitenbacher Mulde
342.11 Zierenberger Grund
342.2 Hinterhabichtswälder Kuppen
342.3 Dörnberg und Schreckenberge
342.30 Dörnbergpaß
342.4 Malsburger Wald

Der zuletzt genannte Malsburger Wald stellt, abweichend vom übrigen Habichtswälder Bergland, eine fast ganz bewaldete Muschelkalkplatte dar mit fast geschlossener Buchenwaldbedeckung. Der dort stockende Kalkbuchenwald steht in seinem Artengefüge dem auf den Habichtswälder Basalten verbreiteten Perlgras-Buchenwald nahe.
Lit.: 1, 4, 8.

343 Westhessische Senke

Die am Rande des Osthessischen Berglandes (35) eingetiefte, lang gestreckte, im Wesentlichen nordsüdlich verlaufende und bis an den Unteren Vogelsberg heranreichende Westhessische Senke stellt die Zone stärkster Absenkung im nördlichen Teil der großen Hessischen Senke dar. Die Bezeichnung "westhessisch" ist sprachlich falsch und kann nur aus der Gegenüberstellung zum sprachlich richtigen Begriff des Osthessischen Berglandes heraus verstanden werden; denn zweifellos handelt es sich um eine nordhessische Senke, die gänzlich auch nach Norden zur Weser hin entwässert. Sie stellt sich als eine Kette von Niederungen und Becken dar, die durch nur flache Schwellen und Rücken voneinander getrennt sind. Diese von Süden nach Norden gerichtete Abfolge von Becken und Schwellen bedingt die weitere Untergliederung dieser naturräumlichen Haupteinheit:

343.0 Schwalm
343.00 Schwalmgrund
343.01 Wasenberger Terrassen
343.02 Alsfelder Mulde
343.1 Landsburger Senke
343.10 Trockenerfurther Gefilde
343.11 Landsburger Grund
343.12 Frielendorfer Hügelland
343.13 Borkener Becken
343.2 Hessengau
343.20 Homberger Bucht
343.21 Waberner Ebene
343.210 Schwalmaue
343.211 Fritzlarer Ederflur
343.22 Großenengliser Platte
343.23 Fritzlarer Börde
343.24 Gudensberger Kuppenschwelle
343.3 Kasseler Becken
343.30 Kasseler Fulda-Aue
343.31 Kasseler Graben
343.4 Hofgeismarer Rötsenke
343.5 Nordhabichtswälder Vorland
343.50 Westuffelner Senke
343.51 Langen- und Staufenbergplatte

Mit Ausnahme der ebenen Flussniederungen von Schwalm, Eder und Fulda bildet die Westhessische Senke ein überwiegend lößbedecktes Hügelland. Tertiäre Sande, Kiese und Tone mit der bei Borken eingelagerten Braunkohle bilden stellenweise auch ärmere Böden. Insgesamt aber ist die Westhessische Senke ein nahezu waldfreies fruchtbares Ackerbaugebiet mit guten Weizen- und Zuckerrübenböden, welche mit ihrem hohen Wasserspeichervermögen die relative Trockenheit dieses Gebietes von weniger als 600 mm Jahresniederschlag auszugleichen vermögen. Aus den wenigen vorhandenen Waldresten lässt sich die Westhessische Senke naturlandschaftlich als überwiegendes Perlgras-Buchenwaldgebiet ansprechen, in dem ausgedehnte Flussauewälder, besonders auch an der Schwalm, zweifellos breiten Raum einnahmen. Im Bereich der früheren Talauen schreitet heute der Ackerbau gegen das dort früher dominierende Grünland vor, erweist sich aber bei häufig kiesigem Untergrund als besonders stark grundwasserabhängig. Im Schwalmgrund bewahrt ein unbespanntes Hochwasserrückhaltebecken das Grünland vor dem Umbruch.
Lit.: 4, 8, 13, 14.

344 Kellerwald

Der vorwiegend aus paläozoischen Gesteinen aufgebaute Kellerwald, der wegen seiner geologischen Beziehung zum Rheinischen Schiefergebirge als Ausläufer und Vorsprung des Bergisch-Sauerländischen Gebirges (33) in das Gebiet der Hessischen Senke bezeichnet werden kann, gehört ganz zweifelsfrei letzterer insoweit an, als das auf der tektonischen Grenze des Rheinischen Schiefergebirges zur Hessischen Senke zwischen Battenberg und Herzhausen verlaufende Edertal, einschließlich der ihm dort auf der gleichen Schwächenzone entgegenfließenden Itter, den Kellerwald ganz deutlich vom Rheinischen Schiefergebirge abtrennt und ihn zusammen mit der Oberhessischen Schwelle als horstartigen Rücken innerhalb derselben erscheinen lässt. Dass er sich nach Bau und Gestalt sowie in seiner naturlandschaftlichen Ausstattung von anderen Naturräumen des Westhessischen Berg- und Senkenlandes unterscheidet, macht die besondere Eigenständigkeit des Kellerwaldes als naturräumliche Haupteinheit innerhalb dieser Haupteinheitengruppe aus. So hebt sich dieses fast vollständig bewaldete, von harten Quarziten geprägte Bergland um fast 400 m gegen das von tertiären Sedimenten erfüllte Umland der Hessischen Senke ab.

Neben den schon genannten Kellerwaldquarziten sind Kieselschiefer und Grauwacken sowie Diabase an seinem Aufbau beteiligt, doch sind die für das Rheinische Schiefergebirge typischen alten Rumpfflächen kaum angedeutet, vielmehr zeigt der Kellerwald ein ausgesprochen stark gegliedertes Relief. Die Böden sind in der Regel flach- bis mittelgründig und nährstoffarm und kennzeichnen den Kellerwald als Wuchsgebiet bodensaurer Luzula-Buchenwälder. Das ihn im Norden begrenzende, früher weitgehend landwirtschaftlich genutzte Herzhausen-Hemfurther Edertal (344.4) ist kulturlandschaftlich durch den Aufstau des Edersees massiv umgeprägt worden. Im Einzelnen werden folgende Unter- und Teileinheiten unterschieden:

344.0 Hoher Kellerwald
344.00 Jeust und Keller
344.01 Löwensteiner Berge
344.1 Mittelkellerwald
344.2 Wildunger Bergland
344.3 Große Hardt
344.4 Herzhausen-Hemfurther Edertal
344.5 Niederkellerwald
344.50 Frankenauer Flur
344.51 Lotheimer Täler
344.52 Höhnscheid

Bezüglich weiterer Einzelheiten und auch abweichender geographischer Auffassungen wird auf nachstehende Literatur verwiesen.
Lit.: 2, 4.

345 Burgwald

Siehe nach 346; vergleiche hierzu die Übersichtsgliederung in Abschnitt 34 Westhessisches Berg- und Senkenland.

346 Oberhessische Schwelle

Die Oberhessische Schwelle trennt zusammen mit dem Kellerwald das Westhessische Berg- und Senkenland (34) in einen nordöstlichen zur Weser hin entwässernden und in einen südwestlichen über die Lahn zum Rhein hin entwässernden Teil. Als ein gegenüber dem Kellerwald wesentlich flacher ausgeprägter Buntsandsteinhorst überragt die Oberhessische Schwelle das im Südwesten angrenzende Amöneburger Becken und das im Osten angrenzende Schwalmstädter Becken (Treysa-Ziegenhain) um etwa 100 m und bleibt ihrerseits um rd. 100 m niedriger als der Südrand des Kellerwaldes. Als tektonische Nebenerscheinung ihrer Heraushebung ist der schmale aber lang gestreckte Momberger Muschelkalkzug zu nennen. Die niederen Teile der Oberhessischen Schwelle sind weitgehend lößbedeckt. Sie bilden die Grundlage eines dort ertragreichen Ackerbaues, während die nährstoffärmeren Buntsandsteinböden bewaldet, unter forstlichem Einfluss häufig mit Kiefern bestockt sind. Der vorerwähnte Muschelkalkgraben markiert sich in der Vegetation an einigen Stellen durch "steppenheide"-artige Kalktrockenrasen. Von Norden nach Süden sind drei Untereinheiten zu unterscheiden:

346.0 Gilserberger Höhen
346.1 Neustädter Sattel
346.2 Nördliches Vogelsberg-Vorland

Der Neustädter Sattel zeigt vom Amöneburger Becken bis zur Schwalmsenke hinüberziehende pliozäne Urlahn-Sedimente, welche seine erst nachpliozäne Heraushebung bzw. Aufwölbung deutlich machen.
Lit.: 4, 14.

345 Burgwald

Der Burgwald ist ein hufeisenförmig im Wesentlichen zur Lahn entwässerndes ausgedehntes Buntsandsteinplateau, welches zusammen mit dem Marburger Bergland (348.0) das Gegenstück zur Waldecker Tafel (340) darstellt. Die Hochflächen des Burgwaldes in einer Höhenlage von knapp 400 m sind auf den nährstoffarmen Böden des mittleren Buntsandsteins fast geschlossen bewaldet und bilden eines der größten geschlossenen Waldgebiete Hessens. Neben naturnahen bodensauren Eichen- und Buchenwäldern finden wir heute zunehmend Kiefer und Fichte. Die am Westrand des eigentlichen Burgwaldes verlaufende Wetschaft-Senke im Bereich des oberen Zechsteins und des unteren Buntsandsteins erlaubt auf den stellenweise mit Lößlehm vermengten nährstoffreicheren Böden einen intensiven Ackerbau. Das östlich des eigentlichen Burgwaldes verlaufende Wohratal mit dem im oberen Teil einmündenden Schweinfetal zeigt ebenfalls ausgedehnte ackerbauliche Nutzung. In letzterem werden als Grundgestein Zechsteinsedimente angeschnitten, welche den Namen Buntstruth bedingen. Folgende naturräumliche Untereinheiten sind zu unterscheiden:

345.0 Wetschaft-Senke
345.1 Nördlicher Burgwald
345.2 Südlicher Burgwald
345.3 Wohratal
345.4 Buntstruth
345.5 Frankenberger Oberland
345.50 Bottendorfer Flur
345.51 Geismarer Platte
345.510 Hauberner Hecke

Der Burgwald ist ein floristisch bemerkenswert reichhaltiges Gebiet, das aus der standörtlichen Mannigfaltigkeit extrem podsoliert trockener Buntsandsteinböden mit Heideresten bis zu dystrophanmoorigen Standorten über stauenden Schichten im Buntsandstein reicht.
Lit.: 1, 4, 14.

347 Amöneburger Becken

Das Kernstück des völlig waldfreien Amöneburger Beckens ist die bei rd. 200 m liegende Ohmsenke (347.0), aus der der basaltische Bergkegel der Amöneburg um rd. 160 m singulär aufragt. Die flache weite Grünlandaue der Ohm ist als unbespanntes Hochwasserrückhaltebecken ausgebildet. Der Ohmsenke schließt sich nach Süden das flache Lößhügelland des fruchtbaren, rein ackerbaulich genutzten Ebsdorfer Grundes (347.1) an.
Lit.: 1, 4, 14.

348 Marburg-Gießener Lahntal

Kernstück des Marburg-Gießener Lahntales ist das Gießener Becken (348.1) als der im Süden am stärksten abgesenkte Bereich des Westhessischen Berg- und Senkenlandes (34). Den Grund dieses Beckens bildet das Gießener Lahntal (348.10), dem randlich gegen die Schwelle zur Wetterau das Großenlindener Hügelland (348.11) zugeordnet ist. Aus dem Senkungsfeld des Gießener Lahntales steigt nach Norden die Buntsandsteintafel des Marburger Berglandes (348.0) zum Burgwald (345) auf und bildet mit diesem zusammen den südlichen Flügel dieser an den Kellerwald (344) angelehnten Bruchscholle, welcher im Norden die Waldecker Tafel (340) gegenübersteht. Das Marburger Bergland, zentral von der Lahn von Norden nach Süden durchflossen, hat als Mittelachse die Marburger Lahntalsenke (348.02) zwischen dem Marburger Rücken (348.00) im Westen und den Lahnbergen (348.01) im Osten ausgebildet. Marburger Rücken und Lahnberge sind im Bereich basenarmer Buntsandsteinböden überwiegend bewaldet und tragen anstelle des ursprünglichen Luzula-Buchenwaldes, insbesondere auf den trockenen Kuppen und Rücken verbreitet Kiefernforsten. Im Marburger Lahntal tritt südlich Marburg im Zechstein eine Talweitung auf, die ebenso wie die Lahnniederterrasse ackerbaulich genutzt ist. Gießener Lahntal und Großenlindener Hügelland sind praktisch waldfreie Gebiete, von denen letzteres als Lößlandschaft landbaulich der Wetterau sehr nahe steht. Die früher auch im Gießener Lahntal dominierende Landwirtschaft ist gegenüber vordringender Bebauung und Industrieentwicklung rückläufig; ausgedehnte Kiesentnahmen, insbesondere zwischen Gießen und Wetzlar, werden künftig diese Landschaft nachhaltig verändern. Vgl. den Abschnitt 321 letzter Satz.
Lit.: 4, 14, 17.

349 Vorderer Vogelsberg

Auf die im tiefsten Teil des Gießener Beckens angeschnittene Basis pliozäner und miozäner Sande hat der Vulkanismus des östlich gelegenen Vogelsberges vulkanische Gesteine (Basalttuffe, Feldspatbasalt und Trapp) flächenhaft ausgebreitet und ist bis in das Lahntal, es bei Odenhausen stark einschnürend, vorgedrungen. Dieser vulkanisch überdeckte Südteil des Westhessischen Berg- und Senkenlandes (34) wird seiner petrographischen Verwandtschaft und seines schwachen orographischen Anstieges zum Vogelsberg wegen als Vorderer Vogelsberg bezeichnet, wiewohl er naturräumlich ganz klar zum südlichen Senkungsfeld des Westhessischen Berg- und Senkenlandes gehört; die Namen seiner Untereinheiten machen dies deutlich:

349.0 Lumda-Plateau
349.1 Ohmtal
349.2 Gießener Landrücken
349.3 Laubacher Hügelland

Die neben ebenfalls verbreiteten Lößböden überwiegenden Böden basaltischer Herkunft zeigen hohe Fruchtbarkeit und bieten der Landwirtschaft günstige Voraussetzungen. Im Bereich der Verbreitung des Trapp sind die Böden flachgründig und größtenteils trocken mit steinig-grusiger Verwitterung und tragen dort heute meist Kiefernwald. Schwach verwitterte Reste harter Basaltdecken sowie einzelne Basaltkuppen heben sich inselartig aus den Flächen des Vorderen Vogelsberges heraus. Diese tragen ebenso wie die verbreitet auch anzutreffenden flachgründigen Basaltverwitterungsböden artenreiche Buchenwälder, denen zunehmend Fichte beigemischt ist. Botanisch besonders bemerkenswert ist der Hangelstein bei Lollar.
Lit.: 4, 14.


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