Natur und Landschaft: Landschaftsplanung         - Die Naturräume Hessens -

Die Naturräume Hessens und ihre Haupteinheiten

30 Taunus

Als Taunus wird hier der südöstliche Teil der Rumpffläche des Rheinischen Schiefergebirges südlich der Lahn bis zum Steilabfall gegen die Oberrheinische Tiefebene bezeichnet. Von letzterer ausgehend, ergibt sich als räumliche Abfolge unterscheidbarer Haupteinheiten:

300 Vortaunus
301 Hoher Taunus
302 Östlicher Hintertaunus
303 Idsteiner Senke
304 Westlicher Hintertaunus

Diese Haupteinheitengruppe, welche einen gemeinsamen Mittelgebirgszug mit deutlich asymmetrischer Abdachung bildet und im linksrheinischen Hunsrück ihr Gegenstück hat, liegt überwiegend auf hessischem Gebiet. Der First dieses Gebirgszuges wird von dem nur am Binger Loch vom Rhein durchschnittenen harten Taunusquarzit gebildet, der nicht nur geomorphologisch, sondern insbesondere auch hydrogeologisch von Bedeutung ist. Der Gesamtzusammenhang dieses Gebirgszuges wird nur im Hintertaunus in nach Norden fortgesetzter Tektonik des Oberrheintalgrabens durch die Eintiefung der Idsteiner Senke unterbrochen, die zu der tektonisch gleichartig bedingten Erweiterung des Gießen-Koblenzer Lahntales im Bereich des Limburger Beckens überleitet.
Lit.: 4, 11, 14, 17, 20.

300 Vortaunus

Wiewohl auf den ersten Blick nur als Südostabdachung des Hochtaunus erscheinend, stellt sich der Vortaunus in seinem Kernstück, dem Eppsteiner Horst, als eigenständiges früher auch als Hofheimer Scholle bezeichnetes Vorgebirge dar. Dieser südöstliche Vorsprung des Grundgebirgsschollenlandes gegen das Oberrheintiefland entspricht der in Mainzer Becken und Hessische Senke sich gabelförmig aufspaltenden Tektonik des Oberrheintalgrabens. Die dem Eppsteiner Horst seitlich nach Westen und Nordosten angegliederten Flügel des sich an den Hochtaunus anlegenden Vorgebirges schaffen einen nicht nur geologisch-tektonisch, sondern auch naturlandschaftlichen Gesamtzusammenhang eines im Höhenbereich von im Wesentlichen 300 bis 500 m verlaufenden und überwiegend bewaldeten Höhenzuges. Es herrschen überwiegend nährstoffarme Silikatverwitterungsböden vor, die nur fleckenweise eine mächtigere Lößüberdeckung tragen. Dementsprechend ist die landwirtschaftliche Nutzfläche bedeutend geringer als die Waldfläche, in der Buche und Eiche noch wesentliche Anteile des früher hier natürlichen bodensauren Buchen-Eichenwaldes halten. Naturräumlich lassen sich folgende Unter- und Teileinheiten unterscheiden:

300.0 Rheingau-Wiesbadener Vortaunus
300.00 Rheingau-Vortaunus
300.01 Wiesbadener Vortaunus
300.1 Eppstein-Hornauer Vortaunus
300.10 Eppsteiner Horst
300.11 Hornauer Bucht
300.2 Altkönig Vorstufe
300.20 Königsteiner Taunusfuß
300.21 Kronberger Taunusfuß
300.3 Homburger Vortaunus

Bezüglich der hier erfolgten Hinzurechnung der Hornauer Bucht (300.11) vergleiche das bei Haupteinheit 235 Main-Taunusvorland Gesagte.
Lit.: 4, 11, 17.

301 Hoher Taunus

Auf einer Länge von 75 km erstreckt sich der Quarzitkamm des hohen Taunus vom Binger Loch bis zur Wetterau, bei durchschnittlich nur 4 km Breite, in südwestlich-nordöstlicher Richtung in einer Höhe von im Wesentlichen über 500 m; nur gegen den Rheingau im Südwesten und gegen die Wetterau im Nordosten wird diese Höhenstufe unterschritten. Die höchste Erhebung bildet der Feldberg mit 880 m. Die Kammlinie des hohen Taunus ist schwach gezackt und zeigt einige auch tiefere Einschnitte, in welchen Passstraßen verlaufen; im Wesentlichen hieraus ergibt sich von Südwesten nach Nordosten folgende naturräumliche Untergliederung:

301.0 Niederwald
301.1 Rheingaugebirge
301.2 Wiesbadener Hochtaunus
301.3 Feldberg-Taunuskamm
301.4 Winterstein-Taunuskamm
301.5 Nauheimer Taunussporn

Mit Ausnahme des letzteren ist der hohe Taunus fast vollständig bewaldet. Höhenlage und nährstoffarme, saure, quarzitische Böden bilden den Standort für hier natürlicherweise verbreitete bodensaure Buchenwälder, die in Höhen um und über 800 m in den Bereich einer potentiellen, aber in der nacheiszeitlichen Waldausbreitung auf natürlichem Wege nicht erreichten Fichtenstufe übergehen und die wir uns urlandschaftlich als auf dystrophen Quarzitrankern stockende, niedrigwüchsige Buchen-Birkenwälder vorzustellen haben, wie sie heute noch im Bereich des Altkönigs als Relikte anzutreffen sind. Auf Höhen über 800 m im Bereich des heute fast waldfreien Feldberggipfels ist die Buche jedenfalls schon in einer Kampfzone und räumt der Mehlbeere felsige Sonderstandorte ein. Der stellenweise wirtschaftlich genutzte Taunusquarzit ist durch seine hohe Einsickerungsfähigkeit für die im Taunuskamm reichlichen Niederschläge von über 800 bis 1000 mm ein Gebiet hoher Kluftwasserneubildung und mithin als Speichergestein für die Trinkwasserversorgung zahlreicher Taunusgemeinden aus dorthin vorgetriebenen Stollen von Bedeutung.
Lit.: 4, 11, 17.

302 Östlicher Hintertaunus

Vom Kamm des Hohen Taunus fällt der Östliche Hintertaunus in Form einer zum Weilburger Lahntal abgedachten Hochfläche ab und springt dabei an nördlichster Stelle, zugleich den Westrand des Rheinischen Schiefergebirges bildend, etwa rechtwinklig in das Marburg-Gießener Lahntal vor. Das aus stark gefalteten überwiegend devonischen Tonschiefern, vereinzelt auch aus Diabasschalstein und Masselkalk bestehende, zu einer Rumpffläche eingeebnete Bergland wird sowohl nach Norden zur Lahn als auch nach Osten aus dem so genannten Usinger Becken über die Usa zur Wetterau hin entwässert. In letzterem vorhandene Lößauflagen ermöglichen und begünstigen die dort ansässige Landwirtschaft. Ansonsten ist der Östliche Hintertaunus recht eigentlich ein Waldland, das eine heute rückläufige Landwirtschaft, insbesondere Höhenlandwirtschaft, auf weit verbreiteten Grenzertragsböden im Bereich alter Rodungsinseln aufweist. Naturlandschaftlich ist der Östliche Hintertaunus überwiegend als Luzula-Buchenwaldgebiet anzusehen, in dem die Eiche durch mittelalterliche Waldwirtschaft begünstigt wurde und heute noch hohe Anteile einnimmt. Seit dem 17. Jahrhundert hat die Fichte Eingang gefunden und an Verbreitung gewonnen; sie ist heute die fast ausschließlich zur Aufforstung von Brachflächen verwendete Baumart.

Die dichtgelagerten devonischen Tonschiefern mit ihrem geringen Poren- und Kluftvolumen vermögen nur in geringem Maße Grundwasser zu speichern, so dass die mit zunehmender Verfichtung abnehmende Grundwasserneubildung auf Quellschüttungen und Grundwasserneubildung merkliche Auswirkungen erwarten lässt. Als in sich verschiedene Teilräume werden folgende Untereinheiten unterschieden:

302.0 Wetzlarer Hintertaunus
302.1 Weilburger Hintertaunus (mit Edelsberger Platte)
302.2 Bodenroder Kuppen
302.3 Hasselbacher Hintertaunus
302.4 Münster-Maibach-Schwelle
302.5 Usinger Becken
302.6 Pferdskopf-Taunus
302.7 Steinfischbacher Hintertaunus

Bezüglich weiterer Eigentümlichkeiten und der auch ökologisch relevanten Unterschiede der vorgenannten Naturräume wird auf die nachstehend zitierte Literatur verwiesen.
Lit.: 4, 11, 14, 20.

Bezüglich Edelsberger Platte, die hier dem Weilburger Hintertaunus zugerechnet wird, vergleiche auch die Nr. 3 und 11 des Literaturverzeichnisses zu der dort verwendeten Gebietskennziffer 312.22. Vgl. den Text zu 312 und zu 323.

303 Idsteiner Senke

Diese größtenteils lößbedeckte, 3 bis 4 km breite und nach Süden aufgespaltene Senke zwischen Westlichem und Östlichem Hintertaunus ist als Grabensenke und somit als Fortsetzung des Limburger Beckens in das Gebiet des Hintertaunus hinein aufzufassen. Ihr unterster Abschnitt, der Goldene Grund (303.0), steht als waldfreie Ackerlandschaft dem weiten Limburger Becken ökologisch sehr nahe. Weitere Einheiten sind der Idsteiner Grund (303.1), der Escher Grund (303.2) und der zwischen beiden liegende Idsteiner Wald (303.3). Mineralquellen liegen bei Ober- und Niederselters. Vgl. den Text zu 311.
Lit.: 4, 11.

304 Westlicher Hintertaunus

Bezüglich der Stellung des Westlichen Hintertaunus zum Hochtaunus gilt das für den Östlichen Hintertaunus (302) Gesagte sinngemäß, obwohl der Westliche Hintertaunus eine in sich nicht ganz so einheitliche Rumpfhochfläche darstellt. Von den sehr deutlich voneinander unterschiedenen Untereinheiten Wispertaunus (304.0), Westlicher Aartaunus (304.1), Bad Schwalbach-Hohensteiner Aartal (304.2), Östlicher Aartaunus (304.3), Oberaarmulde (304.4) und Zorner Hochfläche (304.5) sowie Mittelrheintaunus, Unterlahnhöhen, Nastätter Mulde und Katzenelnbogener Hochfläche liegen nur die mit Kennziffern erstgenannten ganz oder teilweise auf hessischem Gebiet. Der Wispertaunus, auch "Hinterwald" genannt, stellt einen im Wesentlichen orohydrographisch gekennzeichneten hessischen Naturraum dar und umfasst mit dem auch als "Kemeler Heide" bekannten Westlichen Aartaunus zusammen das stark bewaldete Abflussgebiet der Wisper. Zu diesem in stärkerem Kontrast steht das Niederschlagsgebiet der oberen Aar mit der weiten Oberaarmulde, dem fast waldfreien Östlichen Aartaunus und dem schroff eingesenkten Bad Schwalbach-Hohensteiner Aartal. Die Zorner Hochfläche, ein Gegenstück zur linksrheinischen Hunsrückhochfläche, reicht von rheinland-pfälzischem Gebiet nur mit einem Zipfel nach Hessen herein. In seinem Gesamtcharakter gleicht der hessische Teil des Westlichen Hintertaunus mit seinen ebenfalls meist flachgründigen Böden weitgehend dem Östlichen.
Lit.: 4, 11.


© 2013 Hessisches Landesamt für Umwelt und Geologie