Natur und Landschaft: Landschaftsplanung         - Die Naturräume Hessens -

Die Naturräume Hessens und ihre Haupteinheiten

48 Thüringer Becken (mit Randplatten)

Das im Osten von Hessen gelegene Thüringer Becken, nach Bau, Lage und eiszeitlichem Schicksal eine eigentümliche Parallelität zum Münsterländer Kreidebecken (Westfälische Tieflandsbucht) im Nordwesten, bildet eine eigene regionale Einheit und greift nur mit einigen Randeinheiten auf Hessen über. Das macht die im Kartenbild stärker betonte Abgrenzung notwendig. Ohne indessen auf die naturräumliche Gliederung des Thüringer Beckens als Ganzem in einzelne Haupteinheiten eingehen zu können, ist hier nur festzuhalten, dass die das Thüringer Becken im Westen und Norden begrenzenden Höhenzüge von dem auf hessischem Gebiet liegenden Ringgau über den Hainich, das Eichsfeld und den Dün bis zu der gegen die Thüringer Pforte vorspringenden Hainleite als Nordwestliche Randplatten des Thüringer Beckens eine naturräumliche Haupteinheit bilden. Unter Berücksichtigung der auf hessisches Gebiet übergreifenden Ränder dieser Haupteinheit ergibt sich folgende Übersicht hessisch berührter Teile des Thüringer Beckens:

483 Nordwestliche Randplatten des Thüringer Beckens
(Ringgau, Hainich, Obereichsfeld und Dün, Hainleite)
483.1 Allendorfer Wald
483.10 Gobert (Goburg)
483.2 Westliches Obereichsfeld
483.22 Wanfrieder Werrahöhen
483.4 Ringgau
483.40 Südliche Ringgauvorberge
483.41 Südlicher Ringgau
483.42 Netra-Ifta-Talung
483.43 Nördlicher Ringgau

Von diesen bildet nur der Ringgau mit seinen vorgenannten Teileinheiten einen flächenbedeutsamen hessischen Naturraum. Geologisch ist der Ringgau ein breiter Muschelkalkgraben mit südöstlich-nordwestlicher Längsachse. Mit dieser der nördlichen Randsenke des Thüringer Waldes entsprechenden Richtung greift er von Südosten in den Buntsandstein der Hauptscholle des Fulda-Werra-Berglandes (357) wie ein Einbiss ein und bildet darin eine mit teilweise herausragend scharfen Muschelkalkrändern begrenzte Hochfläche mit zentral eingesenkter trogartiger Mulde. Die hierin eingesenkte lang gestreckte Netra-Ifta-Talung entwässert diese Mulde je etwa zur Hälfte über die Ifta nach Südosten zur Werra und über die Netra nach Nordwesten zur Wehre. Die in dieser Talung auftretenden Keupermergel werden im nördlichen und südlichen Hanganstieg zu den Randhöhen durch unterschiedlich harte Schichten des Muschelkalkes abgelöst, welche die Morphologie des Ringgaues bestimmen. Der Südliche Ringgau stellt eine im Wesentlichen waldfreie, ackerbaulich genutzte, wellig gegliederte Hochfläche dar, die lediglich an ihrem steileren Südrand und im Übergang zur Buntsandsteinbasis stärker bewaldet ist. Der Nördliche Ringgau, dessen Hochfläche im Wesentlichen aus härteren Schichten des unteren Muschelkalkes gebildet wird, ist insbesondere in seinem hessischen Teil fast geschlossen bewaldet. Die Wälder des Ringgaues sind überwiegend Orchideen-Buchenwälder auf Kalk-Rendzinen. Bezüglich weiterer Einzelheiten des Ringgaues, der im Ganzen ein sehr vollständiges Modell einer fein ausgeformten Beckenlandschaft darstellt, und der übrigen auf Hessen nur geringflächig übergreifenden Teileinheiten der nordwestlichen Randplatten des Thüringer Beckens wird auf die nachstehend genannte Literatur verwiesen.
Lit.: 4, 8.


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