Natur und Landschaft: Landschaftsplanung         - Die Naturräume Hessens -

Die Naturräume Hessens und ihre Haupteinheiten

23 Rhein-Main-Tiefland

Die in sich geschlossene Tektonik des Oberrheintalgrabens spaltet sich an seinem nördlichen Ende in einen Fächer verschiedener Richtung auf. Nach Westen hat sie zur Herausbildung des von den Geologen so genannten Mainzer Beckens geführt, nach Nord-Nordosten setzt sie sich in der geologisch so genannten Hessischen Senke fort. Diese Aufspaltung mit auch nach Osten gerichteten Kräften beginnt bereits am Nordfuß des Odenwaldes und reicht, von dort wieder nach Süden vorspringend, bis in den so genannten Gersprenzgraben und weiter im Osten bis an den Spessartrand. Die daraus entstandene Tieflandform ist das Rhein-Main-Tiefland. Ihren Kern bilden die Untermainebene (232) und die Ingelheimer Rheinebene (237), die randlich von buchtig vor- und zurückspringenden Hügelländern (230 Messeler Hügelland, 231 Reinheimer Hügelland, 233 Büdingen-Meerholzer-Hügelland, 234 Wetterau, 235 Main-Taunus-Vorland, 236 Rheingau) umgeben sind. Das Rhein-Main-Tiefland ist mit dem nördlichen Oberrheintiefland geomorphologisch an der Grenze der westlichen Untermainebene zur Hessischen Rheinebene praktisch stufenlos verbunden; die Abgrenzung beider Einheiten voneinander ergibt sich aus der unterschiedlichen fluviatilen Zugehörigkeit der hier in Niederterrassen und alten Flussschlingen abgelagerten Sedimente, eine Unterscheidung, die auch hydrogeologisch nicht unzweckmäßig ist.
Lit.: 4, 6, 11, 14, 17, 20.

230 Messeler Hügelland

Das flachrückige Hügelland im Höhenbereich zwischen 130 und 230 m ist überwiegend bewaldet; es liegt zur Gänze im Verbreitungsgebiet des Rotliegenden, welches als Horst aus den umgebenden Einheiten des Rhein-Main-Tieflandes deutlich herausgehoben ist. Das vorgeschichtlich dicht besiedelte und zeitweilig stark entwaldete Gebiet trägt heute verbreitet stark degradierte Böden, auf denen sich aus Hude- und Mittelwäldern das heutige Laubwaldgebiet herausgebildet hat. Bezüglich weiterer Einzelheiten, auch ökologischer Art, wird auf die nachstehend angegebene Literatur, insbesondere den an zweiter Stelle genannten Titel, verwiesen.
Lit.: 4, 6, 17.

231 Reinheimer Hügelland

Das im Wesentlichen waldfreie Lößhügelland liegt am Nordrand des Odenwaldes im Übergang zur Untermainebene in einer Höhe zwischen 140 und 280 m. Es wird fast ausschließlich ackerbaulich genutzt, im Bereich der so genannten Kleinen Bergstraße findet sich Obst- und Weinbau. Es gliedert sich in folgende Unter- und Teileinheiten:

231.0 Gersprenzgrund
231.1 Reinheimer Becken
231.11 Roßdorf-Gundernhäuser Senke
231.12 Westliche Reinheimer Buckel
231.13 Südliche Reinheimer Buckel
231.14 Östliche Reinheimer Buckel
231.15 Zipfener Rücken
231.2 Otzberger Randhügelland
231.3 Kleine Bergstraße

Lit.: 4, 6.

232 Untermainebene

Diese vorwiegend sandige Ebene im Höhenbereich von 88 bis rd. 150 m bildet den Kern des Rhein-Main-Tieflandes. Neben Niederungen und Terrassenabschnitten, also Gliederungsmerkmalen, die auf den Main bezogen sind, ergibt sich eine Hauptgliederung durch die Heraushebung des Sprendlinger Horstes, welcher in Fortsetzung von Odenwald und Messeler Hügelland sich südlich des Mains in dem Sachsenhäuser Rücken markiert. Zwischen Frankfurt und Offenbach liegt daher der so genannte Frankfurt-Sachsenhäuser Maindurchbruch. Dadurch ergibt sich für die Untermainebene eine Dreigliederung, und zwar in die Rhein-Main-Niederung (232.0) als untersten Abschnitt, zweitens in die daran anschließende westliche Untermainebene (232.1) bis zum Maindurchbruch und drittens in die östlich davon gelegene Östliche Untermainebene (232.2), welche auch als Hanau-Seligenstädter Senke bekannt ist. Die Unter- und Feingliederung ergibt dann noch folgende Teil- und Grundeinheiten:

232.0 Rhein-Main-Niederung
232.00 Bodenheimer Aue
232.01 Mainmündungsaue
232.02 Gustavsburger Terrasse
232.020 Ginsheimer Sand
232.021 Rüsselsheimer Sand
232.03 Hochheimer Mainaue
232.1 Westliche Untermainebene
232.10

Westliche Untermainniederung

232.100 Flörsheim-Griesheimer Mainniederung
232.101 Frankfurt-Sachsenhäuser Maindurchbruch
232.11 Sachsenhausen-Offenbacher Rücken
232.12 Kelsterbacher Terrasse
232.120 Mönchwald und Dreieich
232.121 Mönchbruch
232.13 Hegbach-Apfelbach-Grund
232.2 Östliche Untermainebene (Hanau-Seligenstädter Senke)
232.20 Östliche Untermainniederung
232.200 Fechenheim-Steinheimer Mainniederung
232.201 Auheim-Kleinostheimer Mainniederung
232.21 Wilhelmsbad-Wolfganger Flugsandgebiet
232.22 Rodgau
232.220 Steinheimer Terrasse
232.221 Rodauniederung
232.222 Heusenstammer Sand
232.223 Dudenhofener Dünen- und Flugsandgebiet
232.23 Dieburger Bucht
232.230 Gersprenzniederung
232.231 Lettbusch
232.232 Schaafheimer Rinne

Auffällig für die Untermainebene ist das weit gehende Fehlen von Löß. Daher sind die überwiegend sandigen Böden relativ nährstoffarm. Ein verhältnismäßig großer Teil der Untermainebene ist noch mit Wald bedeckt, ohne dass indessen die Waldverteilung einen besonderen ökologischen Zeigerwert hätte, vielmehr ist sie historisch bedingt. Des der Tieflage entsprechenden günstigen Klimas wegen findet sich neben Ackerbau vor allem auch Obstbau, sowie in jüngster Zeit verbreitet Sozialbrache. Mit zunehmend flächenhafter Überbauung sind wesentliche Änderungen des vorgegebenen Naturhaushaltes, insbesondere des Lokalklimas und des Abflussregimes, verbunden. Weitere Einzelheiten enthält die nachstehend angegebene Literatur.
Lit.: 4, 6, 17.

233 Büdingen-Meerholzer Hügelland

Diese Einheit, die früher häufig auch mit dem allerdings zu eng gewählten Begriff Ronneburger Hügelland bezeichnet wurde, liegt im Nordostteil des Rhein-Main-Tieflandes zwischen Nidder und Kinzig und reicht südlich derselben bis an den Vorderen Spessart heran. Sie ist das dem Büdinger Wald vorgelagerte Randhügelland und ist ähnlich dem Messeler Hügelland aus nach Norden einfallenden Schichten des Rotliegenden aufgebaut. Die aus Lößauflagen und aus Letten des Rotliegenden entstandenen Böden sind die Grundlage einer ertragreichen Landwirtschaft dieses nur auf den ebenfalls verbreiteten Basalten und im Bereich des Rotliegend-Sandsteins mit Laubwald bestockten Gebietes. Eine ökologische Sonderstellung nimmt das Kinzigtal ein, in welchem Hochwässer häufig sind. Folgende Teil- und Untereinheiten werden unterschieden:

233.0 Ronneburger Hügelland
233.00 Ronneburger Bergrücken
233.01 Ronneburger Hochfläche
233.1 Gelnhäuser Kinzigtal
233.2 Nordwestliches Spessartvorland
233.20 Meerholzer Hügelland
233.21 Oberrodenbacher Hügelland
233.22 Hahnenkammvorland

Die zuletzt genannten Einheiten leiten bereits zum Vorderen Spessart über.
Lit.: 4, 17.

234 Wetterau

Die Wetterau ist die innerhalb des Rhein-Main-Tieflandes fruchtbarste Lößlandschaft und als nahezu waldfreies Gebiet die ertragreichste Ackerlandschaft Hessens. Die Höhenlagen bleiben im Wesentlichen unter 250 m. Von der Nidda und ihren zahlreichen Nebenflüssen durchflossen, ist sie in zahlreiche Rücken und Senken gegliedert, in deren Grund sich teilweise breite Auen ausgebildet haben. Dies zeigt die nachstehende Gliederung:

234.0 Horloffsenke
234.00 Hungener Höhen
234.01 Horloffniederung
234.1 Münzenberger Rücken
234.2 Nordwestliche Wetterau
234.20 Butzbacher Becken
234.21 Mörlener Bucht
234.3 Südliche Wetterau
234.30 Friedberger Wetterau
234.31 Nidda-Aue
234.32 Heldenbergener Wetterau
234.4 Bergener Rücken (Hohe Straße)

Die Horloffniederung sowie andere Senkungsgebiete der Wetterau zeigen tertiäre Braunkohlenbildungen in mehreren kleinen Becken. Außerdem finden sich hier auch zahlreiche Mineral- und Thermalquellen. Im Zusammenhang mit letzterem stehen auch die bekannten Salzwiesen bei Münzenberg.
Lit.: 4, 14, 17.

235 Main-Taunusvorland

Mit diesem Namen wird das an den Rheingau nach Osten anschließende, dem Taunus vorgelagerte Randhügelland des Rhein-Main-Tieflandes bezeichnet. Neben den auch hier verbreiteten Lößböden, die stellenweise stark entkalkt sind, haben tertiäre Schichten Anteil am Aufbau dieses Randhügellandes. Durch den vom Taunus vorspringenden Eppsteiner Horst gliedert sich das Main-Taunusvorland in das westlich gelegene Wiesbadener Taunusvorland (235.0), mit Wiesbadener Bucht (235.00) und Hochheimer Ebene (235.01), und das nordöstliche Main-Taunusvorland (235.1) mit der gegen den Taunus vorspringenden Homburger Bucht (235.2). Die häufig ebenfalls zum Taunusvorland gerechnete Hornauer Bucht, bei Schwenzer (17) mit der Gebietskennziffer 235.2 bezeichnet, ist in vorliegender Zusammenstellung mit der Kennziffer 300.11 dem Vortaunus zugeordnet worden. Das nach Süden und Südosten sich zum Main hin senkende Taunusvorland ist klimatisch durch einen besonders frühen Beginn der Vegetationsperiode gekennzeichnet. Hier früher wohl weit verbreitete thermophile Buchenwälder haben einem ertragreichen Acker- und Obstbau Platz gemacht. Mit dieser Exposition und seiner räumlichen Zuordnung zu den Ballungsräumen des Rhein-Main-Gebietes bietet es sich als bevorzugtes Wohngebiet an. Damit einhergehender starker Landschaftsverbrauch durch Bebauung lässt bereits jetzt wesentliche Änderungen des seitherigen Naturhaushaltes, insbesondere des Abflussregimes erkennen. Das Vorkommen von Thermal- und Mineralquellen (Wiesbaden, Weilbach, Homburg) verdient Erwähnung.
Lit.: 4, 11, 17.

236 Rheingau

Mit diesem Namen wird hier die Südostabdachung des Taunus zwischen Biebrich und Binger Loch bezeichnet. Dieser naturräumlich und auch kulturlandschaftlich auf den Taunusunterhang bis zu etwa 300 m Höhe beschränkte untere Teil des Rheingaues im historischen Sinne, der auch den naturräumlich nicht zugehörigen Rheingautaunus mit umfasste, ist eine im Wesentlichen lößbedeckte Landschaft. Vertikal in verschiedene Flussterrassen gegliedert, ist sie in ihrer südwestlich-nordöstlichen Erstreckung durch zahlreiche vom Taunus herabkommende Tälchen mannigfaltig zerlegt. Aufgrund der besonderen klimatischen Gunst dieses vor rauen Klimaeinflüssen gegen Nordwesten vom Rheingaugebirge geschützten Unterhanges hat der hier naturlandschaftlich anzunehmende thermophile Buchen-Eichenwald dem Acker- insbesondere aber dem Weinbau Platz gemacht. Die Gunst des Klimas für letzteren resultiert aber außer der geschützten Lage und der Exposition auch aus der Trockenheit des im Regenschatten von Hunsrück und Taunus liegenden Gebietes. Abweichend von den Darstellungen der naturräumlichen Gliederung des Rheingaues in den Bearbeitungen von Uhlig (20), Müller-Miny und Bürgener (11) wird hier auf eine weiter gehende Differenzierung in Unter- und Teileinheiten verzichtet, da letztlich nur eine Feingliederung bis in die einzelnen Fliesen, die auch den einzelnen Weinbaulagen in etwa zu entsprechen hätten, sinnvoll wäre. Dies aber ist in dem Maßstab der hier besprochenen Karte nicht möglich. Bedeutungsvoll ist die weit gehende Unausgeglichenheit des Wasserhaushaltes: geringe Niederschläge und hohe Verdunstung führen bei hohem Speichervermögen der Lößböden und gleichzeitig geringer Durchlässigkeit zu einem fast vollständigen Fehlen der Grundwasserneubildung, gleichzeitig aber auch zu lokalen Hochwässern bei örtlichen Starkregen, die in Verbindung mit dem durch den Weinbau freigelegten Boden verbreitet flächenhafte Erosionserscheinungen zur Folge haben.
Lit.: 4, 11, 20.

237 Ingelheimer Rheinebene

Von dieser im Wesentlichen auf rheinland-pfälzischem Gebiet ausgebildeten Einheit ist hier nur die eigentliche flussnahe Rheinaue (237.0) zu nennen. Diese Stromaue ist rechtsrheinisch, also auf hessischem Gebiet, nur als schmaler Saum zwischen Fluss und den Rebhängen des Rheingaues ausgebildet. Von ihr gebildete Vertiefungen am Fuß dieser Rebhänge sind verbreitet zum Teil mit Müll durch Auffüllung aufgehöht und als Weinberge rekultiviert (so genannte Müllweine!).
Lit.: 4, 11, 20.


© 2013 Hessisches Landesamt für Umwelt und Geologie