Natur und Landschaft: Landschaftsplanung         - Die Naturräume Hessens -

Die Naturräume Hessens und ihre Haupteinheiten

22 Nördliches Oberrheintiefland

Das innerhalb des Oberrheintalgrabens gelegene Nördliche Oberrheintiefland ist ebenso wie das Mittlere und Südliche Oberrheintiefland durch Randgebirge scharf begrenzt und zeigt in einem ostwestlichen Querschnitt die für das gesamte Oberrheintiefland typische Dreistufigkeit in Stromniederung, Terrassenebenen und Randhügel. Insgesamt stellt das Oberrheintiefland einen Niederschlagstrog dar mit Jahresniederschlägen um und unter 600 mm in seinem nördlichen Teil. In Verbindung mit Höhenlagen um und unter 100 m über NN ergibt sich das Gesamtbild eines klimatisch begünstigten Naturraumes mit rd. 9,5° C Jahresmitteltemperatur.

Die vor rd. 150 Jahren begonnene Rheinkorrektur hat in Verbindung mit Laufverkürzungen zu Sohleinschneidungen und Grundwasserabsenkung geführt, deren Wirkung, durch Binnenentwässerung und Wasserentnahmen verstärkt, sich flächenhaft auf das früher grundfeuchte so genannte Hessische Ried noch bis heute anhaltend auswirkt. Der oben genannten dreistufigen Gliederung folgend, unterscheiden wir im hessischen Bereich folgende Haupteinheiten:

222 Nördliche Oberrheinniederung
225 Hessische Rheinebene
226 Bergstraße

Lit.: 4, 6, 11, 12, 15, 20.

222 Nördliche Oberrheinniederung

Innerhalb des Nördlichen Oberrheintieflandes stellt die Nördliche Oberrheinniederung die stromnahe Eintiefung des Rheins im Bereich seiner früheren Aue dar. Gegenüber der im Osten anschließenden Hessischen Rheinebene ist sie durch eine Geländestufe geringer Höhe deutlich abgesetzt; in sich ist sie durch Altarme und verlandete Flussschlingen des Rheins, sowie durch trockene Flugsandgebiete und Düneninseln im Kleinrelief und ökologisch stark gegliedert. Von der ursprünglichen Auewaldlandschaft sind nunmehr Fragmente erhalten, die sich wohl größtenteils erst sekundär nach vorangegangener Entwaldung wieder eingestellt haben (z.B. Lampertheimer Altrheingebiet, Steiner Wald bei der Weschnitzmündung, Kühkopf bei Stockstadt am Rhein und Erfelden und die Knoblauchsaue nördlich desselben).

Mit Rheineinschneidung und gezielter Vorflutregelung im Binnenbereich der Rheinniederung ist das ursprünglich aus dem Auewald hervorgegangene alte Grünlandgebiet mit seinen fruchtbaren, wenn auch teilweise eutroph-anmoorigen Böden in zunehmendem Maße ackerfähig geworden. Von Sand- und Kiesrücken sowie von Einzelhöfen abgesehen, ist der hessische Teil der nördlichen Oberrheinniederung infolge seiner früheren Hochwassergefährlichkeit fast siedlungsfrei. Die nächstgelegenen Siedlungen liegen an der Kante des Hochgestades zur Hessischen Rheinebene (225). Der hessische Gebietsanteil, das Hessische "Rheinried", ist überwiegend der Mannheim-Oppenheimer Rheinniederung (222.1) zuzurechnen. Lediglich das Gebiet der Schwarzbachmündung in den Ginsheimer Altrhein, westlich von Trebur also, bildet mit dem Altneckar-Mündungsbruch (222.0) eine eigene Untereinheit.
Lit.: 4, 6, 15.

225 Hessische Rheinebene

Die Hessische Rheinebene umfasst den Hauptteil der rechtsrheinischen Niederterrasse zwischen den heutigen Mündungen von Main und Neckar. Sie bildet zusammen mit dem hessischen Teil der Nördlichen Oberrheinniederung (222) das so genannte "Hessische Ried". Als sandige Niederterrasse umfasst sie, neben Flugsand- und Dünengebieten, ausgedehnte Flächen, die mit Neckarschwemmlehm bedeckt sind, sowie das als feuchte Rinne in Erscheinung tretende Altneckarbett ("Neckarried" im Gegensatz zu dem im Westen anschließenden "Rheinried" in Haupteinheit 222). Als Unter- und Teileinheiten werden unterschieden:

225.1 Käfertal-Viernheimer Sand
225.2 Lampertheimer Sand
225.3 Einhäuser Rinne
225.4 Jägersburg-Gernsheimer Wald
225.5 Riedhäuser Feld
225.6 Neckarried
225.61 Südliches Neckarried
225.62 Mittleres Neckarried
225.63 Nördliches Neckarried
225.64 Groß-Gerauer Sand
225.7 Pfungstadt-Griesheimer Sand
225.8 Seeheimer Rinne
225.9 Griesheim-Weiterstädter Sand

Im Bereich trockener Flugsand- und Dünengebiete sind heute Kiefernwälder vorherrschend, die stellenweise im Wechsel mit Spargelanbauflächen stehen. Im übrigen Gebiet herrscht Ackerbau vor. Der ausgedehnte Komplex des Jägersburg-Gernsheimer Waldes ist mit Wald vom Typ eines vor 20 Jahren noch recht naturnahen Eichenhainbuchenwaldes bestockt; er hat als Wassergewinnungsgebiet Bedeutung und seither tief greifende ökologische Veränderungen erlitten (Grundwasserabsenkung).
Lit.: 4, 6, 15.

226 Bergstraße

Die als untere warme Hangzone des Odenwaldwestrandes zu kennzeichnende, klimatisch besonders begünstigte Bergstraße liegt in einem Höhenbereich von etwa 120 bis 220 m. Ihre Böden werden nicht so sehr von den gebirgsbildenden Gesteinen, als vielmehr von vorherrschend mächtigen Lößauflagen gebildet. Naturlandschaftlich ist es ein Wärme liebender Eichen-Mischwaldstreifen, dessen ökologische Amplitude von Standorten thermophiler Eichen-Elsbeerenwälder bis zu basiphilen Buchenwäldern reicht. Diese Landschaft ist heute waldfrei und diente früher ausgedehntem Weinbau, der besonders im nördlichen Teil später durch Obstbau ersetzt wurde. Die südlichen Teile der Bergstraße liegen außerhalb Hessens; der hessische Teil umfasst den nördlichen Teil der Mittleren Bergstraße (226.4), die Nördliche Bergstraße (226.5), das Eberstädter Becken (226.6) und als nördlichsten Ausläufer den Bessunger Hang (226.7).
Lit.: 4, 6, 15.


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