Natur und Landschaft: Landschaftsplanung         - Die Naturräume Hessens -

Die Naturräume Hessens und ihre Haupteinheiten

14 Hessisch-Fränkisches Bergland

Südwest-nordoststreichendes Bergland, welches die unterste Stufe des süddeutschen Schichtstufentafellandes an dessen Nordwestrand bildet. In den Kerngebieten von Odenwald, Spessart und Südrhön aus zum Teil stark zertalten, nach Südosten einfallenden Buntsandsteintafeln aufgebaut, ist es nach Nordwesten gegen die Oberrheinische Tiefebene bzw. das Rhein-Main-Tiefland mit zum Teil schroffer Stufe des an der Basis freigelegten kristallinen Sockels abgesetzt. Diese kristallinen Vorstufen oder Vorgebirge bestimmen die Eigenständigkeit der naturräumlichen Haupteinheiten Vorderer Spessart und Vorderer Odenwald. Seine Nordgrenze gegen Vogelsberg und Hohe Rhön findet das Hessisch-Fränkische Bergland durch an dieser Grenze zum Hessischen Bruchschollentafelland einsetzende tektonische Bruchlinien und im Zusammenhang mit diesen zum Teil großflächig aufgelagerten Vulkangesteinen. Das sehr waldreiche und auch immer noch laubwaldreiche Hessisch-Fränkische Bergland erreicht in den oberen Lagen von Odenwald, Spessart und Südrhön Höhen von über 500 m, fällt aber zu den Neckar- und Tauber-Gäuplatten und Mainfränkischen Platten auf unter 300 m ab. Der südwestliche Teil des Hessisch-Fränkischen Berglandes liegt mit Vorderem und Sandsteinodenwald ganz überwiegend in Hessen, Vorderer Spessart und Sandsteinspessart liegen überwiegend im fränkischen Bereich, der Büdinger Wald liegt ausschließlich in Hessen, die Südrhön fast ausschließlich auf bayerischem Gebiet.
Lit.: 4, 6, 10, 13, 15, 17, 18, 19.

140 Südrhön

Das stark bewaldete Hochflächengebiet der Südrhön, das sich vom Fuß der Hohen Rhön zur Fränkischen Saale hin abflacht, reicht nur mit einem kleinen Zipfel des Gemünden-Zeitlofser Waldes (140.0) nach Hessen gegen die Sinn herein.
Lit.: 4, 18.

141 Sandsteinspessart

Der Sandsteinspessart als waldreiches Mittelgebirge im Mainviereck und nördlich desselben ist von dem ihm sehr ähnlichen Sandsteinodenwald (144) durch das untere Maintal getrennt. Das flachrückige Bergland, das im Kern des Buntsandsteinschildes Höhen von fast 600 m erreicht, erstreckt sich mit seinen nördlichen Ausläufern bis nach Hessen. Dies betrifft einen Zipfel des südöstlichen Sandsteinspessarts (141.3) im Quellgebiet der Lohr, den nördlichen Sandsteinspessart (141.5) und das Schlüchterner Becken (141.6). In den nach Norden flacher werdenden hessischen Teilen des Sandsteinspessarts ist in den Tälern von Jossa und Sinn der untere Buntsandstein flächenhaft angeschnitten. Das Schlüchterner Becken hingegen, an dessen Ostrand die Kinzig entspringt, ist ein durch zahlreiche flache Muldentäler gegliedertes Berg- und Hügelland mit Höhen bis wenig über 400 m, in welchem Rot und auch Wellenkalk, westlich von Schlüchtern sogar tertiäre Tone zutage treten. Röttone, auch Lößvorkommen und einige Basaltdecken haben zur Ausbildung nährstoffreicher tiefgründiger Böden geführt, welche die Ackerlandschaft des Schlüchterner Beckens bedingen.
Lit.: 4, 10, 17, 18.

142 Vorderer Spessart

Das kristalline Rumpfgebirge des Vorderen Spessarts, das vorwiegend aus kristallinen Schiefern und gneisartigen Gesteinen aufgebaut ist, tritt mit stellenweise über 300 m hohem Bruchrand im so genannten Hahnenkamm (142.0 Hahnenkamm-Haidkopf-Höhenzug) an die Mainebene heran. Ansonsten bildet es ein von bewaldeten Höhenzügen umschlossenes, schüsselförmiges Kuppenland, in dessen Kern das weite Aschafftal zum Main hin entwässert. Den in seinem nördlichen Teil auf Hessen hinüberreichenden Hahnenkamm-Haidkopf-Höhenzug durchbricht aus dem Inneren Vorspessart (142.1) kommend die Kahl, deren in weitem Bogen durchflossenes Gebiet kennzeichnende Verebnungen den so genannten Kahlgrund (142.10) bilden. Die in diesem Gebiet ausgeräumten weicheren Gneise haben tiefgründige grusig-sandige Lehmböden gebildet, die zum Teil mit Löß überschleiert sind. Im Gegensatz zu dem überwiegend aus quarzitischen Gesteinen aufgebauten Hahnenkamm-Haidkopf-Höhenzug, der fast siedlungsfrei und fast vollständig bewaldet ist, ist der Kahlgrund vorwiegend landwirtschaftlich genutzt; er liegt aber überwiegend außerhessisch.
Lit.: 4, 6, 17, 18.

143 Büdinger Wald

Als nach Norden über die Kinzig vorspringender Ausläufer des Spessarts schiebt sich der Büdinger Wald von Süden vor die gegen das Rhein-Main-Tiefland gerichtete Südabdachung des Vogelsberges. Gegenüber dem zum Rhein-Main-Tiefland gehörenden Büdingen-Meerholzer Hügelland (233) ist er durch eine Schichtstufe des unteren Buntsandsteins von ca. 100 m relativer Höhe herausgehoben. Seine Grenze gegen den Vogelsberg bilden die dort flächenhaft ausgebildeten Basaltdecken. Als nordwest-südost-verlaufende Buntsandsteinscholle von 350 bis 410 m Höhe bildet er im Wesentlichen eine Sandsteinhochfläche, deren anlehmige bis lehmige Sandböden eine fast geschlossene Walddecke tragen. Schmale Wiesentäler und geringe, meist randliche Besiedlung sowie besondere Schwerpunkte landwirtschaftlicher Nutzung nur im Bracht- und Gründautal kennzeichnen die heutige reale Vegetation.
Lit.: 4, 17, 18.

144 Sandsteinodenwald

Der Sandsteinodenwald ist ein stark zertaltes, waldreiches Buntsandsteintafelland mit Höhenlagen zwischen 150 und 550 m mit im Wesentlichen nordsüdlich verlaufenden, lang ausgezogenen Rücken von meist über 400 m, auf denen noch der obere Buntsandstein teils flächendeckend, teils in noch nicht abgetragenen Flecken (Platten) das Dach des Mittelgebirges bildet. Die Grenzen zu den benachbarten Haupteinheiten sind äußerst scharf, wenn auch nicht gleichartig: zur Bergstraße im Westen geländeklimatisch, gegen den Kraichgau im wesentlich orographisch, gegen den Muschelkalk des Baulandes geologisch, gegen Maintal und Spessart orographisch, gegen die Untermainebene hin als Stufenrand und gegen den aus kristallinen Gesteinen aufgebauten Vorderen Odenwald im Wesentlichen petrographisch. Die durch die Gewässer oft entlang tektonisch vorgezeichneter Linien hervorgerufene Zerschneidung des mittleren Buntsandsteinpaketes geht in den Talsohlen meist bis auf den unteren Buntsandstein; der ehemals wohl weit verbreitete Löß ist weitgehend abgetragen, umgelagert und entkalkt, er ist aber in fast allen Böden des Sandsteinodenwaldes noch als charakteristische Feinerdefraktion vorhanden. In dem auch heute noch sehr waldreichen Mittelgebirge hat unter forstlichem Einfluss ein starker Baumartenwechsel stattgefunden: ursprünglich dominante bodensaure Buchen-Eichenwälder und artenarme Luzula-Buchenwälder sind heute weitgehend durch Kiefernforsten, teils mit, teils ohne Buchenunterbau, ersetzt. Im Bereich der hoch gelegenen Platten finden sich Weiler und Einzelhöfe in Rodungsinseln, Täler und flachere Mulden zeigen eine heute teilweise rückläufige landwirtschaftliche Nutzung im Bereich so genannter Grenzertragsböden. Aufgrund seiner starken Zertalung und der dadurch bedingten Feingliederung im Relief lässt sich der Sandsteinodenwald sehr klar in einzelne Unter- und Teileinheiten gliedern; für den hessischen Teil des Sandsteinodenwaldes sind dies folgende:

144.3 Odenwald-Neckartal
144.6 Zentraler Sandsteinodenwald (Hinterer Odenwald)
144.60 Südlicher zertalter Sandsteinodenwald (Neckarseitentäler)
144.61 Östlicher zertalter Sandsteinodenwald (Mainseitentäler)
144.62 Beerfelder Platte
144.63 Würzberger Platte
144.64 Sellplatte
144.65 Wegscheidekamm
144.66 Mossausenke
144.67 Eichelsberge
144.68 Breuberg-Odenwald
144.69 Mümlingtal

Bezüglich des ökologischen Charakters der vorstehend genannten Teileinheiten wird auf die nachstehend angeführte Literatur verwiesen.
Lit.: 4, 6, 10, 16.

145 Vorderer Odenwald

Der Vordere Odenwald ist der gegenüber der Rheinebene tektonisch herausgehobene und im Unterschied zum Sandsteinodenwald hier freigelegte Grundgebirgsstock des Odenwaldes, mit dem Schwerpunkt seiner Verbreitung auf hessischem Gebiet. Das waldreiche Mittelgebirge, im Höhenbereich zwischen 200 und 600 m, ist an seinem Westrand gegenüber der Hessischen Rheinebene, deren mittlere Höhenlage um 100 m liegt, randlich bis zu 400 m hoch über diese hinausgehoben: markanteste Erhebung am Westrand des Vorderen Odenwaldes ist der Melibocus mit 517 m. Den Westrand des Vorderen Odenwaldes bildet, wie wohl ihm geologisch zugehörig, die sich an seinem Unterhang und an seinem Hangfuß hinziehende Bergstraße, die oroklimatisch und in ihrer naturlandschaftlichen Florenausstattung eine eigenständige naturräumliche Haupteinheit (226) bildet. Bezüglich der Abgrenzung gegen den Sandsteinodenwald vergleiche das unter 144 Gesagte.

Im Norden taucht der Vordere Odenwald an der Randstufe des Süddeutschen Schichtstufentafellandes entlang einer von Darmstadt nach Osten verlaufenden Achse zur Untermainebene hin ab.

Das den nördlichen Ausläufer dieses Gebirges bildende Messeler Hügelland (230) wird ebenso wie das Reinheimer Hügelland (231) bereits der Untermainebene zugerechnet. Der Vordere Odenwald ist ein ganz charakteristisches Buchenwaldgebiet, in dem Buchen- und Edellaubmischwälder (Fagetalia-Gesellschaften) und deren Ersatzformationen dominieren. Die hierzu erforderlichen mineralkräftig-nährstoffreichen Böden leiten ihre Entstehung entweder aus den das Gebirge bildenden kristallinen Gesteinen oder aus dem besonders am Westrand aufgewehten Löß her. Auf Lößhängen in Südlage sind daher thermophile Buchen- und Eichenwälder verbreitet. Das sehr fein verzweigte Gewässernetz des Vorderen Odenwaldes verläuft in einer durch ein außerordentlich charakteristisches Kleinrelief gekennzeichneten Mittelgebirgslandschaft von sehr großer Mannigfaltigkeit an Expositionen und Inklinationen. Das erklärt eine Vielzahl von Standorten für das Vorkommen azonal verbreiteter Naturvegetationsformen, die von nahezu baumfreien Blockhalden, über Schluchtwaldstandorte bis zu Milzkraut-Quellfluren und von dort über schmale Erlenbrücher zum bachbegleitenden Erlenwald, mit Anklängen an Hartholzauewälder, führen. Aufgrund dieser ökotopologischen Feingliedrigkeit ergibt sich einerseits das Gesamtbild eines sehr dicht besiedelten und dennoch waldreichen Mittelgebirges, andererseits die Notwendigkeit einer kleinräumigen Differenzierung in sehr verschiedenartige Grundeinheiten der naturräumlichen Gliederung:

145.0 Melibocus-Odenwald
145.00 Melibocusmassiv
145.01 Frankensteinmassiv
145.02 Hochstädter Senke
145.03 Felsbergmassiv
145.04 Neutscher Rücken
145.05 Lautertal
145.06 Oberes Modautal
145.07 Unteres Modautal (Mühltal)
145.08 Trautheimer Wald
145.09 Darmstadt-Bessunger Rücken
145.1 Eichelberg-Odenwald
145.2 Juchhöh-Odenwald
145.3 Weschnitztal
145.4 Tromm-Odenwald
145.5 Krehberg-Odenwald
145.6 Neunkircher-Höh-Odenwald
145.7 Lichtenberger Höhen
145.8 Gersprenztal
145.9 Böllstein-Odenwald

 

Bezüglich der ökotopologischen Eigentümlichkeiten der vorstehend genannten Unter- und Teileinheiten, die keineswegs schon als Grundeinheiten im Sinne von Fliesen aufgefasst werden können, deren Darstellung aber auch auf der Karte aus Maßstabsgründen nicht mehr möglich war, wird auf die nachstehend genannte Literatur, insbesondere auf die an zweiter Stelle genannte Arbeit verwiesen. Zum naturräumlichen Begriff Vorderer Odenwald ist ergänzend zu bemerken, dass dieser identisch ist mit dem bei der Bezeichnung der Landbaugebiete verwendeten Begriff "Kristalliner Odenwald", er ist aber nicht identisch mit dem sehr irreführenden Landbaubegriff "Vorderer Odenwald", worunter das in sich uneinheitliche Gebiet des Nordrandes des gesamten Odenwaldes einschließlich des bereits in der Untermainebene gelegenen vorgelagerten Hügellandes (Messeler und Reinheimer Hügelland) verstanden wird.
Lit.: 4, 6, 15.


© 2013 Hessisches Landesamt für Umwelt und Geologie