Natur und Landschaft: Landschaftsplanung         - Die Naturräume Hessens -

Die Naturräume Hessens und ihre Haupteinheiten

33 Bergisch-Sauerländisches Gebirge (Süderbergland)

Geologisch bildet dieses Bergland den Nordostflügel des Rheinischen Schiefergebirges zwischen Niederrheinischer Bucht und Niederrheinischem Tiefland im Westen und Hessischer Senke im Osten, vom Westerwald im Süden bis zur Grenze der deutschen Mittelgebirge gegen das Norddeutsche Flachland im Bereich der Westfälischen Tieflandsbucht. Es umfasst daher das Bergische Land und das gesamte Sauerland. An dieser Haupteinheitengruppe hat Hessen nur randlichen Anteil, deshalb sind hier nur die von Nordrhein-Westfalen teilweise übergreifenden Haupteinheiten

331 Siegerland
332 Ostsauerländer Gebirgsrand
333 Hochsauerland (Rothaargebirge)

von Interesse.
Lit.: 1, 2, 3, 4, 14.

331 Siegerland

Diese große Quellmuldenlandschaft der Sieg am südwestlichen Rand des Rothaargebirges greift nur mit einem kleinen Zipfel des Heller-Berglandes (331.3), nämlich mit dem quellnahen östlichsten Teil des mittleren Hellertales (331.31), geringflächig auf hessisches Gebiet über; eine besondere Darstellung entfällt hier.
Lit.: 3.

332 Ostsauerländer Gebirgsrand

Mit diesem Namen wird der Ostabfall des Bergisch-Sauerländischen Schiefergebirges zwischen Eder und Diemel bezeichnet. Verbindendes und einheitliches Merkmal dieses in sich vielgestaltigen Naturraumes ist die nach Osten gerichtete Abdachung des Schiefergebirges von den ca. 600 m hohen Rändern des Rothaargebirges (333) zu Burgwald (345), Kellerwald (344) und Waldecker Tafel (340). Der Kellerwald, wiewohl paläozoisch aufgebaut, rechnet schon zur Hessischen Senke, gehört also bereits der Region des Hessischen Bruchschollentafellandes an. Die in zahlreiche Sporne und Buchten aufgelöste Ostgrenze des Ostsauerländer Gebirgsrandes weist ebenso wie die verbreitete Rötung der Gesteine in den zurückspringenden Buchten auffällig darauf hin, dass das vor der Einsenkung hier übergreifende Hessische Tafelland in das alte Relief des Rumpfschollenlandes mit flachen Sedimentlagen eingedrungen war, bevor deren spätere Abtragung dieses Altrelief im Wesentlichen wieder freilegte. Das geringe Porenvolumen und die geringe Wasserspeicherfähigkeit der Schiefergesteine des Ostsauerländischen Gebirgsrandes bedingen eine außerordentlich geringe Niedrigwasserführung der aus diesem Gebirgsrand in die Hessische Senke eintretenden Wasserläufe, sie bedingen aber zugleich mit ihren meist in das niederschlagsreiche Hochsauerland hineinreichenden Niederschlagsgebieten ihre auffallend übereinstimmende Hochwassergefährlichkeit, die im Falle von Eder und Diemel zur Anlage von Talsperren Anlass gab und auch in der Twiste eine Hochwasserrückhaltung durch ein Rückhaltebecken notwendig machte. Naturlandschaftlich ist der Ostsauerländer Gebirgsrand ein Luzula-Buchenwaldgebiet, in welchem die forstlich eingebrachte Fichte in den reichlich erhalten gebliebenen Waldflächen des hessischen Teiles dieser Einheit zunehmend an Bedeutung gewinnt. Wo Rodung im kleinflächigen Mosaik den Wald entfernt hat, tritt heute anstelle früher anspruchslosen Ackerbaues häufig die Hutung oder Aufforstung. Für den überwiegend hessischen Bereich des Ostsauerländer Gebirgsrandes sind folgende Unter- und Teileinheiten zu nennen:

332.0 Sackpfeifen-Vorhöhen (mit Wollenberg)
332.1 Hinterländer Eder-Bergland
332.10 Hatzfelder Bergland
332.11 Elbrighäuser Wald
332.12 Battenberger Riegel
332.2 Frankenberger Grund
332.3 Waldstruth
332.30 Breite Struth
332.31 Sachsenberger Leimestruth
332.32 Hessensteiner Wald
332.33 Örksche Schweiz
332.34 Aarstruth
332.4 Medebacher Bucht
332.41 Hallenberger Hügelland
332.42 Münder Grund
332.5 Grafschafter Bergland
332.50 Eschenberg-Eisenbergrücken (mit Epper Paß)
332.51 Hardt und Wipperberg
332.52 Grafschafter Kammer (mit Upländer Tor)
332.53 Hohe Rade
332.6 Vorupländer (Adorfer) Bucht
332.60 Flechtdorfer Höckerflur
332.61 Vorupländer Hügelland
332.62 Adorfer Grund
332.7 Diemel-Bergland
332.70 Padberger Schweiz

Die Vielzahl dieser Unter- und Teileinheiten ergibt sich teils geologisch, teils morphologisch. Bezüglich ihrer Unterscheidung und weiterer Einzelheiten ihrer naturräumlichen Ausstattung muss hier auf die angegebene Literatur verwiesen werden.
Lit.: 1, 14.

333 Hochsauerland (Rothaargebirge)

Das Hochsauerland mit seinem Höhenschwerpunkt am Kahlen Asten, das dort klimatisch-naturlandschaftlich charakteristische Bärlapp-Buchenwälder im Bereich einer waldgeschichtlich nicht erreichten potentiellen Fichtenwaldstufe trägt, strahlt in das Verwaltungsgebiet des Landes Hessen nur mit einer Reihe von Unter- und Teileinheiten aus. In diesem Zusammenhang zu nennen sind:

333.0 Dill-Lahn-Eder-Quellgebiet
333.00 Kalteiche (mit Haincher Höhe)
333.01 Ederkopf-Lahnkopf-Rücken
333.2 Wittgensteiner Bergland
333.3 Sackpfeife
333.5 Winterberger Hochland
333.50 Wilde Struth
333.58 Langenberg
333.8 Hochsauerländer Schluchtgebirge
333.82 Schellhorn- und Treiswald
333.9 Upland
333.90 Inneres Upland
333.91 Vorupländer Rücken

Von diesen sind als flächenrelevant für Hessen zu kennzeichnen Kalteiche, Sackpfeife und Upland. Kalteiche und Haincher Höhe bilden gemeinsam einen etwa 18 km langen, 5 km schmalen Höhenzug auf der Wasserscheide zwischen Dill und Sieg. In Höhenlagen zwischen 500 und 600 m findet sich hier auf Grauwacken, Tonschiefern und Quarziten ein geschlossenes Waldgebiet in der submontanen Buchenstufe, in welchem die Fichte heute hohe Anteile hat. Die Sackpfeife ist der zwischen Eder- und Lahntal am weitesten nach Südosten ausgreifende Ausläufer des Hochsauerlandes. Dieser vollständig bewaldete Bergrücken ist an seinem äußersten Ende immerhin noch 480 m hoch, der Sackpfeifengipfel nahe der Landesgrenze 674 m. Diese herausgehobene und vorspringende Stellung verdankt dieser Ausläufer des Hochsauerlandes dem Vorkommen harter Kellerwaldquarzite, die neben Grauwacken und Kieselschiefern nährstoffarme Silikatverwitterungsböden gebildet haben. Das (von geringen Rodungsinseln abgesehen) geschlossene Waldgebiet trägt ursprünglich Buchen- heute zunehmend auch Fichtenwälder. Demgegenüber weicht das Waldecker Upland vom hochsauerländischen Charakter der beiden vorgenannten Untereinheiten ganz wesentlich ab. Oberdevonische Mergel und Tonschiefer sowie Kalksandstein schaffen nicht nur ein in sich weicheres Relief, sondern insgesamt auch etwas bessere Böden, so dass dieses Gebiet trotz seiner durchaus hochsauerländischen Höhenlage zwischen 500 und 700 m wohl aufgrund sehr früher Besiedlung eine Auflösung der Walddecke durch Rodung erfahren hat. Hier finden sich, ähnlich wie im Hohen Westerwald und im Hohen Vogelsberg, heute rückläufige Hutungen (hier die ostsauerländer "Hochheiden").
Lit.: 1, 2, 3, 4, 14.


© 2013 Hessisches Landesamt für Umwelt und Geologie