Natur und Landschaft: Arten- und Biotopschutz

Hessische Biotopkartierung (HB)

Einführung

Die Umsetzung von Naturschutzgesetzen, Richtlinien und Konventionen setzt eine systematische Inventarisierung der Landschaft unter Naturschutzgesichtspunkten voraus. Ein zentraler Baustein ist die Biotopkartierung, die in Hessen von 1992 bis 2006 als Hessische Biotopkartierung (HB) landesweit durchgeführt worden ist. Die gewonnenen Daten geben einerseits Auskunft über den Zustand der hessischen Landschaft (Dokumentation), andererseits stellen sie für die unterschiedlichsten Fachplanungen - auch über den Bereich des Naturschutzes hinaus - die notwendigen Informationen bereit. Beispielhaft seien Natura 2000, die Eingriffs-Ausgleichs-Regelung, die Landschaftsplanung, die Umweltverträglichkeitsprüfung, die Forsteinrichtung sowie Konzepte zum Biotopverbund und zur Biotopsicherung genannt.

Methode

Bei der HB handelt es sich um eine selektive Biotopkartierung, es werden also nach der Begehung der gesamten Fläche nur die Landschaftsbestandteile erfasst, die naturschutzfachlich besonders hochwertig einzustufen sind. Festlegungen hierzu trifft die Kartieranleitung, die auch im Internet unter http://natureg.hessen.de verfügbar ist.

Die Kartierung wird im Maßstab 1:25.000 auf der Basis der amtlich topografischen Karte TK 25 durchgeführt. Ein methodisch einheitliches Vorgehen sowohl im Wald wie auch im Offenland gewährleistet eine Vergleichbarkeit der erhobenen Daten für die gesamte Landfläche. Die Kartierung nimmt den besiedelten Raum im Sinne von Ortschaften und Städten aus und endet am Rand der geschlossenen Bebauung, d. h. der äußeren Häuserreihe.

Im Rahmen der HB wird aus methodischen Gründen seit 1992 messtischblattbezogen kartiert. In der HB wurde als zusätzliche und zu den einzelnen Biotopen gleichrangige Kartierungseinheit der Biotopkomplex eingeführt. Biotope sind im Sinn der Kartieranleitung abgegrenzte Räume, die zum überwiegenden Teil (> 75 %) einem Biotoptyp (beispielsweise Sandtrockenrasen) zuzuordnen sind. Biotopkomplexe sind im Sinn der Kartieranleitung abgegrenzte Räume, die funktional und räumlich zusammenhängende Flächen (u. U. auch erfasste und dargestellte Biotope) und eventuell sogar nicht kartierwürdige Zwischenflächen enthalten.

Beschreibung der Kartendarstellung

Bewertung und Analyse

Zu jedem Biotop und Biotopkomplex gibt es neben dem Eintrag in die Karte einen Datensatz, der EDV-technisch bearbeitbar ist. Somit sind zu jedem Objekt ca. 80 Einzelinformationen vorhanden, bei Komplexen ist die Anzahl noch höher. Die Einzelinformationen sind über Codepläne standardisiert verschlüsselte Beschreibungselemente, die in der Kartieranleitung definiert sind. Die Vielschichtigkeit der Codepläne sowie die Möglichkeiten einer EDV-technischen Auswertung lassen die Bearbeitung unterschiedlicher Fragestellungen zu. Da die Ergebnisse auf der TK 25 dargestellt sind, ist eine Übertragung in größere Maßstäbe nicht unproblematisch, aber generell bei entsprechender Nachbearbeitung in einem gewissen Rahmen möglich.

 

Datenquellen

Die Daten sind in folgender Form erhältlich (Bereitstellungsgebühr abhängig vom Verwendungszweck):

  • Sachdatenbankauszug für HB-View und Geometrien im ESRI-Shape Format
    (HESSEN-FORST Servicezentrum für Forsteinrichtung und Naturschutz, Europastraße 10-12, 35394 Gießen, naturschutzdaten@forst.hessen.de)

  • Themenkarte farbig (Bestandskarte) analog oder digital je Messtischblattquadrant
    (HESSEN-FORST Servicezentrum für Forsteinrichtung und Naturschutz, Europastraße 10-12, 35394 Gießen, naturschutzdaten@forst.hessen.de)

  • NATUREG-Viewer im Internet http://natureg.hessen.de
  • Literatur

    BÜTEHORN, N. & PLACHTER, H. (1995): Zwischenstand der Hessischen Biotopkartierung 1992-1994. - Vogel und Umwelt 8 (4-5): 193-222.

    HERRMANN, M. (1997): HB-view - Ein Sichtprogamm für die Daten der Hessischen Biotopkartierung (HB). - Jahrbuch Naturschutz in Hessen 2: 127-131.

    GESKE, C. (1998): Erfassung von Streuobstbeständen im Rahmen der Hessischen Biotopkartierung (HB). - Jahrbuch Naturschutz in Hessen 3: 85-91.

    GESKE, C. (2000a): Waldbiotope in der Hessischen Biotopkartierung (HB): Teiche, Tümpel, Pfützen - wann ist ein Kleingewässer im Wald ein Biotop im Sinne der Hessischen Biotopkartierung (HB) - Im Blickpunkt: Hessen Forst (Mai 2000): 8-9.

    GESKE, C. (2000b): Waldbiotope in der Hessischen Biotopkartierung (HB): Quellen oder "Nassstellen"? Die Erfassung von Quellen durch die Hessische Biotopkartierung (HB) Teil II - Im Blickpunkt: Hessen Forst (Oktober 2000): 4-6.

    GESKE, C. (2000c): Hessische Flüsse und ihre Auen - Ausgewählte Ergebnisse der Hessischen Biotopkartierung (HB) zum Biotop des Jahres 2000/2001. - Jahrbuch Naturschutz in Hessen 5: 81-92.

    HESSISCHES MINISTERIUM FÜR UMWELT, LANDWIRTSCHAFT UND FORSTEN (1995): Hessische Biotopkartierung (HB) - Kartieranleitung. 3. Fassung, 43 S., 11 Anhänge.

    HESSISCHES MINISTERIUM FÜR UMWELT, LANDWIRTSCHAFT UND FORSTEN (1999): Hessische Biotopkartierung (HB) - Anwenderorientierte Erläuterungen zur Kartiermethodik. - 1. Fassung, 34 S., 1 Anhang.

    JAUDES, B.E. (2000): Sandtrockenrasen in Hessen - Überblick der im Rahmen der Hessischen Biotopkartierung (HB) erfassten Sandtrockenrasen. - Jahrbuch Naturschutz in Hessen 5: 93-106 und 309-311.

    KAISER, U. (1994): Die Hessische Biotopkartierung (HB). - Naturschutz Heute Nr. 14: 401 -405.

    PLACHTER, H. (1995): Naturschutz und Wald in Mitteleuropa. - in: Stiftung Hessischer Naturschutz: Wie viel Urwald braucht das Land?, S. 61-81, Wiesbaden.

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