Luft: Immissionskataster

Schwermetalle im Staubniederschlag

Untersuchungsumfang

In Hessen wurde 1977 mit der Untersuchung von Staubniederschlagsproben auf ihren Schwermetallgehalt begonnen. Die Messungen fanden zunächst innerhalb von Sondermessprogrammen statt, also nur über einen begrenzten Zeitraum und in bestimmten Gebieten; sie erfolgten in den Untersuchungsgebieten im Rahmen der Erhebungen für die Luftreinhaltepläne und darüber hinaus in Einzelfällen auch anlagenbezogen. Ab 1989 wurden die Schwermetallanalysen im Staubniederschlag in einigen Regionen fortlaufend durchgeführt. Im Immissionsbericht [1], in den Luftreinhalteplänen für die vier hessischen Untersuchungsgebiete [2, 3, 4, 5] sowie im Luftqualitätsbericht Untermain [6] sind viele Ergebnisse der Schwermetallbestimmung im Staubniederschlag veröffentlicht. In [7] sind die Messwerte für Staubniederschlag sowie Schwermetalle im Staubniederschlag für das Jahr 2001 zusammengestellt.

Mit dem Staubniederschlagsmessprogramm werden grundsätzlich zwei Ziele verfolgt: Zum einen interessiert die insgesamt sedimentierte Staubmasse (siehe Kapitel "Staubniederschlag"), zum anderen auch der Schwermetallgehalt im Staubniederschlag. Nach der im Rahmen des Altanlagensanierungsprogramms erfolgten Sanierung vieler Emittenten dient die Schwermetalldepositionsmessung heutzutage hauptsächlich der generellen Fragestellung, wie hoch die Schwermetalleinträge aus der Atmosphäre in den Boden sind.

Im Prinzip sind dieselben Schadstoffe im Schwebstaub und im Staubniederschlag zu finden. Dennoch müssen beide Staubmessgrößen auf Stoffe wie beispielsweise Schwermetalle überwacht werden, da sich beim Depositionsprozess die Konzentrationsverhältnisse der Staubinhaltsstoffe im Vergleich zum Schwebstaub verschieben (große Partikel fallen bevorzugt aus und als Kondensationskerne wirksame Partikel werden bevorzugt ausgewaschen, so dass sich an diese Partikel gebundene Stoffe bevorzugt im Staubniederschlag wiederfinden lassen).

Wie bereits oben erwähnt läuft seit 1989 ein Messprogramm zur kontinuierlichen Überwachung von Staubniederschlagsproben auf Schwermetalle. In welchen Regionen diese Untersuchungen durchgeführt wurden, ist Tabelle 1 zu entnehmen; in ihr sind die sechs Messgebiete zusammen mit der Zahl der Messstellen sowie der Messgebietsgröße aufgeführt.

Tab. 1: Hessische Messgebiete für Schwermetallbestimmungen im Staubniederschlag

Messgebiet 
Anzahl der Messstellen 
Größe des Messgebiets [km2]
Untermain
111
78
Wiesbaden
27
17
Kassel
27
18
Wetzlar
25
16
Hünfelden*
25
16
Ulrichstein*
25
16
* emissionsferner Standort (Vergleichsmessgebiet)

Die ersten vier in der Tabelle genannten Messgebiete liegen in den vier hessischen Untersuchungsgebieten. Die beiden anderen befinden sich an landwirtschaftlich genutzten, emissionsfern gelegenen Standorten und dienen als Vergleichsmessgebiete außerhalb der Ballungsräume. Insgesamt wurden im Jahr 2001 an 240 Messstellen bzw. auf einer Gesamtfläche von 161 km2 Schwermetallniederschläge gemessen.

Die Messgebiete, in denen die Staubniederschlagsproben auf Schwermetalle analysiert werden, stellen Teilflächen der Staubniederschlagsmessgebiete dar (siehe Karte "Staubniederschlag"). Es wurden in jedem Staubniederschlagsmessfeld kleinere Teilgebiete, die dessen Kernbereich abdecken, ausgewählt (bei den Untersuchungsgebieten decken sie 20 - 50 % bzw. bei den Referenzflächen 100 % des jeweiligen Staubniederschlagsmessfelds ab). Insgesamt wurden auf ca. einem Drittel der Gesamtfläche der Staubniederschlagsmessgebiete die Proben auch auf Schwermetalle untersucht.

Während bis Ende der 80er Jahre in den Luftreinhalteplänen nur ca. 5 Schwermetalle betrachtet wurden, ist danach die Palette der im Staubniederschlag untersuchten Stoffe schrittweise erweitert worden. In dem kontinuierlich durchgeführten Messprogramm wurden ab 1989 die 9 links in der Aufzählung stehenden Komponenten gemessen; 9 weitere Stoffe sind 1994 (bzw. Thallium erst 1997) hinzugekommen.

- Arsen (As) - Kupfer (Cu)
- Cadmium (Cd) - Mangan (Mn)
- Kobalt (Co) - Molybdän (Mo)
- Chrom (Cr) - Platin (Pt)
- Eisen (Fe) - Rhodium (Rh)
- Nickel (Ni) - Titan (Ti)
- Blei (Pb) - Thallium (Tl)
- Antimon (Sb) - Wolfram (W)
- Vanadium (V) - Zink (Zn).

Die folgenden Ausführungen beziehen sich hauptsächlich auf die Schwermetalle Nickel, Chrom, Blei und Eisen, die für dieses Kapitel beispielhaft ausgewählt wurden.

Durchführung der Messungen

Die Staubniederschlagsproben wurden nach dem Bergerhoff-Verfahren genommen, das in der VDI-Richtlinie 2119, Blatt 2 [8] festgelegt ist. Die Proben werden in Glasgefäßen gesammelt, die eine normierte Auffangfläche aufweisen und in einem Drahtkorb in 1,50 m Höhe aufgestellt sind. Die Sammelgefäße werden etwa einen Kalendermonat lang exponiert. Theoretisch fallen also 12 Monatssammelproben pro Jahr und Messstelle an; tatsächlich sind es oftmals weniger, weil - bedingt durch Glasbruch, Entwendung der Messgefäße oder sichtbare Verunreinigung - einzelne Proben vollständig fehlen oder nicht vertrauenswürdig erscheinen.

Für die Schwermetallbestimmung werden die Monatssammelproben (aus Kostengründen) zu Jahresmischproben zusammengefasst, was aus Sicht der allgemeinen Immissionsüberwachung zulässig ist, da die Grenzwerte für Schwermetalle als Bestandteile des Staubniederschlags (aus grundsätzlichen, wirkungsbezogen begründeten Argumenten) nur als Langzeitwerte, also Jahresmittelwerte definiert sind. Hierzu werden pro Messstelle und Jahr zwei Mischproben erstellt und analysiert, indem jeweils die Proben für die geraden und ungeraden Monate vereinigt werden; der Jahresmittelwert der Schwermetallniederschlagsrate wird aus den Analysenergebnissen dieser beiden Proben (unter Berücksichtigung der Sammelzeiten) berechnet.

Die Staubniederschlagsproben, die oftmals auch Regenwasser enthalten, werden zunächst eingedampft. Anschließend wird der Trockenrückstand auf seinen Schwermetallgehalt untersucht. Die Bestimmung der Schwermetalle erfolgt in dem ab 1989 fortlaufenden Messprogramm überwiegend mittels Atomabsorptionsspektrometrie (AAS); 15 der 18 analysierten Komponenten (darunter Nickel, Chrom, Blei) werden mit AAS gemessen, die restlichen (u. a. auch Eisen) mithilfe der optischen Emissionsspektrometrie (ICP-OES).

In den einzelnen Messgebieten sind die Messstellen in einem 1 km x 1 km-Raster angeordnet. Die Angabe über die Größe des Messgebiets in Tabelle 1 entspricht daher genau der Anzahl der 1km2-Rasterflächen. Das Rasterflächennetz ermöglicht die Erfassung der räumlichen Struktur der Immissionsbelastung durch Schwermetalle im Staubniederschlag. Bei der Auswertung der Messdaten werden die Werte für die vier Messstellen an den Eckpunkten der Rasterfläche zu einem Flächenmittelwert zusammengefasst. Diese Mittelung geschieht auch dann, wenn nur von drei Eckpunkten der Rasterfläche Messdaten vorliegen.

Die Schwermetallanalysen wurden zusammen mit der Wägung der Staubniederschlagsproben über viele Jahre hinweg (bis 1993) an verschiedene externe Labors vergeben; ab dem Messjahr 1994 wurde beides hausintern durchgeführt. Das Sammeln der Staubniederschlagsproben lag bis 1991 in Händen des Hessischen Landesamts für Umwelt und Geologie; ab 1992 wurde damit begonnen, externe Messinstitute mit der Probenahme zu beauftragen.

Stoffeigenschaften

Viele Schwermetalle kommen in der Umwelt als anorganische Spurenverunreinigungen vor. Sie liegen in der Außenluft zu einem großen Teil partikelgebunden vor; vielfach werden sie bereits staubförmig emittiert. Aus der Luft entfernt werden sie durch trockene und nasse Deposition (Näheres hierzu ist im Abschnitt Stoffeigenschaften des Kapitels "Staubniederschlag" zu finden). Die Verweilzeit der Schwermetalle in der Atmosphäre wird durch die Verweilzeit des Staubes bestimmt, die im Bereich von 1 - 10 Tagen liegt.

- Nickel -
Nickel dient in großem Umfang der Stahlveredlung. Daneben wird es auch für Nickel-Legierungen und in vielen anderen technischen Gebieten verwendet. - Im menschlichen Organismus zählt Nickel zu den Spurenelementen. An gesundheitsschädlichen Wirkungen ist u. a. die Auslösung allergischer Hautreaktionen und die Reizung der Atemwege zu nennen. Nickel sowie manche seiner Verbindungen sind als carcinogen eingestuft.

- Chrom -
Chrom wird ebenfalls zur Herstellung von Stahl verwendet und außerdem von Chrom-Legierungen; darüber hinaus finden Chromverbindungen vielfältigen Einsatz im industriellen und gewerblichen Bereich. - Als Spurenelement ist Chrom essentiell. Für die toxischen Eigenschaften sind die sechswertigen Chromverbindungen verantwortlich. Sie wirken ätzend auf Haut und Schleimhaut, können u. a. Leber- und Nierenschäden verursachen und haben carcinogene Wirkung.

- Blei -
Blei wird für die Akkumulatoren-Herstellung und daneben auch für viele weitere Zwecke gebraucht. - Bezüglich seiner Toxizität sei auf den entsprechenden Abschnitt des Kapitels "Blei im Schwebstaub" verwiesen.

- Eisen -
Eisen ist das wichtigste Gebrauchsmetall überhaupt; Eisen und Stahl begegnen einem fast überall. - Als wichtiges Spurenelement ist Eisen essentiell in tierischen und pflanzlichen Organismen. Ein erwachsener Mensch enthält etwa 4 g chemisch gebundenes Eisen, wovon drei Viertel auf den roten Blutfarbstoff entfallen.

Emission

Schwermetalle treten in der Abluft fast aller Verbrennungsvorgänge und vieler Produktionsprozesse auf. Die Hauptemittenten sind Feuerungsanlagen (Kraftwerke, Heizungen etc.), die Eisen- und Stahlindustrie, andere Industriezweige wie z. B. die Nichteisen-Metallindustrie, Zement- und Glasindustrie und der Kfz-Verkehr.

Die Sanierung von Anlagen aufgrund der Großfeuerungsanlagenverordnung [9] und dem Altanlagen-Sanierungsprogramm nach der Technischen Anleitung zur Reinhaltung der Luft [10] hat in der Vergangenheit zu einer wesentlichen Verringerung der Schwermetallemissionen geführt; insbesondere die durchgeführten Staubminderungsmaßnahmen haben diese Reduzierung bewirkt (die Entwicklung der Staubemissionen innerhalb Hessens ist im Emissionsabschnitt des Kapitels "Schwebstaub" beschrieben). Bei Blei, das früher den Ottokraftstoffen als Antiklopfmittel zugesetzt war, sind die Emissionen außerdem durch die Einführung von bleifreiem Benzin stark gesunken (siehe hierzu auch den Emissionsabschnitt des Kapitels "Blei im Schwebstaub").

Auf Bundesebene liegen Emissionsabschätzungen vor, die den starken Rückgang der Schwermetallemissionen zeigen [11]; die Werte beziehen sich auf die alten Bundesländer und die Zeitspanne 1985 bis 1995. Den Angaben zufolge nahmen die Gesamtemissionen bei Nickel um 52 %, bei Chrom um 61 % sowie bei Blei um 82 % ab.

Kartenbeschreibung

Auf der Karte sind Ergebnisse der Schwermetallbestimmung im Staubniederschlag aus dem Messjahr 2001 dargestellt. Hierfür wurden - stellvertretend für die 18 in sechs Messgebieten analysierten Schwermetalle - die Messergebnisse für Nickel, Chrom, Blei und Eisen aus dem Untersuchungsgebiet Wetzlar ausgewählt. Wetzlar ist mit seinen Eisengießereien ein wichtiger Standort der hessischen Stahlindustrie.

Das Messgebiet Wetzlar für Schwermetallniederschläge besteht aus 16 1km2-Rasterflächen. Die Karte zeigt die Jahresmittelwerte der Schwermetalldepositionsraten, die in den einzelnen Rasterflächen gemessen wurden. Außerdem sind auf ihr die Rechts-/Hochwerte der Messstellen eingetragen, die sich jeweils auf den Eckpunkten der Rasterflächen befinden. Die Einheit der Schwermetallniederschläge ist - ebenso wie bei der Messgröße Staubniederschlag - mg oder µg pro Quadratmeter und Tag.

Die Schwermetalldepositionsraten lagen für Nickel, Chrom und Blei in einem Bereich von 3 - 20 µg/(m2 x d) und für Eisen bei 1,4 - 3,3 mg/(m2 x d). Betrachtet man die Strukturen innerhalb des Messgebiets, sieht man, dass die höchsten Werte in jeweils ein und derselben Rasterfläche auftraten und verglichen mit der Immissionsbelastung am Rand des Messgebiets um den Faktor 2 - 6 höher waren. Daher kann hier von einem eindeutigen Einfluss lokaler Emissionen auf die Immissionssituation gesprochen werden.

In Tabelle 2 sind die Ergebnisse der Depositionsraten von den vier betrachteten Schwermetallen zusammengefasst, wobei neben den Messwerten aus Wetzlar zum Vergleich auch die Werte der übrigen hessischen Schwermetalldepositions-Messgebiete mit angeführt sind. Dabei stellen Ulrichstein (Vogelsberg) und Hünfelden (Hintertaunus) emittentenferne Vergleichsflächen dar, die sich in landwirtschaftlich genutzten Gebieten befinden. Die Tabelle enthält Jahresmittelwerte aus dem Jahr 2001; angegeben ist jeweils der pro Messgebiet auftretende Mittel- bzw. Maximalwert der einzelnen in den Rasterflächen gemessenen Werte.

Tab. 2: Schwermetalldepositionsraten in den hessischen Messgebieten im Jahr 2001

Messgebiet 
Jahresmittelwert
Nickel [µg/m2 x d]
Chrom [µg/m2 x d]
Blei [µg/m2 x d]
Eisen [mg/m2 x d]
Mittelwert Maximum Mittelwert Maximum Mittelwert Maximum Mittelwert Maximum
Wetzlar
8
14
11
20
12
17
2,0
3,3
Untermain
6
27
4
10
17
53
1,2
3,6
Kassel
4
7
3
7
10
28
1,2
2,6
Wiesbaden
3
4
3
4
21
62
0,8
1,1
Hünfelden*
3
4
3
5
5
6
1,0
2,1
Ulrichstein*
3
5
2
2
7
14
0,5
0,7
* emissionsferner Standort (Vergleichsmessgebiet)

In den Untersuchungsgebieten traten teils vergleichbare und teils um das Mehrfache höhere Schwermetallniederschlagsraten auf als in den beiden emissionsfernen Referenzflächen. Für die vier Untersuchungsgebiete ergibt sich auf Basis der in Tabelle 2 aufgeführten Schwermetalldepositionsraten (Gebietsmittelwerte) folgendes Bild:

- Nickel -
In Wetzlar fiel der Wert mit 8 µg/(m2 x d) am höchsten aus und war im Messgebiet Wiesbaden mit 3 µg/(m2 x d) am niedrigsten.

- Chrom -
Die mittlere Depositionsrate lag im Messgebiet Wetzlar mit 11 µg/(m2 x d) vergleichsweise hoch; in den übrigen drei Messgebieten betrug sie 3 - 4 µg/(m2 x d).

- Blei -
In Wetzlar bzw. Kassel lag die mittlere Depositionsrate bei 12 bzw. 10 µg/(m2 x d); in den beiden anderen Messgebieten traten höhere Werte auf (17 - 21 µg/(m2 x d)).

- Eisen -
Im Messgebiet Wetzlar war der Gebietsmittelwert etwa doppelt so hoch wie in den übrigen drei Regionen.

Abschließend lässt sich bezüglich der Belastung mit Schwermetallniederschlägen festhalten, dass die höchsten mittleren Depositionsraten bei Nickel, Chrom und Eisen im Messgebiet Wetzlar bzw. bei Blei im Messgebiet Wiesbaden gefunden wurden.

Zeitliche Entwicklung

Im Gegensatz zur Messgröße Staubniederschlag gibt es für den Schwermetallgehalt im Staubniederschlag erst ab 1989 durchgehende Zeitreihen für einige Messgebiete; aus dem Zeitraum davor liegen nur sporadisch Ergebnisse vor, die hauptsächlich im Rahmen von Immissionserhebungen für einzelne Luftreinhaltepläne gewonnen wurden. Daher kann die zeitliche Entwicklung der Schwermetalleinträge insgesamt nur unvollständig dokumentiert werden.

Abbildung 1 zeigt - auch wieder für das Messgebiet Wetzlar - Depositionsraten von Nickel, Chrom, Blei und Eisen aus mehreren Jahrzehnten. In der Abbildung werden Gebietsmittelwerte, also über die Rasterflächen des Messgebiets gemittelte Jahresmittelwerte, dargestellt. In diesem Fall beziehen sie sich jedoch nicht auf das gesamte Messgebiet Wetzlar, sondern auf eine Teilfläche von 9 km2 Größe, die zu allen vier Untersuchungszeitpunkten beprobt worden ist.


Abb. 1: Schwermetalldepositionsraten in einem 9 km2 großen Teilgebiet des Messgebiets Wetzlar
            (Jahresmittelwerte)

Aus der Abbildung geht hervor, dass die mittleren Depositionsraten von Nickel, Blei und Eisen in der Vergangenheit stark abgenommen haben: Sie betrugen 2001 nur noch ca. 20 % der 1978 in Wetzlar gemessenen Ausgangswerte. Im gleichen Zeitraum sank der Gebietsmittelwert der Staubniederschlagsrate in demselben Messfeld um 41 %, d. h. durch emissionsmindernde Maßnahmen konnte die Emission von Schwermetallen stärker noch als die Emission von Staub reduziert werden. Für Chrom hingegen lässt sich zwischen 1987/88 und 2001 kein Rückgang der Deposition feststellen.

Allgemein gilt auch für die übrigen Messgebiete, dass in den letzten Jahrzehnten ein erheblicher Rückgang der Depositionsraten bei vielen Schwermetallen stattgefunden hat. Als besonders markantes Beispiel sei hier noch die Bleideposition in Frankfurt angeführt, die Anfang der 70er Jahre in Teilbereichen der Innenstadt bei ca. 215 µg/(m2 x d) gelegen hat und Mitte der 90er Jahre auf weniger als 10 % dieses Werts abgesunken ist [1].

Bewertung

Die im Folgenden vorgenommene Bewertung der gemessenen Schwermetalldepositionsraten basiert auf zwei verschiedenen Typen von Grenz- bzw. Richtwerten. Bei Chrom und Eisen erfolgt sie anhand von so genannten Immissionsvergleichswerten; diese werden bei bestimmten Komponenten, für die bisher keine gesetzlichen Grenzwerte festgelegt sind, vom Hessischen Landesamt für Umwelt und Geologie angegeben [1]. Sie werden unter Berücksichtigung der Immissionsgrenzwerte chemisch ähnlicher Komponenten und der in der Literatur genannten Ergebnisse von Wirkungsuntersuchungen abgeleitet und bei Vorliegen neuer Erkenntnisse fortgeschrieben. Sie stellen keine Immissionswerte wie die Vorgaben der TA Luft sondern Richtwerte dar, die aus fachlicher Sicht den derzeitigen Stand der Immissionsbeurteilung in Zahlen fassen.

Für die Bewertung der Nickel- und Blei-Niederschlagsraten werden die Immissionswerte aus der Technischen Anleitung zur Reinhaltung der Luft (TA Luft) herangezogen, wobei bereits die Grenzwerte der neuen Fassung [12] vom Oktober 2002 verwendet werden. Diese Vorgehensweise wurde trotz gewisser formaler Mängel gewählt (eigentlich sind die Grenzwerte der neuen TA Luft noch nicht auf das Messjahr 2001 anzuwenden und außerdem haben sie einen punktförmigen Bezug), weil die alte TA Luft [10] noch keinen Grenzwert für die Nickeldeposition enthalten hatte.

Zur besseren Übersicht sind in Tabelle 3 die mittleren und maximalen Schwermetalldepositionsraten, wie sie 2001 im Messgebiet Wetzlar gemessen wurden, nochmals aufgeführt; die letzte Spalte enthält zum Vergleich den Grenz-/Richtwert für die jeweilige Komponente.

Tab. 3: Gegenüberstellung der Ergebnisse im Messgebiet Wetzlar (2001) mit einzelnen Grenz- bzw. Richtwerten

 
Schwermetalldepositionsraten (Jahresmittelwert)
Einheit
mittlere Belastung
maximale Belastung
Grenz-/Richtwert
Nickel [µg/m2 x d]
8
14
     15*
Chrom [µg/m2 x d]
11
20
     50**
Blei [µg/m2 x d]
12
17
     100*
Eisen [mg/m2 x d]
2,0
3,3
     35**
* Immissionswert (TA Luft, gültig ab Okt. 2002)
** Immissionsvergleichswert


- Nickel -
Für Nickel im Staubniederschlag ist in der neuen Fassung der TA Luft [12] folgender Immissionswert festgelegt:

Jahresmittelwert: 15 µg/(m2 x d).

Dieser Grenzwert wurde im Messgebiet Wetzlar von den auf Rasterflächen bezogenen Kenngrößen eingehalten; der höchste 2001 aufgetretene Jahresmittelwert betrug 14 µg/(m2 x d). 1987/88 hatte die maximale Belastung ebenfalls bei 14 µg/(m2 x d), 1978 aber noch bei 46 µg/(m2 x d) gelegen.

- Chrom -
Der Bewertung der Chromdeposition wird ein Immissionsvergleichswert [1] zugrunde gelegt:

Jahresmittelwert: 50 µg/(m2 x d).

Dieser Richtwert wurde im Messgebiet Wetzlar 2001 auch vom Maximalwert (20 µg/(m2 x d)) unterschritten; 1987/88 waren die Verhältnisse ähnlich gewesen.

- Blei -
Für die Bleideposition war in der alten TA Luft [10] ein Immissionswert von 250 µg/(m2 x d) vorgeschrieben; die neue TA Luft [12] sieht einen niedrigeren Wert vor:

Jahresmittelwert: 100 µg/(m2 x d).

Der maximale Messwert im Messgebiet Wetzlar lag 2001 mit 17 µg/(m2 x d) sogar deutlich unter dem neuen strengeren Grenzwert. Selbst der 1978 aufgetretene Maximalwert von 84 µg/(m2 x d) hatte sich noch unterhalb dieses Grenzwerts befunden.

- Eisen -
Für die Bewertung der Eisendeposition wird ein Immissionsvergleichswert [1] verwendet:

Jahresmittelwert: 35 mg/(m2 x d).

Auch dieser Richtwert wurde im Messgebiet Wetzlar deutlich unterschritten: 2001 betrug der Maximalwert 3,3 mg/(m2 x d). 1987/88 hatte die maximale Belastung bei 5,7 mg/(m2 x d) und 1978 bei 14,5 mg/(m2 x d) gelegen.


Die Situation hinsichtlich der Schwermetallniederschlagsraten lässt sich folgendermaßen zusammenfassen: Im Messgebiet Wetzlar wurden im Jahr 2001 die Grenz- und Richtwerte eingehalten; sie wurden maximal zu 93 % (Nickel), 40 % (Chrom), 17 % (Blei) sowie 9 % (Eisen) ausgeschöpft. Für die carcinogenen Komponenten Nickel und Chrom sollte ein Minimierungsgebot gelten: Ein größerer Abstand zum Grenz- bzw. Richtwert ist anzustreben, zumal bei einem verdichteten Messnetz mit kleineren Rasterflächen oder bei messpunktbezogener Auswertung durchaus höhere Depositionswerte möglich sind.

Die 2001 gemessenen Depositionsraten in den Messgebieten der übrigen drei Untersuchungsgebiete sind aus Tabelle 2 ersichtlich. Der Vergleich der maximalen Depositionsraten mit den entsprechenden Grenz- und Richtwerten ergibt, dass auch hier die Vorgabewerte für Nickel, Chrom, Blei und Eisen weitgehend unterschritten wurden. Die einzige Ausnahme trat im Untermaingebiet auf, das eine maximale Nickeldepositionsrate von 27 µg/(m2 x d) aufwies.

In der Vergangenheit war die Belastung durch Schwermetallniederschläge stark rückläufig. Zukünftig ist eine Abnahme der Schwermetalldepositionsraten durch weitere emissionsmindernde Maßnahmen nur noch in geringerem Umfang zu erwarten.

Literatur

[1] Immissionsbericht Hessen 1996, Schriftenreihe der Hessischen Landesanstalt für Umwelt, Heft Nr. 210, Wiesbaden (1997)

[2] Luftreinhalteplan Kassel - 1. Fortschreibung. Herausgegeben vom Hessischen Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft und Forsten, Wiesbaden (1999)

[3] Luftreinhalteplan Wetzlar - 1. Fortschreibung. Herausgegeben vom Hessischen Ministerium für Umwelt, Energie, Jugend, Familie und Gesundheit, Wiesbaden (1995)

[4] Luftreinhalteplan Rhein-Main - 1. Fortschreibung. Herausgegeben vom Hessischen Ministerium für Umwelt, Energie und Bundesangelegenheiten, Wiesbaden (1991)

[5] Luftreinhalteplan Untermain. Herausgegeben vom Hessischen Minister für Umwelt und Reaktorsicherheit, Wiesbaden (1988)

[6] Die Luftqualität im Untersuchungsgebiet Untermain – Ist-Situation und Entwicklung, Hessisches Landesamt für Umwelt und Geologie, Luftreinhaltung in Hessen, Heft 3, Wiesbaden (2003)

[7] Staubniederschlagsmessprogramm Hessen – Messbericht für das Jahr 2001: Staubniederschlag und Schwermetalle im Staubniederschlag, Hessisches Landesamt für Umwelt und Geologie, Bericht für die Umweltverwaltung, Wiesbaden (2003)

[8] VDI-Richtlinie 2119: Messung partikelförmiger Niederschläge
Blatt 2, Ausgabe 9.96: Bestimmung des Staubniederschlags mit Auffanggefäßen aus Glas (Bergerhoff-Verfahren) oder Kunststoff

[9] Dreizehnte Verordnung zur Durchführung des Bundes-Immissionsschutzgesetzes (Verordnung über Großfeuerungsanlagen – 13. BImSchV) vom 22. Juni 1983 (BGBl. I S. 719)

[10] Erste Allgemeine Verwaltungsvorschrift zum Bundes-Immissionsschutzgesetz (Technische Anleitung zur Reinhaltung der Luft – TA Luft) vom 28. August 1974 (GMBl. S. 425), Neufassung vom 27. Februar 1986 (GMBl. S. 95), aufgehoben zum 1. Oktober 2002 durch die TA Luft vom 24. Juli 2002 (GMBl. S. 511)

[11] Umweltbundesamt (Hrsg.): Daten zur Umwelt – Der Zustand der Umwelt in Deutschland 2000. Erich Schmidt Verlag, Berlin (2001)

[12] Erste Allgemeine Verwaltungsvorschrift zum Bundes-Immissionsschutzgesetz (Technische Anleitung zur Reinhaltung der Luft – TA Luft) vom 24. Juli 2002 (GMBl. S. 511)

© 2013 Hessisches Landesamt für Umwelt und Geologie