Luft: Immissionskataster

Schwebstaub und dessen Inhaltsstoffe

Einführung

In Hessen werden Schwebstaubimmissionsmessungen seit 1976 fortlaufend durchgeführt.. Die Verpflichtung zur landesweiten Immissionsüberwachung ergibt sich aus den Richtlinien 2008/50/EG [3] und 2005/107/EG [5], die durch das Bundes-Immissionsschutzgesetz [1] sowie durch eine neue Rechtsverordnung (39. BImSchV) [2] in deutsches  Recht umgesetzt wurden. Zur Überwachung der Immissionssituation in Hessen betreibt das Hessische Landesamt für Umwelt und Geologie neben dem kontinuierlich messenden Luftmessnetz ein ebenfalls landesweit ausgerichtetes Messnetz zur Erfassung der Immissionsbelastung durch Inhaltsstoffe des Schweb- bzw. Feinstaubs. Die Standorte der diskontinuierlich arbeitenden Probenahmegeräte sind der Abbildung 1 zu entnehmen. Die Standorte sind so gewählt, dass sowohl eine Überwachung der Immissionsschwerpunkte als auch der Hintergrundbelastung in den Ballungsräumen und im ländlichen Raum gewährleistet ist. Im Jahr 2011 wurden an 16 Punkten automatische Probensammler zur Ermittlung der Feinstaubkonzentration (PM10) und des Gehalts an verschiedenen Schwermetallen in dieser Fraktion des Schwebstaubs betrieben. Davon liegen 12 Stationen in Städten, 3 im ländlichen Raum und 1 Station an einem Verkehrsschwerpunkt.

 

Messstellennetz
Abb. 1: Probenahmestellen des Schwebstaubmessnetzes

Nähere Angaben über die geografische Lage und den Standortcharakter der Stationen sind der Tabelle 1 zu entnehmen.

 

Tabelle 1: Standorte der Schwebstaubprobenahmestellen

 
Stationsname
RW
HW
H. ü. NN
Längengrad
Breitengrad
Standortcharakter
Darmstadt

3475 965

5526 257

158 m

8°39'53"

49°52'20"

Innenstadt, Wohnbezirk

Ffm.-Griesheim

3471 694

5551 099

98 m

8°36'17"

50°05'48"

Innenstadt, Mischgebiet

Ffm.-Höchst

3467 310

5551 838

104 m

8°32'32"

50°06'07"

Innenstadt, Industrie,
verkehrsnah

Ffm.-Sindlingen

3465 402

5549 498

99 m

8°30'56"

50°04'51"

Industrie, Wohnbezirk

Ffm.-Mitte

3477 480

5554 915

120 m

8°41'06"

50°06'46"

Innenstadt, Wohnbezirk

Ffm.-Ost

3481 935

5554 378

100 m

8°44'47"

50°07'31"

Industrie, verkehrsnah

Hanau-Mitte

3494 806

5554 915

107 m

8°55'39"

50°07'51"

Innenstadt, Industrie

Kassel-Mitte

3533 776

5686 717

181 m

9°29'00"

51°18'51"

Innenstadt, Mischgebiet

Kleiner Feldberg

3460 543

5565 240

811 m

8°26'46"

50°13'19"

Mittelgebirge, Kuppenlage

Linden-Leihgestern

3477 697

5599 738

172 m

8°41'04"

50°31'59"

Dauergrünland

Raunheim

3460 759

5541 699

90 m

8°27'06"

50°00'37""

Innenstadt, Wohnbezirk

Riedstadt

3465 305

5521 072

87 m

8°31'01"

49°49'31"

Ländlich

Wetzlar-Hermannstein

3464 310

5604 814

183 m

8°17'40"

50°20'40"

Wohngebiet, Industrie

Wetzlar-Im Köhlersgarten

3464 090

5604 530

161 m

8°29'31"

50°34'31"

Wohngebiet, Industrie

Wiesbaden-Ringkirche

3444 979

5549 276

145 m

8°13'49"

50°04'38"

Innenstadt, Straßenkreuzung

Wiesbaden-Süd

3445 997

5546 279

121 m

8°14'42"

50°03'01"

Wohnbezirk, industrienah

      
RW: Rechtswert (Gauß-Krüger)           HW: Hochwert (Gauß-Krüger)             H. ü. NN: Höhe über Normalnull
in Städten                                     im Verkehrsschwerpunkt               im ländlichen Raum

 

Atmosphärischer Staub

Unter Schwebstaub versteht man in Abgrenzung zu groben Partikeln des Staubniederschlags den Anteil der in der Luft vorhandenen Partikel bis zu einem oberen aerodynamischen Durchmesser von rund 30 µm. Der Schwebstaub umfasst nur die weitgehend homogen in der Außenluft dispergierten Partikel (siehe auch VDI-Richtlinie 2463, Blatt 1 [4]). Die Größe der Partikel und ihre chemische Zusammensetzung bestimmen zu einem Großteil die physikalischen und chemischen Eigenschaften des Schwebstaubs. Der Durchmesser der in der Atmosphäre vorkommenden Partikel reicht von einigen Nanometern (1 nm = 10-9 m = milliardstel Meter) bis zu etwa 100 Mikrometer (1 μm = 10-6 m = millionstel Meter). Teilchen mit Durchmessern größer 0,1 μm können durch ihren aerodynamischen Durchmesser (dae) beschrieben werden. Dieser Durchmesser eines Teilchens beliebiger Form, chemischer Zusammensetzung und Dichte ist gleich dem Durchmesser einer Kugel mit der Dichte von einem Gramm pro Kubikzentimeter (1 g/cm³), welche in ruhender oder wirbelfrei strömender Luft dieselbe Sinkgeschwindigkeit hat wie das betrachtete “reale“ Teilchen.

In der 39. Verordnung zum Bundes-Immissionsschutzgesetz (39. BImSchV) [2] wird der Begriff “Partikel“ eingeführt, und es werden u. a. Grenzwerte für den Schutz der menschlichen Gesundheit für die Partikelfraktion PM10 vorgeschrieben (siehe auch Kapitel “Grenz- und Zielwerte für Schwebstaub und dessen Inhaltsstoffe “). Die Partikelfraktion PM10 enthält alle Teilchen mit einem aerodynamischen Durchmesser ≤ 10 µm.

Inzwischen hat sich für diese Partikelfraktion auch der Begriff “Feinstaub“ eingebürgert. Die formal korrekte Definition für PM10 lautet: PM10 sind die Partikel, die einen größenselektierenden Lufteinlass passieren, der für einen aerodynamischen Durchmesser von 10 µm einen Abscheidegrad von 50 Prozent aufweist.

Partikel bis zu einem Durchmesser von etwa 20 µm verteilen sich in der Atmosphäre wie Gase und werden auch entsprechend mit den Luftströmungen in der Atmosphäre transportiert. Partikel dieser Größe haben keine eigene Sinkgeschwindigkeit und werden z. B. durch Niederschlag oder dadurch, dass sie sich an größere Teilchen oder an Oberflächen (z. B. von Blättern) anlagern, wieder aus der Atmosphäre entfernt. Für größere (schwerere) Teilchen überwiegt der Einfluss der Schwerkraft, sie sinken aufgrund ihrer Masse zu Boden und verweilen entsprechend kurz in der Atmosphäre (siehe auch Kapitel “Staubniederschlagsmessprogramm “).

Diskontinuierliches Probenahmeverfahren für Schwebstaub

Entsprechend der 39. BimSchV [2] ist der Schwebstaub als PM10-Fraktion des atmosphärischen Aerosols zu erfassen. Die Probenahme erfolgt mit einen automatischen „High Volume Sampler“ (DHA-80) der Firma Digitel, der mit einem Vorabscheider ausgerüstet ist, der dafür sorgt, dass nur die Staubpartikelfraktion PM10 erfasst wird (siehe auch Kapitel: “Polyzyklische Aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK)“). Das Gerät saugt während der Probenahme 24 Stunden lang Umgebungsluft durch einen Filter, wobei sich die in der Luft enthaltenen Partikel auf dem Filter abscheiden. Pro Woche werden auf diese Weise zwei bis drei Schwebstaubproben genommen (entsprechend einem Jahreskollektiv von 122 Proben). Anschließend wird durch Wägung der Filter die Schwebstaubkonzentration in der Luft bestimmt. Die gravimetrische Staubkonzentrationsbestimmung stellt ein direktes und somit besonders zuverlässiges Staubmessverfahren dar.

Ein Teil der Proben (in der Regel 5 Proben im Monat) wird auf seinen Schwermetallgehalt untersucht. Hierzu wird die auf dem Filter abgeschiedene Staubmasse auf einzelne Schwermetalle analysiert. Das Schwebstaubmessnetz dient hauptsächlich der Immissionsüberwachung von Schwermetallen und auch der Dokumentation der Langzeitentwicklung (Trend) der Staubimmissionsbelastung.
Bis zum Jahr 2000 wurde mit dem gravimetrischen Verfahren der sogenannte Gesamtstaub (TSP, Total Suspended Particulatesr) erfasst. Ab 2001 wurde die Probenahme auf PM10 umgestellt. Zu diesem Zweck wurden die Probenahmegeräte mit neuen Vorabscheidern ausgerüstet, mit denen erreicht wird, dass die Staubfraktion PM10 zur Messung gelangt (siehe auch die Definition von PM10 im Kapitel „Atmosphärischer Staub “).

Da die Auswertung der Staubfilterproben aufgrund der notwendigen Laborarbeiten mehrere Tage in Anspruch nimmt, dienen die Ergebnisse der diskontinuierlichen Probenahme nicht der aktuellen Information der Bevölkerung. Die aktuell eine Stunde nach der Messung veröffentlichten Daten (Internet, Videotext, Infotelefon) bauen auf den Ergebnissen des kontinuierlich messenden Luftmessnetzes Hessenauf  (siehe auch Kapitel Feinstaub.)

Grenz- und Zielwerte für Schwebstaub und dessen Inhaltsstoffe

Die 39. Verordnung zum Bundes-Immissionsschutzgesetz [2] schreibt unter anderem für PM10 und für Blei Grenzwerte zum Schutz der menschlichen Gesundheit vor.
Für die Schwermetalle Arsen, Cadmium und Nickel schreibt die „4. EU-Tocherrichtline zur Luftqualität“ [5] Zielwerte vor, die im Jahre 2007 in die 22. BImSchV [6] übernommen wurden. Diese Verordnung wurde im Jahre  2010 nach einer Überarbeitung der EU-Gesetzgebung durch die  39. BImSchV [2]) abgelöst. Die Überprüfung der Einhaltung der Zielwerte setzt voraus, dass die Schwermetalle als Bestandteile der PM10-Fraktion des atmosphärischen Aerosols gemessen werden.

Im Gegensatz zu einem Immissionsgrenzwert für den Gesundheitsschutz, der innerhalb eines bestimmten Zeitraums erreicht und danach nicht mehr überschritten werden darf, ist ein Zielwert eine Immissionskonzentration, die innerhalb eines festgelegten Zeitraums soweit wie möglich einzuhalten ist. Beides dient dem übergeordneten Ziel, schädliche Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit zu vermeiden, zu verhindern oder zu verringern.

In Tabelle 3 sind die für den Schwebstaub (Feinstaub bzw. PM10) und die Elemente Arsen, Blei, Cadmium und Nickel vorgeschriebenen Grenz- und Zielwerte zusammengefasst. Dabei sind die Schwermetallgehalte als Gesamtgehalt dieser Elemente und ihrer Verbindungen in der PM10-Fraktion zu ermitteln und zu beurteilen.

In Tabelle 4 sind die Schwebstaub-/Schwermetallmessergebnisse des Jahres 2011 zusammenfassend dargestellt. Die aufgeführten Jahresmittelwerte der PM10-Konzentration zeigen eine Struktur mit höheren Belastungen im innerstädtischen Bereich und niedrigeren Werten im ländlichen Raum. Die Maximalbelastung wird erwartungsgemäß am Verkehrsschwerpunkt “Wiesbaden-Ringkirche“ erreicht.

Die im Rahmen dieses Programms gesammelten Staubproben werden auf folgende Komponenten untersucht: Feinstaub (PM10) und dessen Inhaltsstoffe Arsen (As), Blei (Pb), Cadmium (Cd), Nickel (Ni), Kobalt (Co), Chrom (Cr), Kupfer (Cu), Eisen (Fe), Mangan (Mn), Antimon (Sb) und Vanadium (V). Die Messergebnisse der Komponenten, für die ein Immissionswert vorgegeben ist, werden in der vorliegenden Dokumentation für das Jahr 2008 ausgewertet und beschrieben. Diese sind: Feinstaub (PM10), Arsen (As), Blei (Pb), Cadmium (Cd) und Nickel (Ni). Tabelle 2 zeigt den Messbeginn für die Stoffe, für die ein Immissionswert festgelegt wurde.

Tabelle 2: Beginn der Messungen der einzelnen Komponenten an den Messstationen

 
Stationsname

Gesamtstaub
(TSP)

Feinstaub (PM10)

Arsen

Blei

Cadmium

Nickel

Kontinuierliches Messverfahren1)

Darmstadt

1983

2002

1990

1983

1983

1983

X

Ffm.-Griesheim

1983

2002

1990

1983

1983

1983

 

Ffm.-Höchst

1984

2002

1990

1984

1984

1984

X

Ffm.-Sindlingen

2008

2008

2008

2008

2008

X

Ffm.-Mitte

1983

2003

1990

1983

1983

1983

 

Ffm.-Ost

2001

1990

1984

1984

1984

X

Hanau-Mitte

1983

2002

1990

1983

1983

1983

 

Kassel-Mitte

2008

2008

2008

2008

2008

X

Kleiner Feldberg

1983

2001

1990

1983

1983

1983

 

Linden-Leihgestern

1995

2001

1995

1995

1995

1995

 

Raunheim

1985

2002

1990

1985

1985

1985

X

Riedstadt

2001

2001

2001

2001

2001

X

Wetzlar-Hermannstein

1983

2002

1990

1983

1983

1983

 

Wiesbaden-Ringkirche

2001

2001

2001

2001

2001

X

Wiesbaden-Süd

1983

2001

1990

1983

1983

1983

X


Tabelle 3: Grenzwerte/Zielwerte für Partikel/Inhaltsstoffe

Komponente

Kenngröße

Einheit

Grenzwerte (zulässige
Überschreitungshäufigkeit
pro Jahr)

Zielwerte

einzuhalten
ab

Gesetzliche Grundlagen

PM10

24-h-Wert

µg/m3

50 (35mal)

2005

39. BImSchV

Jahresmittel

µg/m3

40

2005

39. BImSchV

Arsen 1)

Jahresmittel

ng/m3

6

2012

39. BImSchV

Blei 1)

Jahresmittel

µg/m3

0,5

2005

39. BImSchV

Cadmium 1)

Jahresmittel

ng/m3

5

2012

39. BImSchV

Nickel 1)

Jahresmittel

ng/m3

20

2012

39. BImSchV
1) Gesamtgehalt in der PM10-Fraktion

 

Tabelle 4: Jahresmittelwerte des Feinstaubs (PM10) und dessen Inhaltsstoffe im Messjahr 2011

 
Stationsname

Feinstaub (PM10)

Arsen

Blei

Cadmium

Nickel

[µg/m³]

[ng/m³]

[µg/m³]

[ng/m³]

[ng/m³]

Darmstadt

22

0,7

0,006

0,1

0,9

Ffm.-Griesheim

24

0,6

0,008

0,2

1,2

Ffm.-Höchst

25

0,8

0,007

0,2

1,8

Ffm.-Sindlingen

22

0,7

0,007

0,1

1,2

Ffm.-Mitte

25

0,7

0,007

0,2

1,3

Ffm.-Ost

24

0,7

0,008

0,2

1,7

Hanau-Mitte

22

0,6

0,007

0,2

3,6

Kassel-Mitte

21

0,5

0,005

0,2

1,1

Kleiner Feldberg

12

0,4

0,003

0,1

0,7

Linden-Leihgestern

21

0,5

0,006

0,2

1,0

Raunheim

22

0,6

0,006

0,2

1,4

Riedstadt

22

0,7

0,007

0,1

1,0

Wetzlar-Hermannstein

24

1,3

0,016

0,3

6,9

Wetzlar-Im Köhlersgarten 35 2,8 0,089 1,6 26,8

Wiesbaden-Ringkirche

26

1,0

0,008

0,1

1,6

Wiesbaden-Süd

22

0,8

0,008

0,1

1,3


in Städten                                     im Verkehrsschwerpunkt               im ländlichen Raum

ROT: Überschreitung eines Zielwertes nach 39. BImSchV


Aufgrund der eingeschränkten Abdeckung des Jahreszeitraumes (mit 122 Proben bzw. 33% der im Jahr möglichen Tagesmittelwerte) wird auf eine Beurteilung der ermittelten PM10-Belastung anhand vorgeschriebener Grenzwerte wie auch auf die Darstellung von Langzeittrends der PM10-Immissionsbelastung verzichtet. Diese Beurteilung wird auf Basis der kontinuierlich erhobenen Daten des Luftmessnetzes vorgenommen (siehe Umweltatlas, Kapitel Feinstaub oder auch Lufthygienischer Jahresbericht Teil I, 2010).

Für die Berechnung der Jahresmittelwerte der Schwermetallkonzentration stehen im Jahr 60 Werte (entsprechend 5 im Monat) pro Station zur Verfügung. Im Probenahmeplan wurde eine gleichmäßige Verteilung der Probenahmetage über die Wochentage und das Jahr festgelegt. Die Probenzahl reicht für die Beurteilung der Schwermetallbelastung aus, da die für die genannten Elemente in der 39. BImSchV jeweils vorgeschriebenen unteren Beurteilungsschwellen deutlich unterschritten werden. Abbildung 2 stellt die langfristigen Trends der Immissionsbelastung für die Metalle dar, für die in der 39. BImSchV Grenzwerte (Blei) und Zielwerte (Arsen, Cadmium und Nickel) vorgeschrieben werden.

Die unterschiedlichen Anfangszeitpunkte der Trendkurven haben ihren Grund darin, dass die Probenahme und auch die Analysenverfahren stufenweise so verbessert werden konnten, dass schließlich ab dem Jahr 1990 die Verfahrensqualität für die Cadmiummessung und ab 1992 auch für die Bestimmung von Arsen ausreichte, um für die Ermittlung des Konzentrationstrends in der Außenluft belastbare Ergebnisse angeben zu können.

 

as pb
cd ni

Abb 2: Zeitreihe der Gebiets-Jahresmittelwerte (Schwermetalle als Bestandteile des Schwebstaubs)

 

Ballungsraum I: Rhein-Main

Darmstadt, Ffm.-Griesheim, Ffm.-Höchst, Ffm.-Sindlingen, Ffm.-Mitte,
Ffm.-Ost, Hanau-Mitte, Hanau-Wolfgang1), Raunheim, Wiesbaden-Ringkirche, Wiesbaden-Süd

Ballungsraum II: Kassel

Kassel-Mitte (ab März 2008), Kassel-Nord (von 2001 bis Febr. 2008),
Kassel-Bettenhausen1)

Gebiet I: Südhessen

Riedstadt (ab 2003), Biebesheim (von 1992 bis 2000),
Fürth im Odenwald (von 2003 bis 2006)

Gebiet II: Lahn-Dill

Linden-Leihgestern, Wetzlar-Hermannstein

Gebiet III: Mittel- und Nordhessen

Kleiner Feldberg, Witzenhausen1)

1) Diese Stationen werden seit 2007 nicht mehr betrieben.


Wie aus Tabelle 4 und Abbildung 2 zu erkennen ist, werden der Grenzwert für Blei (in Kraft seit 2005) und auch die Zielwerte für Arsen, Cadmium und Nickel (39. BImSchV [2], 4. TRL [5]) , die bis 2013 erreicht werden sollen, bereits heute deutlich unterschritten. Im Allgemeinen geht die Schwermetallbelastung seit Messbeginn bis 2011 zurück. Das Belastungsniveau ist in den Gebieten Mittel- und Nordhessen sowie in Südhessen geringer als in den Ballungsräumen Rhein-Main und Kassel sowie im Gebiet Lahn-Dill. Während die Immissionssituation in den beiden erstgenannten Gebieten überwiegend durch den ländlichen Raum geprägt ist, spielen in den Ballungsräumen Emissionsquellen aus den Bereichen Straßenverkehr, Feuerungsanlagen und Industrie eine bedeutendere Rolle. Dies zeigt sich insbesondere im Gebiet Lahn-Dill, wo die Immissionssituation unter anderem auch den Einfluss der dort vorhandenen Schwerindustrie widerspiegelt.

Im Einzelnen folgen Erläuterungen zu den Ergebnissen:

(Neben den in Abbildung 2 dargestellten Zeitreihen der Gebiets-Jahresmittelwerte wurden die Jahresmittelwerte (Zeitreihen) der einzelnen Messstationen/Messpunkte von Arsen, Blei, Cadmium und Nickel im Feinstaub PM10 an Hand von Karten nochmals separat dargestellt.)

Arsen

Aufgrund von Blindwertproblemen mit dem Filtermaterial können erst nach dem Wechsel von Glasfaser- auf Quarzfaser- und später auf Cellulosenitratfilter ab dem Jahr 1992 Arsenkonzentrationswerte veröffentlicht werden. Ab 1993 liegen die Arsenkonzentrationswerte in allen Gebieten unterhalb des Zielwertes von 6 ng/m³ und erreichen im Jahr 2011 nur noch maximal 17 % des Zielwertes?
(siehe auch Abbildung 2 im Text und Karte)

Blei

Das im Schwebstaub enthaltene Blei wird seit 1983 erfasst. Bereits damals wurde der heute vorgeschriebene Grenzwert von 0,5 µg/m³ deutlich unterschritten. Der Rückgang der Bleibelastung ist im Wesentlichen eine Folge der stufenweisen Reduzierung des Bleigehaltes im Benzin durch das Benzin-Blei-Gesetz [7] und die entsprechende EG-Richtlinie [8].

(siehe auch Abbildung 2 im Text und Karte)

Cadmium

Auch der Cadmiumgehalt im Schwebstaub wirde seit 1983 regelmäßig ermittelt. Allerdings erreichte -wie bei Arsen- das Messverfahren erst Anfang der 90er Jahre eine Qualität, die es erlaubte, das Verfahren für die Ermittlung von Trends in der Außenluft einzusetzen. Die Werte liegen deutlich unterhalb des Zielwertes von 5 ng/m³ und veränderten sich in den letzten fünf Jahren kaum noch. Trotz der in allen Messgebieten niedrigen Konzentrationen ist noch bis heute die Einwirkung von Cadmium emittierenden Anlagen aus der Metall verarbeitenden Industrie (z. B. im Raum Wetzlar) auf das Konzentrationsniveau zu erkennen.
(siehe auch Abbildung 2 im Text und Karte)

Nickel

Wie bei den drei anderen Metallen wird durch die Messergebnisse auch bei Nickel ein deutlicher Konzentrationsrückgang belegt. Bis auf eine Ausnahme, wird der vorgeschriebene Zielwert von 20 ng/m³ wird an allen Messpunkten (Tabelle 4) im Jahr 2011eingehalten. Eine Überschreitung trat an der Messstelle „Wetzlar-Im Köhlersgarten“ auf. Die Immissionsbelastung wird an dieser Stelle durch benachbarte industrielle Quellen stark beeinflusst. Die Konzentrationswerte zeigen in den letzten sechs Jahren in den einzelnen Messgebieten (Abbildung 2) kaum Schwankungen.

(siehe auch Abbildung 2 im Text und Karte)

    

Schlussfolgerung

Die Immissionsbelastung durch Schwermetalle als Bestandteil des Schwebstaubs ist zusammenfassend so zu charakterisieren, dass die Zielwerte in der Regel sicher eingehalten sind, auch wenn im Einzelfall insbesondere im Einwirkungsbereich Metall verarbeitender Betriebe der immissionsseitige Einfluss der Schwermetallemissionen noch zu erkennen ist.

 

Weitere Informationen zum Thema Staub und Staubinhaltsstoffe können im Internet unter der Seite www.hlug.de eingesehen werden.

Gesetzliche Grundlagen

[1]     Gesetz zum Schutz vor schädlichen Umwelteinwirkungen durch Luftverunreinigungen, Geräusche, Erschütterungen und ähnliche Vorgänge (Bundes-Immissionsschutzgesetz, BImSchG) in der Fassung vom 29.10.2007 (BGBl. I  S. 2470)

[2]    Zweiundzwanzigste Verordnung zur Durchführung des Bundes-Immissionsschutzgesetzes (Verordnung über Immissionswerte für Schadstoffe in der Luft – 22. BImSchV) in der Fassung vom 4. Juni 2007 (BGBl. I S. 1006)

[3]     Erste Allgemeine Verwaltungsvorschrift zum Bundes-Immissionsschutzgesetz (Technische Anleitung zur Reinhaltung der Luft – TA Luft) vom 24. Juli 2002 (GMBl. Nr. 25-29 vom 30.07.2002, S. 511)

[4]    Richtlinie 96/62/EG des Rates vom 27. September 1996 über die Beurteilung und die Kontrolle der Luftqualität (Luftqualitäts-Rahmenrichtlinie), zuletzt geändert am 29. September 2003 durch Anhang III Nr. 62 der Verordnung (EG) Nr. 1882/2003 des Europäischen Parlaments und des Rates

[5]     Richtlinie 2004/107/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 15. Dezember 2004 über Arsen, Kadmium, Quecksilber, Nickel und polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe in der Luft (ABl. L 23 vom 26.01.2005, S.3)

[6]     Richtlinie 1999/30/EG des Rates vom 22. April 1999 über Grenzwerte für Schwefeldioxid, Stickstoffdioxid und Stickstoffoxide, Partikel und Blei in der Luft (Amtsblatt Nr. L 163 vom 29.06.1999, S. 41-60), zuletzt geändert am 17. Oktober 2001 (ABl. EG Nr. L 278 vom 23.10.2001, S. 35)

[7]     Gesetz zur Verminderung von Luftverunreinigungen durch Bleiverbindungen in Ottokraftstoffen für Kraftfahrzeugmotoren (Benzinbleigesetz – BzBlG) vom 5. August 1971 (BGBl. I S. 1234), zuletzt geändert durch Artikel 58 der Verordnung vom 31. Oktober 2006 (BGBl. I S. 2407)

[8]    Richtlinie 98/70/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 13. Oktober 1998 über die Qualität von Otto- und Dieselkraftstoffen und zur Änderung der Richtlinie 93/12/EWG des Rates (Abl. EWG: L 350 vom 28.12.1998, S. 58), zuletzt geändert am 29. September 2003 (ABl. EU L284 vom 31.10.2003, S. 1)

 

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