| Luft: Emissionskataster |
Im Rahmen der Emittentengruppe Industrie werden Emissionen von Anlagen erfasst, die nach der 4. BImSchV [1] genehmigungsbedürftig sind und deren Betreiber nach der 11. BImSchV [2] verpflichtet sind, eine Emissionserklärung abzugeben. Hessenweite Abgaben erfolgten ab dem Jahr 1992 alle zwei Jahre und ab 1996 alle vier Jahre. Von 1979 bis 1990 erfolgte eine jährliche Datenerfassung für Untersuchungsgebiete. Wesentlicher Inhalt der Emissionserklärung sind Angaben zum Standort des Werkes, zu dessen Anlagen und Nebeneinrichtungen, zu den in den Anlagen gehandhabten Stoffen, den emissionsverursachenden Betriebsvorgängen und den daraus resultierenden Emissionen sowie Angaben zu den Quellen, über welche die Emissionen in die Atmosphäre abgeleitet werden.
Für das Jahr 2008 wurden hessenweit von 819 Betreibern Emissionserklärungen für 1.163 Anlagen abgegeben. Wie diese Anlagen über Hessen verteilt sind, ist der nachstehenden Abbildung zu entnehmen.
![]() Abb. 1: Genehmigungsbedürftige Anlagen mit Emissionserklärung (Hessen, 2008) |
Die genehmigungsbedürftigen Anlagen werden entsprechend dem Anhang
zur 4. BImSchV in die folgenden zehn Bereiche eingeteilt:
Die Emissionsdaten im Teilkataster Industrie beruhen auf den von den Anlagenbetreibern abzugebenden Emissionserklärungen, die vom jeweils zuständigen Staatlichen Umweltamt entgegengenommen und nach einer maschinellen Plausibilitätsprüfung auf inhaltliche Richtigkeit und Vollständigkeit geprüft werden. Anschließend werden die Daten an das Hessische Landesamt für Umwelt und Geologie weitergeleitet.
Landesweite, anlagenbezogene Emissionsdaten für die Emittentengruppe Industrie existieren für die Jahre 1992, 1994, 1996, 2000, 2004 sowie 2008. Die ausgewählten Emissionskarten im Umweltatlas beziehen sich auf das Jahr 2008.
Tab. 1: Jahresemissionen der Industrie (Hessen, 2000, 2004, 2008)
| Komponenten | Emission [t/a] |
||
| 2000 | 2004 | 2008 | |
| Anorganische Gase | |||
| Kohlendioxid (CO2) | 15.538.000 |
14.013.000 |
13.271.000 |
| Kohlenmonoxid (CO) | 10.306 |
10.318 |
9.193 |
| Stickstoffoxide (angegeben als NO2) | 16.358 |
15.485 |
11.637 |
| Schwefeldioxid (SO2) | 4.721 |
3.808 |
2.925 |
| Ammoniak (NH3) * | 87 |
86 |
82 |
| Lachgas (N2O) | 593 |
382 |
254 |
| weitere Gase | 514 |
451 |
525 |
| Organische Gase | |||
| NMVOC ** | 5.032 |
4.169 |
4.151 |
| Methan (CH4) * | 693 |
382 |
453 |
| Stäube | |||
| Staub und Staubinhaltsstoffe | 3.389 |
2.670 |
2.128 |
| ...davon Feinstaub PM10 | 2.227 |
1.550 |
1.183 |
| . | |||
| * Emissionen aus Massentierhaltung sind nicht enthalten | |||
| ** flüchtige organische Verbindungen ohne Methan, Wert enthält geringe Methananteile | |||
| Stand: August 2010 | |||
Bezüglich der Eigenschaften von Stickstoffmonoxid und -dioxid sei auf den entsprechenden Abschnitt im Text zur Immissionskarte von Stickstoffdioxid verwiesen.
Anhand dieses Emissionsbeispiels soll veranschaulicht werden, dass unterschiedliche Darstellungsformen für die Emissionskarten gewählt werden können: Die Stickstoffoxid-Jahresemissionen der Emittentengruppe Industrie sind einerseits auf Rasterebene, andererseits auf Gemeindeebene dargestellt. Die weißen Flächen auf den Karten sind so zu erklären, dass aus der Emittentengruppe Industrie für das entsprechende Gebiet keine Emissionen vorhanden sind. Bei der Darstellung auf Gemeindeebene sind die Emissionen pro Gemeinde durch die Fläche der jeweiligen Gemeinde geteilt. Die Emissionen betrugen im Jahr 2008 insgesamt 11.637 t/a in Hessen.
Die höchsten Stickstoffoxid-Emissionen liefern Kraftwerke und energieintensive Anlagen wie Zementklinkerwerke und Papierfabriken. Auf eine Auffälligkeit soll hier kurz hingewiesen werden: Die Gemeindekarte weist ein Gebiet (in der Nähe von Hanau) mit sehr hohen Stickstoffoxid-Emissionen auf, denn in einer flächenmäßig kleinen Gemeinde liegt das größte hessische Kohlekraftwerk.
Die industriellen Stickstoffoxid-Emissionen sind in der Vergangenheit drastisch gesunken, wie man in Abbildung 2 deutlich sehen kann. In den vier Untersuchungsgebieten gingen sie zwischen 1979 und 2008 auf weniger als ein Fünftel der Ausgangsmenge zurück (von 41.400 t/a auf 7.213 t/a). (Anmerkung: Der sprunghafte Anstieg in 1982 ist ein Artefakt, hervorgerufen durch die geänderte Berechnungsgrundlage bei einem maßgeblichen Stickstoffoxid-Emittenten.)
![]() Abb. 2: NOx-Emissionen der Industrie in den vier hessischen Untersuchungsgebieten (NOx = NO + NO2, angegeben als NO2) |
Hessenweit sind die Emissionen von 1992 bis 2008 fast halbiert worden.
Verantwortlich für den deutlichen Rückgang der Emissionen in den achtziger Jahren sind die im großen Maßstab durchgeführten Entstickungsmaßnahmen bei den Großfeuerungsanlagen. Diese wurden durch die Großfeuerungsanlagenverordnung (13. BImSchV) [3] erforderlich, die im Jahr 1983 verabschiedet und in den folgenden Jahren umgesetzt worden ist. Weitere emissionsmindernde Maßnahmen erfolgten später aufgrund der Technischen Anleitung zur Reinhaltung der Luft (TA Luft) von 1986 und 2002 [4], in denen die Emissionsgrenzwerte verschärft worden sind. Die Altanlagensanierung nach der TA Luft 2002 erfolgte im Wesentlichen bis in das Jahr 2007.Der Parameter NMVOC setzt sich aus einer Vielzahl verschiedener Stoffe zusammen, die sich oftmals nicht im Einzelnen angeben lassen. Je nach Emittentengruppe ist unterschiedlich viel über seine Zusammensetzung bekannt. Für den NMVOC-Wert der Industrie liegen vergleichsweise viele Informationen vor, da die Betreiber in den Emissionserklärungen nach Stoffen bzw. Stoffgruppen aufgeschlüsselte Angaben machen können. Aufgrund der Änderung der 11. BImSchV sind inzwischen auch Summenparameter (z. B. Gesamt-C) zugelassen, wodurch die Aufteilung in detaillierte Stoffklassen z. T. nicht mehr aussagekräftig ist.
Da sich hinter den NMVOC-Emissionen völlig unterschiedlich zu bewertende und u. U. auch in geringen Mengen gesundheitsschädigende, teilweise sogar krebserregende Komponenten verbergen, lassen sich zur toxischen Wirkung dieser Summengröße auf den Menschen pauschal keine Aussagen machen; dies kann nur über eine Betrachtung der Einzelstoffe erfolgen. - Generell tragen die Kohlenwasserstoffe innerhalb der NMVOC als Ozon-Vorläufersubstanzen zum Problemkreis Sommersmog bei. Außerdem können bestimmte Stoffklassen zum Abbau der Ozonschicht in der Stratosphäre (Ozonloch) oder zur Erwärmung der Atmosphäre (Treibhauseffekt) führen.
Alle sechs Emittentengruppen sind für die Freisetzung flüchtiger organischer Verbindungen verantwortlich. Zu welchen Anteilen die einzelnen Emittentengruppen an der NMVOC-Gesamtemission beteiligt sind, ist dem Text "Ausgewählte Emittentengruppen - Flüchtige organische Verbindungen" zu entnehmen.Die Emissionskarte zeigt die NMVOC-Jahresemissionen der Emittentengruppe Industrie, dargestellt auf Rasterebene. Die weißen Flächen auf den Karten sind so zu erklären, dass aus der Emittentengruppe Industrie für das entsprechende Gebiet keine Emissionen vorhanden sind. Im Jahr 2008 lagen diese Emissionen bei insgesamt 4.151 t/a in Hessen.
Im Rhein-Main-Gebiet sind besonders viele der NMVOC emittierenden Anlagen angesiedelt. Die höchsten Emissionen treten bei Lackieranlagen, Reifenherstellung und chemischer Industrie auf.
Die industriellen Emissionen von flüchtigen organischen Verbindungen ohne Methan sind in den vier Untersuchungsgebieten innerhalb der letzten 25 Jahren enorm zurückgegangen (siehe Abbildung 3): In den vier Untersuchungsgebieten hat sich die emittierte NMVOC-Menge auf ein Zwanzigstel der Ausgangsmenge von 1979 reduziert.
![]() Abb. 3: NMVOC-Emissionen der Industrie in den vier hessischen Untersuchungsgebieten |
Hessenweit sind die NMVOC-Emissionen von 1992 bis 2008 auf gut ein Drittel gesunken.
Die Emissionsabnahme von 1979 bis 1984 in den vier Untersuchungsgebieten ist überwiegend auf die gesunkenen Emissionen im Untersuchungsgebiet Untermain zurückzuführen. Diese Entwicklung wurde maßgeblich durch Erkenntnisse im Hinblick auf Emissionsvermeidung ausgelöst, die bei den Ende der 70er Jahre erstmals abgegebenen Emissionserklärungen gewonnen wurden. In der Folge wurden wirtschaftlich vorteilhafte Emissionsminderungsmaßnahmen (wie z. B. Lösungsmittelrückgewinnung) umgesetzt und Möglichkeiten zur Einsparung von Rohstoffen genutzt. Der weitere Emissionsrückgang seit Ende der 80er Jahre ist aufgrund der Einführung der Technischen Anleitung Luft (TA Luft) von 1986 und 2002 [4] zu beobachten, welche die Modernisierung von Produktionsverfahren und die Verwendung fortschrittlicherer Abluftreinigungen, z. B. thermische Nachverbrennung zur Folge hatte.Bezüglich der Eigenschaften von Feinstaub (PM10) sei auf den entsprechenden Abschnitt im Text zur Immissionskarte von Feinstaub PM10 verwiesen.
Die Feinstaub-Jahresemissionen der Emittentengruppe Industrie sind einerseits auf Rasterebene, andererseits auf Gemeindeebene dargestellt. Bei der Darstellung auf Gemeindeebene sind die Emissionen pro Gemeinde durch die Fläche der jeweiligen Gemeinde geteilt. Die weißen Flächen auf den Karten sind so zu erklären, dass aus der Emittentengruppe Industrie für das entsprechende Gebiet keine Emissionen vorhanden sind. Die Emissionen betrugen im Jahr 2008 insgesamt 1.183 t/a in Hessen.
Schwerpunkte der Feinstaub-Emissionen sind neben dem Rhein-Main-Gebiet auch im Landkreis Darmstadt-Dieburg und in Mittelhessen zu finden. Die Verteilung der Emissionen auch außerhalb der Ballungsräume ist dadurch begründet, dass die Hauptverursacher nicht nur Kohlekraftwerke sind, sondern von den weiter verbreiteten Brech- und Klassieranlagen stammen. Auch Eisengießereien leisten einen nicht unerheblichen Feinstaub-Beitrag.
Zur Emissionsentwicklung von Feinstaub können nur Daten von Staub-Emissionen (Gesamtstaub) herangezogen werden, da diese im Gegensatz zu Feinstaub seit Ende der 70er Jahre für die Untersuchungsgebiete erhoben worden sind. Die Staub-Emissionen verzeichneten bis 1992 einen deutlichen Rückgang auf fast ein Fünftel der ersten Erhebung. Bis 2008 reduzierten sich die Staub-Emissionen nochmals um mehr als die Hälfte.
![]() Abb. 4: Staub-Emissionen der Industrie in den vier hessischen Untersuchungsgebieten |
Hessenweit sind die Staub-Emissionen von 1992 bis 2008 auf ein knappes Drittel reduziert worden. Diese deutliche Reduzierung ist mit emissionsmindernden Maßnahmen in der Großfeuerungsanlagenverordnung (13. BImSchV) [3] und der TA Luft [4] zu erklären.
In den früheren Jahren war der PM10-Anteil am Gesamtstaub niedriger als heute. Durch die staubfilternden Maßnahmen wird in erster Linie der Grobstaub herausgefiltert, der Feinstaub wird teilweise weiter emittiert. Bei den industriellen Staubemissionen beträgt der Feinstaubanteil am Gesamtstaub im Jahr 2008 56 % .
[1] Vierte Verordnung zur Durchführung des Bundes-Immissionsschutzgesetzes (Verordnung über genehmigungsbedürftige Anlagen – 4. BImSchV) vom 14. März 1997 (BGBl. I S. 504), zuletzt geändert am 11. August 2009 (BGBl. I S. 2723, 2728)
[2] Elfte Verordnung zur Durchführung des Bundes-Immissionsschutzgesetzes (Emissionserklärungs-Verordnung – 11. BImSchV) vom 12. Dezember 1991 (BGBl. I S. 2213), Neufassung vom 5. März 2007 (BGBl. I S. 289)
[3] Dreizehnte Verordnung zur Durchführung des Bundes-Immissionsschutzgesetzes (Verordnung über Großfeuerungsanlagen – 13. BImSchV) vom 22. Juni 1983 (BGBl. I S. 719), Neufassung vom 27. Januar 2009 (BGBl. I Nr. 5 vom 30.01.2009 S. 129)
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[Altlasten]
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