Luft: Emissionskataster

Ausgewählte Emittentengruppen - reaktiver Stickstoff

Einführung

Mit der Emissionsminderung der klassischen Luftschadstoffe, wie etwa Kohlenmonoxid, Schwefeldioxid oder Staub, tritt für die Luftreinhaltung mehr und mehr der so genannte reaktive Stickstoff in den Vordergrund. Hierunter werden alle Stickstoffverbindungen außer Distickstoff (N2) verstanden. Reaktiv deshalb, weil diese Stickstoffverbindungen in der Atmosphäre chemisch reagieren oder die Atmosphäre auf andere Art beeinflussen. Deshalb gehört auch Distickstoffoxid (N2O) zu dieser Gruppe. N2O ist zwar in der unteren Atmosphäre chemisch nicht reaktiv, hat jedoch über den Treibhauseffekt Einfluss auf die Temperatur der Atmosphäre.
Reaktiver Stickstoff wird nahezu ausschließlich über Deposition aus der Atmosphäre entfernt und bewirkt dann Umweltschäden durch Versauerung und Überdüngung. Feinstäube in der Atmosphäre haben einen hohen Anteil an Stickstoffverbindungen, insbesondere Ammoniumsalze.

In der folgenden Tabelle 1 wurden die im hessischen Emissionskataster aufgeführten Emissionen von NO, NO2, NH3 und N2O der einzelnen Emittentengruppen auf reaktiven Stickstoff (N) umgerechnet (siehe letzte Tabellenspalte).

Tabelle 1: Emissionen von reaktivem Stickstoff in Hessen

Stickstoff-
monoxid
(NO)
[t/a] 1

Stickstoff-
dioxid
(NO2)
[t/a] 1

Ammoniak
(NH3)
[t/a] 1

Lachgas
(N2O)
[t/a] 1

 
Reaktiver
Stickstoff
(N)
[t/a] 1

Industrie 2012

-

11.991

51,7

251

 

3.852

Gebäudeheizung 2012

-

7.136

-

107

 

2.240

Kfz-Verkehr 2010

-

46.211

1.668

309

 

15.634

Biogene und nicht gefasste Quellen 2012

3.154

-

20.304

3.870

 

20.761

Flugverkehr 2010

-

2.423

-

-

 

737

Hessen

3.154

67.761

22.024

4.537

 

43.224

1Tonnen pro Jahr

In der Abbildung 1 sind noch einmal die Emissionsanteile des reaktiven Stickstoffs aus Tabelle 1 für die beteiligten Emittentengruppen grafisch dargestellt. Deutlich fallen die Emissionen der biogenen und nicht gefassten Quellen (Landwirtschaft) mit einem Anteil von 48 % auf. Der Verkehr (Kfz-Verkehr einschließlich Flugverkehr) ist mit ca. 38 % beteiligt, während die Industrie und die Gebäudeheizung mit ca. 9 % bzw. ca. 5 % weniger stark ins Gewicht fallen.

Emissionen des reaktiven Stickstoffs
Abb. 1: Emissionen des reaktiven Stickstoffs in Hessen aufgeschlüsselt nach Emittentengruppen

Kartenbeschreibung

Auf der Karte sind die Emissionen des reaktiven Stickstoffs auf Kreisebene dargestellt, die von den Emittentengruppen Industrie, Gebäudeheizung, Kfz-Verkehr (Verkehr ohne Flugverkehr) sowie den biogenen und nicht gefassten Quellen im Jahr 2010/2012 freigesetzt wurden. Die Emissionen des Flugverkehrs sind nicht eindeutig einem Landkreis oder einer kreisfreien Stadt zuzuordnen und sind aus diesem Grund in der Karte nicht aufgeführt. In ländlichen Gebieten dominieren die biogenen Quellen (NH3, NO und N2O aus der Landwirtschaft), während ansonsten meist der Kfz-Verkehr (NO2) den größten Anteil der reaktiven Stickstoff-Emissionen stellt. Nur in Land- bzw. Stadtkreisen mit Großkraftwerken sind in der Karte auch die Industrie-Emissionen (NO2) als gelber Balken deutlich sichtbar.

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© Hessisches Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie