| Landwirtschaft: Ökologischer Landbau |
In Hessen wurden die Chancen des ökologischen Landbaus schon frühzeitig erkannt und genutzt. Gerade weil die Erträge in vielen hessischen Regionen naturbedingt niedriger ausfallen als in anderen Bundesländern, war der Schritt zu extensiven Formen der Landbewirtschaftung nicht so groß wie in den landwirtschaftlich begünstigten Regionen. Außerdem war es schon immer nötig, dies durch Diversifizierungsstrategien zu kompensieren, was wiederum dazu geführt hat, dass es in Hessen eine vergleichsweise große Vielfalt an Produktionsrichtungen und Verarbeitungsstrukturen gibt.
Da gleichzeitig das Rhein-Main-Gebiet zu einer der kaufkräftigsten Regionen Europas zählt, war auf der anderen Seite schon länger eine starke Nachfrage nach Öko-Lebensmitteln vorhanden.
Die Globalisierung der Handelsströme auch auf den Öko-Märkten, hat in den letzten Jahren in allen Bereichen zu anonymeren Produktions-, Verarbeitungs- und Handelsstrukturen geführt. Bei Verbrauchern gibt es ein großes Bedürfnis nach vertrauenswürdigen und überprüfbaren Fakten. Transparenz, Authentizität und Herkunft sind auch gefragte Qualitäten von Ökoprodukten. Darüber hinaus wächst das Bewusstsein bei vielen Menschen dafür, dass der Kauf von Lebensmitteln auch auf bestimmte globale und regionale Entwicklungen Einfluss hat. Eine wachsende Anzahl an Verbrauchern bewertet die Verantwortung, die in den eigenen Kaufentscheidungen liegt, zunehmend höher. Sie wollen die Lebenssituation der am Produktionsprozess beteiligten Menschen in Übersee oder im eigenen Land, den Schutz von Boden, Luft, Grundwasser, Flora und Fauna durch den Konsum regionaler oder ökologisch erzeugter Produkte unterstützen. Auch die Tiergerechtheit der Haltungssysteme angefangen von den Legehennen, über Mastgeflügel bis hin zu Schweinen und Rindern werden stärker wahrgenommen und führen zu einem kritischeren Kaufverhalten einer wachsenden Anzahl an Verbrauchern. All diese komplexen regionalen und globalen Zusammenhänge in die Erzeugungs- und Verarbeitungsprozesse mit einzubeziehen, wird künftig für Unternehmen der Lebensmittelwirtschaft von wachsender Bedeutung sein.
Am 31.12.2010 waren in Hessen 2411 Betriebe nach der EU-Ökoverordnung zertifiziert. Von den darin enthaltenen 1.708 Erzeugerbetrieben wurden 76.924 ha ökologisch bewirtschaftet. Dies entspricht einer Quote an der landwirtschaftlichen Nutzfläche von 10 %. Der erwartete Trend hat sich damit bestätigt. Hessen befindet sich beim Flächenanteil weiter in der Spitzengruppe der Bundesstatistik.
Es sind 35 Erzeugerbetriebe (+2,1 %) und 4.139 ha (+5,7%) im Vergleich zu 2009 hinzu gekommen. Die folgende Tabelle zeigt, dass die Anzahl ökologisch wirtschaftender Betriebe in Hessen nach einem leichten Rückgang Mitte des Jahrzehnts stetig zugenommen hat.
Tab. 1: Betriebe in Hessen, die nach EG-Öko-Verordnung wirtschaften,
Anzahl und Flächen
Kontrollbereich 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010A (Erzeugung)
14821588
1551
1481
1467
1434
1457
1561
1607
1673
1708B (Verarbeitung)
168189
209
216
250
262
309
397
481
519
524C (Import)
84
5
7
6
7
13
16
19
23
23H (Handel)
00
0
0
0
6
38
69
94
139
152E (Futtermittel)
00
0
3
2
2
2
2
2
4
4Unternehmen insgesamt
16581781
1765
1707
1725
1711
1819
2045
2203
2358
2411Fläche (ha) 51.25255.616
58.014
56.578
55.972
57.904
59.146
61.489
70.159
72.731
77.838
Bundesweit gab es Ende 2010 22.200 Betriebe mit 1.001.200 ha. Von beiden stellt Hessen also knapp 8%. In der Fläche ist Hessen 2010 genauso gewachsen als der Bundesschnitt mit 5,7 %. Bei der Zahl der hinzugewonnenen Betriebe erreicht Hessen die Hälfte des Bundesschnittes und beim Umsatzanteil im Lebensmitteleinzelhandel etwa 4 %.
Schwerpunkte der ökologischen Erzeugung befinden sich in Hessen in den Mittelgebirgslagen der Rhön, des Vogelsberges, des Waldecker Uplandes, des Gladenbacher Landes und im Dillbergland. Dort sind die Betriebe überwiegend auf Milchviehhaltung und Rindfleischerzeugung ausgerichtet. Gerade diese Betriebe machen weiterhin einen großen Teil des Zuwachses aus. Ihre Produkte werden aber nicht immer als Ökologische vermarktet. Diese Betriebe schließen sich auch seltener den Markenzeichen und Zertifizierungen der Verbände des ökologischen Landbaus an.
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[Einführung]
[Allgemeine
Daten]
[Abfall] [Altlasten]
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