Landwirtschaft: Standortkarten

Gefahrenstufenkarte Bodenerosion durch Wasser

Unter Bodenerosion wird der Abtrag von Boden durch Wasser oder Wind verstanden. Bodenerosion wird häufig erst durch die Nutzung der Böden ausgelöst oder verstärkt. Sie kann eine irreversible Schädigung des Bodens darstellen. Sämtliche Funktionen des Bodens werden so beeinträchtigt. Nährstoffe und Humus gehen verloren, die Wasserspeicherfähigkeit wird unter Umständen gemindert, die Funktion des Lebensraums wird beeinträchtigt, die Filter-, Puffer- und Transformationseigenschaften sind betroffen. Außerdem werden angrenzende Biotope (Gewässer, Wald, Säume etc.) durch den Eintrag von Bodenmaterial belastet.

Die Erosion durch Wasser spielt im Berg- und Hügelland eine große Rolle und dort besonders auf den löß- und sandlößbedeckten Flächen. Die bodenspezifische Erosionsgefährdung hängt vor allem von der Bodenart und dem Bodengefüge ab, während die Abflussgeschwindigkeit und die Menge des Oberflächenwassers durch die Hangneigung und die Hanglänge sowie durch das Niederschlagsereignis beeinflusst werden.
In Hessen wurde die natürliche Erosionsgefährdung landwirtschaftlicher Nutzflächen unabhängig von der Nutzung ermittelt, einheitlich bewertet und im Rahmen der AVP-Standortkarte von Hessen als "Gefahrenstufenkarte Bodenerosion durch Wasser" dargestellt.
Grundlage hierfür ist die "Gießener Gefahrenstufenkartierung" (Kuron, Jung), die in einigen Bereichen modifiziert wurde.

Die Darstellung und Bewertung der natürlichen Standortfaktoren
 1. Relief (Hangneigung)
 2. Boden (Gruppierung nach Tongehalt bzw. Bodenzahl der Reichsbodenschätzung)
 3. Niederschlag (Starkregenhäufigkeit = Anzahl der Tage mit mehr als 10 mm Niederschlag)
erfolgte in 6 Gefahrenstufen (E1-E6).

Im Hinblick auf Boden - resp. Erosionsschutz - sind den jeweiligen Gefährdungsstufen die entsprechenden Maßnahmen landwirtschaftlicher Nutzungsarten und Nutzungsintensitäten zugeordnet.

E1
Alle Formen und Intensitäten ordnungsgemäßer landwirtschaftlicher Nutzung möglich.
Geringe Schutzbedürftigkeit des Bodens.

E2
Acker- und pflanzenbauliche Maßnahmen notwendig; hangparallele Bewirtschaftung und vielseitigere Fruchtfolgen, vor allem Zwischenfruchtbau; Verbesserung der Bodenstruktur (Humus- und Basenhaushalt); Hanglängenbegrenzung bei ca. 200 m (z.B. Wege, Gräben).
Geringe Schutzbedürftigkeit des Bodens.

E3
Stärkere acker- und pflanzenbauliche Maßnahmen notwendig; zusätzlich Beseitigung von Bodenverdichtungen und aufwendigere pflanzenbauliche Maßnahmen, z.B. Fruchtwechsel mit bodenschützenden Kulturarten (Feldfutter) im Streifenbau (5-10 m Breite); Mulchverfahren; Hanglängenbegrenzung ca. 100 m.
Mittlere Schutzbedürftigkeit des Bodens.

E4
Zusätzlich zu acker- und pflanzenbaulichen auch noch kulturtechnische Maßnahmen;
verstärkter Streifenbau (ca. 10 m Streifenbreite) bodenschützender Kulturarten im Abstand von ca. 50 m; Maisanbau nur in Bodendecker, z.B. Zwischenfrucht, Untersaat; Mulchverfahren notwendig; Hanglängenbegrenzung bei ca. 50 m, z.B. durch Streifenbau, Wegenetz mit Grabenführung, Wasserleitfurchen, Grün- und Gehölzstreifen, bewachsene Raine,
Hangmulde unter andauernder Vegetationsdecke.
Mittlere Schutzbedürftigkeit des Bodens.

E5
Permanente Vegetationsdecke; langjähriger Feldfutterbau oder Grünlandnutzung (ggf. Ansaat), Beweidung möglich.
Hohe Schutzbedürftigkeit des Bodens.

E6
Permanente Vegetationsdecke; Beweidung eingeschränkt; Grünlandnutzung extensiv; Waldnutzung erstrebenswert.
Hohe Schutzbedürftigkeit des Bodens.


Erosionsschutz nach Cross Compliance

Ergänzend zu den bodenschutzrechtlichen Regelungen sind auch die auf den Erosionsschutz abzielenden und europaweit geltenden Vorschriften des Cross Compliance-Systems mit dem Erhalt der landwirtschaftlichen Flächen in einem guten landwirtschaftlichen und ökologischen Zustand zu nennen. Hierzu hat eine Inhaberin/ein Inhaber eines landwirtschaftlichen Betriebs, die/der Direktzahlungen beantragt, für die Dauer des Bezuges der Direktzahlungen den Schutz des Bodens vor Erosion durch geeignete Maßnahmen zu gewährleisten.
Zur nationalen Umsetzung dieser europäischen Vorschriften dienen das Direktzahlungen-Verpflichtungengesetz und die Direktzahlungen-Verpflichtungenverordnung.

Nach den bundesrechtlichen Vorschriften im Direktzahlungen-Verpflichtungengesetz ist der Schutz des Bodens vor Erosion seit dem 01. Juli 2010 durch Maßnahmen (Bewirtschaftungsauflagen) zu gewährleisten, die in der bundesweit geltenden Direktzahlungen-Verpflichtungenverordnung konkretisiert sind. Die landesspezifische Umsetzung dieser Verordnung ist in der hessischen "Verordnung zur Einteilung landwirtschaftlicher Flächen nach dem Grad der Erosionsgefährdung" geregelt..

Die Abgrenzung der Gebiete können bei den Landratsämtern eingesehen werden und sind gleichfalls im BodenViewer öffentlich verfügbar (Karte: Erosionsgebiete CC). Zusätzlich sind die Grundlagendaten für das Erosionskataster dargestellt (Hangneigung, K- und S-Faktor).
Die Anforderungen richten sich nach der Erosionsgefährdung der landwirtschaftlichen Flächen:

CCWasser1
Der Betriebsinhaber darf eine Ackerfläche, die dieser Wassererosionsgefährdungsklasse zugehört und die nicht in eine besondere Fördermaßnahme zum Erosionsschutz einbezogen ist, vom 1. Dezember bis zum Ablauf des 15. Februar nicht pflügen. Das Pflügen nach der Ernte der Vorfrucht ist nur bei einer Aussaat vor dem 1. Dezember zulässig. Im Falle einer Bewirtschaftung quer zum Hang sind die Sätze 1 und 2 nicht anzuwenden.

CCWasser2
Der Betriebsinhaber darf eine Ackerfläche, die dieser Wassererosionsgefährdungsklasse zugehört und die nicht in eine besondere Fördermaßnahme zum Erosionsschutz einbezogen ist, vom 1. Dezember bis zum Ablauf des 15. Februar nicht pflügen. Das Pflügen zwischen dem 16. Februar und dem Ablauf des 30. November ist nur bei einer unmittelbar folgenden Aussaat zulässig. Vor der Aussaat von Reihenkulturen mit einem Reihenabstand von 45 Zentimetern und mehr ist das Pflügen verboten.

Ferner führt § 2 Abs. 1 aus, dass die Landesregierungen die Einteilung der Flächen durch Rechtsverordnung vorzunehmen haben. In der hessischen Verordnung zur Einteilung landwirtschaftlicher Flächen nach dem Grad der Erosionsgefährdung sind die "Gebiete, die den Erosionsgefährdungsklassen zugehören" definiert. Darüber hinaus bestehen in Hessen nach den landesrechtlichen Vorschriften folgende abweichenden Anforderungen:
Abweichende Anforderungen in Hessen:

(1) Abweichend von § 2 Abs. 3 Satz 2 der Direktzahlungen-Verpflichtungenverordnung ist das Pflügen zwischen dem 16. Februar und dem 30. November auch ohne unmittelbar folgende Aussaat der Kulturen Sommergerste, Sommerweizen, Hafer, Ackerbohnen, Sommerfuttererbsen, Zuckerrüben, Kartoffeln und Mais auf Schlägen, die in die Wassererosionsgefährdungsklasse CCWASSER2 eingeteilt sind, zulässig, sofern die Bewirtschaftung und das Pflügen überwiegend quer zur Haupthangrichtung erfolgen. Eine Bearbeitung der Pflugfurche vor dem 16. Februar ist nicht zulässig.

(2) Abweichend von § 2 Abs. 3 Satz 3 der Direktzahlungen-Verpflichtungenverordnung ist das Pflügen auf Schlägen, die in die Wassererosionsgefährdungsklasse CCWASSER2 eingeteilt sind, zwischen dem 16. Februar und dem 31. Mai zulässig

(3) Die Anforderungen des § 2 Abs. 2 bis 3 der Direktzahlungen- Verpflichtungenverordnung sind nicht einzuhalten, soweit die für den Vollzug des Pflanzenschutzgesetzes in der Fassung der Bekanntmachung vom 14. Mai 1998 (BGBl. I S. 971, 1527, 3512), zuletzt geändert durch Gesetz vom 29. Juli 2009 (BGBl. I S. 2542), zuständige Behörde eine von diesen Anforderungen abweichende Anordnung trifft, um den besonderen Erfordernissen des Pflanzenschutzes im Sinne des § 1 Nr. 1 und 2 des Pflanzenschutzgesetzes Rechnung zu tragen. 
Die Abgrenzung der Gebiete können bei den Landratsämtern eingesehen werden und sind gleichfalls im hessischen BodenViewer öffentlich verfügbar (Karte: Erosionsgebiete CC). Zusätzlich sind die Grundlagendaten für das Erosionskataster dargestellt (Hangneigung, K- und S-Faktor).


© 2013 Hessisches Landesamt für Umwelt und Geologie