Landwirtschaft: Standortkarten

Natürliche Standorteignung für landbauliche Nutzung

Die landwirtschaftlich genutzte Feldflur und der Wald, die in Hessen ungefähr gleich groß sind, umfassen rd. 80 % des Landesgebietes. Auch der Landwirtschaft kommt damit eine große Bedeutung zu. Sie erfüllt eine Vielzahl von Aufgaben bzw. ökonomisch und ökologisch geprägte Nutz-, Schutz- sowie Erholungsfunktionen.
Die augenfälligste Aufgabe ist nach wie vor die Produktion von Nahrungsmitteln und Rohstoffen. Durch die Bewirtschaftung der landwirtschaftlichen Flächen trägt sie zugleich dazu bei, die natürlichen Lebensgrundlagen zu sichern, die Kulturlandschaft zu pflegen und die Attraktivität der ländlichen Gebiete zu erhalten. Darüber hinaus leistet sie einen Beitrag zur Grundwasserneubildung, zur Sauerstoffproduktion (ein Hektar Winterraps produziert dreimal soviel Sauerstoff wie ein Hektar Wald) und zur Artenvielfalt (70 % aller Arten leben außerhalb des Waldes und auf landwirtschaftlich genutzten Flächen dreimal soviel Arten wie auf Brachflächen).

Die Nutzungseignungskarte stellt die aufgrund natürlicher Standortfaktoren und deren Wechselwirkungen vorgegebene Eignung der landwirtschaftlichen Nutzfläche (LN) für landbauliche Nutzung dar. Sie dient als Entscheidungs- und Planungsgrundlage.
Die Karte gibt Auskunft über die sich aus den natürlichen Bedingungen ergebenden optimalen landbaulichen Nutzungsmöglichkeiten. Sie liefert Grunddaten für die Planung künftiger agrarischer Landnutzung und die pflegliche Nutzung und die Sicherung des Bodens. Vor allem ist sie unabhängig von der kurzfristig veränderbaren (aktuellen) Realnutzung, längerfristig gültig und erlaubt einen Vergleich der landwirtschaftlichen Nutzflächen untereinander in Hessen.
Die Hinweise für Planungs- und Durchführungsvorhaben landbeanspruchender Maßnahmen (Siedlung, Verkehr, Forstwirtschaft, Landespflege) sind von erheblicher Bedeutung.

Zur Eignungsbewertung dienen die Standortfaktoren

- Boden (Bodenzahlen der Reichsbodenschätzung, tlw. korrigiert)
- Relief (Gefällewerte nach Bodenerosion und Technisierungsgrad)
- Klima (durchschnittliche Jahresniederschläge und Dauer der Vegetationsperiode).

Diese Faktoren werden einzeln (vorläufige Gruppierung) und in Kombination (Endbewertung) nach vorgegebenem Rahmen gewertet. Aus dieser Bewertung ergeben sich die (potenziellen) Nutzungsmöglichkeiten.
Die natürliche Nutzungseignung von Flächen für den Landbau wird in 3 Hauptgruppen als Ackereignung (A) und Grünlandeignung (G) ermittelt:

Acker gut (A1) bzw. Grünland gut (G1) = vorrangig geeignet zur Acker- bzw. Grünlandnutzung
Acker mittel (A2) bzw. Grünland mittel (G2) = bedingt geeignet zur Acker- bzw. Grünlandnutzung
Acker gering (A3) bzw. Grünland gering (G3) = schlecht geeignet zur Acker- bzw. Grünlandnutzung.

Diese Bewertung (Gruppierung) natürlicher Gegebenheiten im Hinblick auf optimale landbauliche Nutzungsmöglichkeiten bzw. natürliche Wertigkeit der Flächen für den Landbau verspricht eine Gültigkeit über längere Zeiträume infolge der relativ großen Beständigkeit natürlicher Standortfaktoren. Soziale und ökonomische Faktoren, die u.U. von stärkerem Einfluss auf die Nutzung einer Fläche sein können, sind kurzfristig veränderbar und erscheinen daher als absoluter und für längere Zeit gültiger Maßstab (Grundlage) einer Standortbewertung für ungeeignet. Die Bewertungsgrundlagen für die natürliche Nutzungseignung gelten einheitlich für Hessen, um durch ein absolutes Wertungssystem ein objektives Gesamturteil und einen Vergleich im Hinblick auf optimale Flächennutzung für den Landbau, Siedlung, Verkehr etc. aufgrund der natürlichen Wertigkeit der Flächen für den Landbau zu erhalten.

Die Karte, die flächendeckend auch in digitalisierter Form vorliegt, ist Grundlage für folgende Planungsbereiche:

Landentwicklung, agrarstrukturelle Entwicklungsplanung, Flurbereinigung
(Nutzungskonflikte, Flächenwidmung, Nutzungsintensität, Erhaltungs- und Verbesserungsmaßnahmen)

Regionalpläne
(insbesondere Erhalt und Entwicklung landbaulich wertvoller Flächen)

Bauleitpläne, Landschaftspläne, Fachplanungen Dritter
(Erhaltung und pflegliche Nutzung des Bodens).

© 2013 Hessisches Landesamt für Umwelt und Geologie