Lärm: Fluglärm

Fluglärm

Hier werden einige Kartensätze aus amtlichen Quellen dargestellt. Das bedeutet jedoch nicht, dass die Daten aktuell, fehler- und widerspruchsfrei sind.

Lärm von Flugzeugen wird im für Einwohner rechtlich relevanten Sinne nicht gemessen, sondern berechnet.

Flughäfen/-landeplätze

Definition von Flughafen nach LuftVZO §38 [1]: Flughäfen sind Flugplätze, die nach Art und Umfang des vorgesehenen Flugbetriebs einer Sicherung durch einen Bauschutzbereich nach § 12 des Luftverkehrsgesetzes bedürfen.

Fluglärmschutzzonen und Siedlungsbeschränkungsgebiete

Die Bedeutung und Berechnung von Fluglärmschutzzonen und Siedlungsbeschränkungsgebieten wird im Folgenden für das Beispiel Flughafen Frankfurt erläutert. Der Text ist an den Lärmaktionsplan Flughafen Frankfurt/Main [2] angelehnt.

Das Gesetz zum Schutz gegen Fluglärm (FluLärmG) [3] bestimmt- auf Grundlage des im Planfeststellungsbeschluss vom 18.12.2007 für das Jahr 2020 angenommenen Ausbaufalls - bauliche Nutzungsbeschränkungen in den maßgeblichen Schutzzonen, hier

Tag-Schutzzone 1: LAeq Tag= 60 dB (A)

Tag-Schutzzone 2: LAeq Tag= 55 dB (A)

Nacht-Schutzzone LAeq Nacht= 50 dB (A) bzw. LAnax mind. 6 mal >= 53 dB (A) (Innenpegel).

Bei Innenpegel wird davon ausgegangen, dass das Fenster gekippt ist und die Dämpfung 15 dB beträgt. Das Maximalpegelkriterium für die Nachtschutzzone ist damit gleichbedeutend mit der Aussage LAnax mindestens 6 mal >= 68 dB (A) (Freifeld, außen). Hier ist mit Tag der Zeitraum vom 6 bis 22 Uhr gemeint und mit Nacht der Zeitraum von 22 bis 6 Uhr.

Nach FluLärmG dürfen Wohnungen grundsätzlich weder innerhalb der Tag-Schutzzone 1 noch der Nacht-Schutzzone errichtet werden; Krankenhäuser, Altenheime, Erholungsheime und ähnliche in gleichem Maße schutzbedürftige Einrichtungen grundsätzlich in keiner der drei Schutzzonen.

Die Errichtung von Wohnung in der Tag-Schutzzone 2 ist zulässig, sofern sie den nach § 7 FluLärmG festgesetzten Schallschutzanforderungen genügen.

Der Regionalplan Südhessen/Regionale Flächennutzungsplan 2010 enthält ein Siedlungsbeschränkungsgebiet, das auf Grundlage der 60 dB (A)-Fluglärmkontur festgelegt wurde. Die Konturen für das Siedlungsbeschränkungsgebiet wurden vom Hessischen Landesamt für Umwelt und Geologie (HLUG) ermittelt. Es wurde ein gemittelter Tag-Nacht-Pegel verwendet. (60 dB(A)-Fluglärmkontur, Halbierungsparameter q=3, 100/100-Regelung, AzB 1984 [4] nach der LAI-Fluglärmleitlinie für Verkehrsflughäfen unter Einbeziehung eines gemittelten Tag-Nacht-Pegels). Die Kontur basiert auf einer Luftverkehrsprognose, welche die Entwicklungsvorstelllungen des Flughafen Frankfurt/Main für den Prognosehorizont des Planungsfalls 2020 berücksichtigt, also mit Nordwest-Landebahn und jährlich 701.000 Flugbewegungen angenommen. Allerdings unterscheidet sich das verwendete Berechnungsverfahren (Anleitung zur Berechnung von Lärmschutzbereichen (Stand 1975) in Verbindung mit den Flugzeuggruppen (Stand 1984)) deutlich vom heutigen nach FluLärmG geltenden Berechnungsverfahren AzB08 [5], weshalb sich der vom Gesetzgeber festgelegte Bauschutzbereich vom Siedlungsbeschränkungsgebiet in seiner Lage signifikant unterscheidet.

Derzeit ist in der Bauleitplanung in der Umgebung des Flughafens Frankfurt/Main das in der Karte dargestellte Siedlungsbeschränkungsgebiet zu beachten. In diesen Gebieten ist die Ausweisung neuer Wohnbauflächen und Mischgebiete im Rahmen der Bauleitplanung nicht zulässig. Bauflächen in geltenden Bebauungsplänen und Flächen innerhalb des Siedlungsbestandes für städtebauliche Umstrukturierungsmaßnahmen bleiben von dieser Regelung unberührt.

Der konkrete Umgang mit Siedlungsbeschränkungen wird im Forum Flughafen und Region und der Fluglärmkommission behandelt.

Datenquellen zum Frankfurter Flughafen

Lärmschutzbereich Calden

Lärmkartierung nach Richtlinie 2002/49/EG

Ziel der EU-Richtlinie 2002/49/EG [6] ist unter anderem eine EU-weite Bestandsaufnahme der Lärmbelastung durch bestimmte Lärmquellen unter definierten, harmonisierten Bewertungsmethoden.

Die Richtlinie sieht vor, dass Großflughäfen kartiert werden. Die Definition ist in Artikel 3 der Richtlinie festgelegt.

Im Sinne dieser Richtlinie bezeichnet der Ausdruck

p) "Großflughafen" einen vom Mitgliedstaat angegebenen Verkehrsflughafen mit einem Verkehrsaufkommen von über 50000 Bewegungen pro Jahr (wobei mit "Bewegung" der Start oder die Landung bezeichnet wird); hiervon sind ausschließlich der Ausbildung dienende Bewegungen mit Leichtflugzeugen ausgenommen.


An Fluglärm wurde demnach in Hessen nur der Flughafen Frankfurt als einziger hessischer Großflughafen kartiert.

Die in dem Lärmviewer Hessen dargestellten Isophonen für den Tag-Abend-Nacht Bewertungspegel LDEN beziehen sich auf der kurz nach der Eröffnung der Landebahn Nordwest im Herbst 2011 erstellten Bewegungsprognose für das Jahr 2012. Diese Lärmkartierung hat im Gegensatz zu den oben genannten Berechnungen keine direkten rechtlichen Konsequenzen [7].

Bevölkerungsdichte

Der Kartenbestandteil „Bevölkerung“ sind die Einwohnerzahlen pro 100 x 100 m2 vom Statistischen Bundesamt mit Stand des Zensus 2011 [8]. Aus Datenschutzgründen werden Zellen mit 1 Einwohner gar nicht und Zellen mit 2 Einwohnern als 3 Einwohner dargestellt. Diese Bevölkerungsdaten wurden im Dezember 2014 erstellt und bislang in dieser Form nicht für Lärmbelastetenstatistiken verwendet.

Quellen

[1] Luftverkehrs-Zulassungs-Ordnung vom 19. Juni 1964 (BGBl. I S. 370), die durch Artikel 568 der Verordnung vom 31. August 2015 (BGBl. I S. 1474) geändert worden ist.

[2] Lärmaktionsplan Hessen, Teilplan Flughafen Frankfurt/Main, herausgegeben vom Regierungspräsidium Darmstadt.

[3] Gesetz zum Schutz gegen Fluglärm in der Fassung der Bekanntmachung vom 31. Oktober 2007 (BGBl. I S. 2550).

[4] Mit AzB 84 ist die Ergänzung der AzB 75 gemeint:
Anleitung zur Berechnung von Lärmschutzbereichen an zivilen und militärischen Flugplätzen nach dem Gesetz zum Schutz gegen Fluglärm vom 30.03.1971 (BGBI. I S. 282) – Anleitung zur Berechnung (AzB) – vom 27.02.1975 (HMBI. Nr. 8, S. 162)

Sowie

Ergänzung der Anleitung zur Berechnung von Lärmschutzbereichen an zivilen und militärischen Flugplätzen – AzB – vom 27.02.1975 vom 20.02.1984

[5] Anleitung zur Berechnung von Lärmschutzbereichen (AzB) und Anleitung zur Datenerfassung über den Flugbetrieb (AzD) vom 19.11.2008 (BAnz. Nr. 195a vom 23.12.2008, S. 2).

[6] Richtlinie 2002/49/EG des europäischen Parlaments und des Rates vom 25. Juni 2002 über die Bewertung und Bekämpfung von Umgebungslärm.

[7] Siehe dazu auch http://www.flk-frankfurt.de/eigene_dateien/sitzungen/221._sitzung_am_26.06.2013/top_9_-_antwort_hmuelv_auf_antrag_aus_moerfelden-walldorf__12.6.2013.pdf

[8] Bevölkerungszahlen pro Hektar in Hessen, Ergebnisse des Zensus am 9. Mai 2011, Lieferung von DESTATIS an HLUG am 9.1.2015. Projektion ETRS89-LAEA. © Statistisches Bundesamt, Wiesbaden 2016. Vervielfältigung und Verbreitung, auch auszugsweise, mit Quellennachweis gestattet.


© 2013 Hessisches Landesamt für Umwelt und Geologie