Klima: Klima – Zukunft

Kenntage Temperatur

Kenntage sind Tage, die durch Über- oder Unterschreitung eines bestimmten Schwellenwertes charakterisiert sind. Tage, an denen die Tageshöchsttemperatur 25 °C oder mehr beträgt, heißen Sommertage; Tage, an denen die Tageshöchsttemperatur 30 °C erreicht oder übersteigt, werden als heiße Tage bezeichnet.

Sommertage

Im Referenzzeitraum 1971–2000 wurden im Mittel über ganz Hessen 30,7 Sommertage pro Jahr gemessen. Das Multi-Modell-Mittel über die 21 verwendeten Klimamodelle liefert 28,0 Sommertage pro Jahr (d/a) im Mittel über ganz Hessen für die Referenzperiode. Das Maximum zeigt 41 Sommertage, das Minimum 16,3 Sommertage im Mittel über ganz Hessen. Es ist dabei zu beachten, dass der Maximum-Wert nicht aus einer einzelnen Simulation stammt, sondern – wie alle Multi-Modell-Karten – für jeden Punkt der Karte der jeweils höchste (analog für den Mittelwert der mittlere und für das Minimum der niedrigste) Wert aus allen Simulationsergebnissen gezeigt wird. Dadurch zeigt die Maximum-Karte einen Hessenmittelwert, der höher ist als in jeder einzelnen Simulation.

Die Modelle simulieren (für das Szenario A1B) eine Änderung der Anzahl der Sommertage für 2071–2100 im Vergleich zu 1971–2000 im Multi-Modell-Mittel von +42,1 Tagen pro Jahr (Minimum +21,5 und Maximum +56,4 Tage), d.h. die für die Referenzperiode berechneten Sommertage (28) pro Jahr werden mehr als verdoppelt (28 + 42 = 70), im Extremfall (Maximum) sogar fast verdreifacht (28 + 56 = 84).

Heiße Tage

Die beobachtete Anzahl von heißen Tagen in der Referenzperiode (1971–2000) betrug 5,6 Tage pro Jahr (d/a). Dieser Wert wird vom Multi-Modell-Mittelwert recht gut wiedergegeben (5,0 d/a). Die Werte des Multi-Modell-Minimums (1,2 d/a) und des Maximums (13,2 d/a) weichen von diesem Mittelwert jedoch erheblich ab.
Um die simulierten Änderungssignale in Relation zu bisherigen Erfahrungen zu setzen, zeigen wir außerdem die Karte der Anzahl heißer Tage im Hitzesommer 2003. In diesem Jahr traten im Mittel über ganz Hessen 22,8 heiße Tage auf, also 17,2 heiße Tage mehr als im Mittel über den Referenzzeitraum 1971–2000.

Die simulierte Änderung der Anzahl heißer Tage pro Jahr bis zum Ende des Jahrhunderts (2071–2100 im Vergleich zu 1971–2000) wird für die Multi-Modell-Auswertung aus 21 Modellketten berechnet, um systematische Fehler der Modelle oder Modellketten möglichst herauszurechnen. Die Zunahme heißer Tage beträgt im Mittel über alle Modellketten +21,5 Tage pro Jahr (Minimum: +7,1 Tage pro Jahr; Maximum: +33,0 Tage pro Jahr). Damit ist im Mittel mit einer Verfünffachung (von 5,0 auf 26,5) der Anzahl der heißen Tage pro Jahr zu rechnen, oder anders ausgedrückt: Am Ende diese Jahrhunderts wird ein Sommer wie 2003 vermutlich die Normalität sein.

Zusammenfassung

Die Zahl der Sommertage (Höchsttemperatur über 25 °C) und der heißen Tagen (Höchsttemperatur über 30 °C) werden in Zukunft (Ende des Jahrhunderts, 2071–2100) im Vergleich zur aktuellen Situation (1971–2000) deutlich ansteigen. In dem hier verwendeten Szenario A1B und den verwendeten 21 Modellkombinationen aus globalen und regionalen Klimamodellen muss mit einer Verdoppelung bis Verdreifachung der Anzahl der Sommertage und mit einem noch größeren prozentualen Anstieg der heißen Tage gerechnet werden. Der Vergleich mit dem Hitzesommer 2003 zeigt, dass dieses Jahr uns einen ersten Vorgeschmack auf das Klima der Zukunft geben kann. Falls die Emissionen so verlaufen, wie im Szenario A1B angenommen, wird daher ein Sommer wie 2003 spätestens zum Ende dieses Jahrhundert normal sein. Im Rahmen der natürlichen Jahr-zu-Jahr-Schwankungen treten aber auch besonders kalte oder warme Jahre auf, und praktisch nie genau mittlere Jahre. Wie viele heiße Tage ein besonders warmes Jahr unter diesen Bedingungen haben würde, können wir heute noch nicht absehen.

Bewertung

Zunächst ist darauf hinzuweisen, dass die gezeigten Ergebnisse für das Treibhausgas-Emissionsszenario A1B erstellt wurden. Darin wird angenommen, dass die Emissionen noch bis ca. Mitte des Jahrhunderts weiter ansteigen und danach leicht zurückgehen. Wenn die tatsächlichen Emissionen sich so weiter entwickeln wie derzeit (Stand 2013), dann muss mit noch stärkeren Klimaänderungen gerechnet werden als hier gezeigt sind. Wenn die Treibhausgasemissionen sehr schnell sehr stark zurückgehen, dann kann ein Teil der hier gezeigten Änderungen noch abgewendet werden.

Die Multi-Modell-Mittelwerte können als eine sehr plausible Abschätzung des zukünftigen Klimas unter dem genannten Emissionsszenario A1B angesehen werden. Die gezeigten Bandbreiten stellen mögliche Änderungen dar, die wir nach heutigem wissenschaftlichem Kenntnisstand jedoch ebenfalls nicht ausschließen können.

Die Anzahl der Sommertage (Höchsttemperatur über 25 °C) pro Jahr wird sich in Hessen voraussichtlich bis zum Ende dieses Jahrhunderts verdoppeln oder gar verdreifachen. Die Anzahl heißer Tage (Tageshöchsttemperatur über 30 °C) pro Jahr wird sich prozentual noch stärker ändern: voraussichtlich wird sie um mehr als 20 Tage pro Jahr gegenüber der Referenzperiode 1971–2000 ansteigen. Damit wird zum Ende dieses Jahrhunderts ein Hitzesommer, wie wir ihn im Jahr 2003 erlebt haben (damals traten im Mittel über ganz Hessen knapp 23 heiße Tage auf, d.h. ca. 17 Tage mehr als in der Referenzperiode), vermutlich der Normalfall sein.


© 2014 Hessisches Landesamt für Umwelt und Geologie