Geologie und Boden: Hydrogeologie

Trinkwasser- und Heilquellenschutzgebiete

Grundwässer müssen vor Verunreinigungen und sonstigen Beeinträchtigungen geschützt werden, da unser Trinkwasser zum ganz überwiegenden Teil aus dem Grundwasser stammt. Verunreinigungen des Grundwassers lassen sich nur mit einem hohen technischen Aufwand beseitigen. In den Einzugsgebieten von Wassergewinnungsanlagen sollten mögliche Kontaminationsquellen von vornherein nicht vorhanden sein, was durch die in den Festsetzungsverordnungen aufgeführten Auflagen und Verbote für das jeweilige Schutzgebiet erreicht werden soll. Die vielerorts hohen und z. T. weiterhin steigenden Nitrat-Konzentrationen im Grundwasser, überwiegend bedingt durch die intensive landwirtschaftliche Flächennutzung, zeigen beispielhaft, wie wichtig solche Verordnungen und deren Überwachung sind.

Ein Wasserschutzgebiet wird auf Antrag des Wasserversorgers vom zuständigen Regierungspräsidium durch Rechtsverordnung festgesetzt. Der Verfahrensgang ist durch Verwaltungsvorschriften geregelt, in denen eine listenhafte Aufführung von Gefahrenherden in den einzelnen Schutzzonen und die mögliche Beschränkung der landwirtschaftlichen Flächennutzung in dem Wasserschutzgebiet enthalten sind.

Trinkwasserschutzgebiete dienen dem qualitativen Schutz des genutzten Grundwassers. Heilquellenschutzgebiete dienen dem qualitativen und dem quantitativen Schutz.

Wasserschutzgebiete werden in verschiedene Zonen eingeteilt, die in ihrem Schutzgrad gestaffelt sind, d. h. vom Gewinnungsbereich eines Brunnens oder einer Quelle bis zur Grenze des Einzugsgebietes:

Fassungsbereich (Zone I): Die Zone I dient dem Schutz der unmittelbaren Umgebung der Gewinnungsanlage vor Verunreinigungen und sonstigen Beeinträchtigungen. Sie umfasst in der Regel bei einem Brunnen einen Bereich, der allseitig mindestens 10 m um die Fassungsanlage reicht.

Engere Schutzzone (Zone II): Die Zone II soll den Schutz des Grundwassers vor Verunreinigungen durch pathogene Mikroorganismen (z. B. Bakterien, Viren, Parasiten und Wurmeier) gewährleisten, die bei geringer Fließdauer und –strecke zu den Wassergewinnungsanlagen gefährlich sind. Daher soll die Zone II den Bereich der Umgebung der Wassergewinnungsanlagen abdecken, in dem das Grundwasser 50 Tage oder weniger bis zum Erreichen der Fassungen benötigt.

Weitere Schutzzone (Zone III): Die Zone III dient dem Schutz vor weitreichenden Beeinträchtigungen, insbesondere vor nicht oder schwer abbaubaren chemischen und radioaktiven Verunreinigungen. In der Regel umfasst die Zone III das gesamte Einzugsgebiet der Wassergewinnungsanlagen. Die weitere Schutzzone kann bei Wassergewinnungsanlagen mit sehr großen Einzugsgebieten nochmals unterteilt werden (IIIA und IIIB bei Trinkwasser- bzw. III/1 und III/2 bei Heilquellenschutzgebieten).

Quantitative Schutzzonen (Zone A und B): Diese Zonen dienen neben dem Erhalt des individuellen Charakters einer Heilquelle auch Ihrer Schüttung oder Ergiebigkeit.

Die Trinkwasser- und Heilquellenschutzgebiete werden mit Lage und Größe der Schutzzonen in einem geographischen Fachinformationssystem vorgehalten (siehe auch Karte). Dem unterschiedlichen Verfahrensstand von der Beantragung bis zur Festsetzung wird dabei Rechnung getragen.

Wichtig für Planungsmaßnahmen in Wasserschutzgebieten ist die Kenntnis über Lage und Größe des Wasserschutzgebietes und deren Zonen, weil in ihnen Nutzungseinschränkungen und Auflagen gelten. Davon ist auch die land- und forstwirtschaftliche Flächennutzung betroffen. Einschränkungen in Wasserschutzgebieten können jedoch Entschädigungs- und Ausgleichspflichten begründen.

Neben dem ordnungsrechtlichen Instrumentarium der Wasserschutzgebietsverordnungen stellt die Bildung von freiwilligen privatrechtlichen Kooperationen (Kooperationsvertrag) zwischen dem Wasserversorger und den im Wasserschutzgebiet wirtschaftenden Landwirten (Kooperationspartner) einen sinnvollen und anzustrebenden Lösungsansatz zur Realisierung einer grundwasserschonenden Landbewirtschaftung dar.

Die Wasserschutzgebiete und die dazugehörigen Informationen werden in Hessen mit dem Fachinformationssystem Gruschu der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt (siehe Karte). In der GruSchu finden sich weiterhin Recherchemöglichkeiten zu z. B. Grund- und Rohwasserdaten, Messstellen des Landesgrundwasserdienstes und Wassergewinnungsanlagen. Außerdem bestehen Informationsmöglichkeiten zu Standortbeurteilungen für die Errichtung von Erdwärmesonden und hydrogeologischen Räumen.

.
© Hessisches Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie