| Geologie und Boden: Hydrogeologie |
![]() Abb. 6. An vielen Orten werden Heil- und Thermalquellen zur Errichtung von Bädern genutzt, hier die Kurhessentherme in Kassel. |
Die Charakterisierung von Mineral- und Heilwässern erfolgt nach ihrer
chemischen Zusammensetzung. Je nach Herkunft sind die Haupt-Kationen Natrium,
Calcium, Kalium und/oder Magnesium, die Haupt-Anionen Chlorid, Hydrogencarbonat
und/oder Sulfat. Dargestellt wird dies durch kreisförmige Graphiken,
die sogenannten Udluft-Diagramme. Je höher der Anteil an einem der genannten
Elemente und Verbindungen ist, desto größer ist sein Kreisabschnitt.
Die Größe des Kreises steht für den Gesamtgehalt an gelösten
Stoffen. Über die Hauptbestandteile hinaus können weitere Stoffe
wie z.B. Eisen, Fluorid oder Kohlensäure zur Beschreibung eines Heil-
oder Mineralwassers herangezogen werden, wenn sie in einer bestimmten Konzentration
enthalten sind.
Heil- und Mineralwässer sind in Hessen nicht gleichmäßig verteilt
(siehe Karte). Ihr Auftreten ist an bestimmte
geologische Einheiten und tektonische Strukturen gebunden. Sie entstehen in
der Regel dort, wo versickerndes Niederschlagswasser in mehr oder minder großer
Tiefe auf Gesteine trifft, die einen Gehalt an wasserlöslichen Salzen
besitzen. Je nach Druck- und Temperaturbedingungen, Fließgeschwindigkeiten
des Grundwassers und Art der Gesteine kommt es dort zur Ausbildung einer spezifischen,
für das jeweilige Vorkommen typischen, Mineralwasserzusammensetzung.
Im weiteren Verlauf der Wasserbewegung kann es fortlaufend zu weiteren Veränderungen
der Beschaffenheit kommen.
In Hessen gibt es drei große Bildungsbereiche von Mineral- und Heilwässern:
die Gesteine des Zechsteins in Nordost- und Südost-Hessen und die tertiären
Gesteine des Oberrheingrabens. Von dort aus können diese meist Natrium-Chlorid-betonten
Wässer teilweise über größere Strecken fließen.
So wandern zum Beispiel Wässer des Oberrheingrabens nach Norden und Nordwesten
bis in das Rheinische Schiefergebirge, in dem selbst keine Mineralwässer
gebildet werden. Im Gegensatz zu den sich teilweise über weite Strecken
bewegenden Chlorid-Wässern sind an Kohlensäure reiche Wässer,
sogenannte Säuerlinge, meist regionale Bildungen. Das Auftreten der Säuerlinge
läßt sich häufig auf das Vorhandensein tertiärer Vulkanite
zurückführen.
4 Verband Deutscher Mineralbrunnen, Hg.: Verordnung über natürliches Mineralwasser, Quellwasser und Tafelwasser, 1.8.1984, Bonn.
5 Deutscher Bäderverband und Deutscher Fremdenverkehrsverband, Hg.: Begriffsbestimmungen für Kurorte, Erholungsorte und Heílbrunnen, 16.3.1991, Bonn.
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