Geologie und Boden: Hydrogeologie

Mineral- und Heilwässer

Mineralwässer sind Grundwässer von ursprünglicher Reinheit, die auf Grund ihres Gehaltes an gelösten festen (Salzen) oder gasförmigen Stoffen eine bestimmte ernährungsphysiologische Wirkung haben. Vorgegebene Mindestkonzentrationen gibt es dabei nicht, wenn die Wirkung durch ein wissenschaftlich anerkanntes Verfahren überprüft worden ist. Mineralwässer stammen aus einem "unterirdischen, vor Verunreinigungen geschützten Wasservorkommen [4]" und zeigen im Rahmen bestimmter Grenzen eine konstante Zusammensetzung und Temperatur. Die Gehalte an bestimmten unerwünschten Stoffen dürfen vorgegebene Grenzwerte nicht überschreiten. Überwacht werden die aufgezählten Punkte durch die Vergabe einer amtlichen Anerkennung.

Im Unterschied zu den Mineralwässern, die als Lebensmittel eingestuft werden, handelt es sich bei Heilwässern um Arzneimittel. Heilwässer müssen eine Mindestkonzentration an bestimmten Stoffen enthalten oder ihre therapeutische Wirkung muß durch ein klinisches Gutachten nachgewiesen werden. Wie bei den Mineralwässern wird die Qualität der Heilwässer kontinuierlich überwacht. Sie benötigen eine staatliche Anerkennung [5].

Wässer, deren Temperatur von Natur aus am Austrittsort mehr als 20°C beträgt, werden unabhängig vom Salzgehalt als Thermen oder Thermalwässer bezeichnet. Allgemein läßt sich sagen, daß Wässer um so wärmer sind, je tiefer ihr Entstehungsort liegt.


Abb. 6. An vielen Orten werden Heil- und Thermalquellen zur Errichtung von Bädern genutzt, hier die Kurhessentherme in Kassel.

Die Charakterisierung von Mineral- und Heilwässern erfolgt nach ihrer chemischen Zusammensetzung. Je nach Herkunft sind die Haupt-Kationen Natrium, Calcium, Kalium und/oder Magnesium, die Haupt-Anionen Chlorid, Hydrogencarbonat und/oder Sulfat. Dargestellt wird dies durch kreisförmige Graphiken, die sogenannten Udluft-Diagramme. Je höher der Anteil an einem der genannten Elemente und Verbindungen ist, desto größer ist sein Kreisabschnitt. Die Größe des Kreises steht für den Gesamtgehalt an gelösten Stoffen. Über die Hauptbestandteile hinaus können weitere Stoffe wie z.B. Eisen, Fluorid oder Kohlensäure zur Beschreibung eines Heil- oder Mineralwassers herangezogen werden, wenn sie in einer bestimmten Konzentration enthalten sind.

Heil- und Mineralwässer sind in Hessen nicht gleichmäßig verteilt (siehe Karte). Ihr Auftreten ist an bestimmte geologische Einheiten und tektonische Strukturen gebunden. Sie entstehen in der Regel dort, wo versickerndes Niederschlagswasser in mehr oder minder großer Tiefe auf Gesteine trifft, die einen Gehalt an wasserlöslichen Salzen besitzen. Je nach Druck- und Temperaturbedingungen, Fließgeschwindigkeiten des Grundwassers und Art der Gesteine kommt es dort zur Ausbildung einer spezifischen, für das jeweilige Vorkommen typischen, Mineralwasserzusammensetzung. Im weiteren Verlauf der Wasserbewegung kann es fortlaufend zu weiteren Veränderungen der Beschaffenheit kommen.

In Hessen gibt es drei große Bildungsbereiche von Mineral- und Heilwässern: die Gesteine des Zechsteins in Nordost- und Südost-Hessen und die tertiären Gesteine des Oberrheingrabens. Von dort aus können diese meist Natrium-Chlorid-betonten Wässer teilweise über größere Strecken fließen. So wandern zum Beispiel Wässer des Oberrheingrabens nach Norden und Nordwesten bis in das Rheinische Schiefergebirge, in dem selbst keine Mineralwässer gebildet werden. Im Gegensatz zu den sich teilweise über weite Strecken bewegenden Chlorid-Wässern sind an Kohlensäure reiche Wässer, sogenannte Säuerlinge, meist regionale Bildungen. Das Auftreten der Säuerlinge läßt sich häufig auf das Vorhandensein tertiärer Vulkanite zurückführen.


4 Verband Deutscher Mineralbrunnen, Hg.: Verordnung über natürliches Mineralwasser, Quellwasser und Tafelwasser, 1.8.1984, Bonn.

5 Deutscher Bäderverband und Deutscher Fremdenverkehrsverband, Hg.: Begriffsbestimmungen für Kurorte, Erholungsorte und Heílbrunnen, 16.3.1991, Bonn.

 


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