Geologie und Boden: Hydrogeologie

Verschmutzungsempfindlichkeit des Grundwassers

Die Bewertung der Verschmutzungsempfindlichkeit des Grundwassers hängt von der Mächtigkeit und der Ausbildung der grundwasserüberdeckenden Schichten, ihrer Durchlässigkeit, der Durchlässigkeit des Grundwasserleiters, der Höhe der Grundwasserneubildung, der mikrobiellen Aktivität, klimatischen Faktoren, der Sorptionskapazitäten sowie einer Vielzahl anderer Parameter ab (Abb. 5). Die Kartendarstellung beruht also nicht auf einer einzelnen messbaren Größe.

Die Darstellung berücksichtigt nicht die Art eines Verschmutzungsstoffes und dessen physikalische und physikochemische Eigenschaften sowie seine Abbaubarkeit, die sich in verschiedener Wasserlöslichkeit, unterschiedlichem Sorptionsverhalten, biologischer und chemischer Abbaubarkeit im Boden zum Teil stark unterscheidet. Ganz allgemein gilt jedoch für alle Stoffe, dass mit zunehmender Deckschichtenmächtigkeit und abnehmender Durchlässigkeit die Verschmutzungsempfindlichkeit geringer wird.


Abb. 5. Bei der Ermittlung der Schutzfunktion der Grundwasserüberdeckung sind eine Reihe von Faktoren zu berücksichtigen.

Die Karte bewertet außerdem nur die großflächig anstehenden Gesteinseinheiten und untergliedert sie in Stufen der Verschmutzungsempfindlichkeit. Die Einteilung beruht auf praktischer Erfahrung und der Kenntnis der physikalischen Eigenschaften der anstehenden Gesteine. Die Beschaffenheit der Böden (im bodenkundlichen Sinne) ist berücksichtigt, so dass hier das Reinigungsvermögen der anstehenden Gesteine und die Bodenpassage beurteilt werden.

Der Bewertungsansatz ist im "Konzept zur Ermittlung der Schutzfunktion der Grundwasserüberdeckenden Schichten" [3] beschrieben (Abb. 5). Dort wird versucht die wichtigsten Einflussgrößen zu erfassen und objektiv zu bewerten. In die Bewertung gehen dabei ein die nutzbare Feldkapazität (abgeleitet aus der Bodenkarte), die Sickerwassermenge, die Gesteinsart und die Mächtigkeit der Grundwasserüberdeckung. Schwebende Grundwasserstockwerke sowie unterschiedliche Druckverhältnisse können berücksichtigt werden.

Zur Beurteilung von großflächigen Veränderungen in qualitativen Grundwasserfragen können die Informationen der Verschmutzungsempfindlichkeit mit den Einzugsgebieten oder den Trinkwasserschutzgebieten verschnitten werden. Zur Planung von Siedlungsgebieten oder industriellen Anlagen sind diese Karten zusammen mit Karten der Grundwasserergiebigkeit als Grundlage zu verwenden.


3 Hölting, B., Haertlé, T., Hohberger,K.-H., Nachtigall,K.H., Villinger, E., Weinzierl, W. & Wrobel, J.-P. (1995): Konzept zu Ermittlung der Schutzfunktion der Grundwasserüberdeckung. - Geol. Jb. C 63:5-24, Hannover.


© 2009 Hessisches Landesamt für Umwelt und Geologie