Definition: Die Übersichtskarte
zu den geologischen Strukturräumen von Hessen grenzt Gebiete auf der Erdoberfläche
voneinander ab, die einheitliche stratigraphische, petrographische oder strukturgeologische
Eigenschaften aufweisen, und zwar im Zielmaßstab 1:300 000.
Die Landesfläche von Hessen und ihr geologischer Untergrund ist für
die Übersichtskarte der geologischen Strukturräume in verschiedene
Gebiete untergliedert worden. Grundlage dieser Differenzierung sind die stratigraphischen,
petrographischen und strukturgeologischen Unterschiede der Gesteinsabfolgen bzw.
der geologischen Einheiten. Als Folge der Untergliederung ergeben sich die geologischen
Strukturräume von Hessen. Die bisherige Praxis, geographische, bodenkundliche
und hydrogeologische Raumeinheiten miteinander zu vermengen, um den geologischen
Untergrund einem dieser Gebietsbegriffe zuzuordnen, hat sich als nicht zweckmäßig
erwiesen, da die einzelnen Fachrichtungen die Fläche Hessens nach ganz
unterschiedlichen Kriterien untergliedern.
Die vorliegende strukturgeologische Untergliederung erfolgt in mehreren Hierarchieebenen.
In der ersten Ebene werden die Großräume nach erdgeschichtlichen,
also stratigraphischen Gesichtspunkten voneinander abgetrennt. Die ältesten
Gesteine sind aus der Zeit des Erdaltertums, des Paläozoikums, eine Zeitepoche
jünger sind die Gesteine aus der Zeit des Erdmittelalters, des Mesozoikums,
und die jüngsten Gesteinseinheiten entstanden während der jetzigen
Zeitepoche in der Erdneuzeit, dem Känozoikum. In der zweiten bis vierten
Hierarchieebene sind die Großräume weiter untergliedert. Dies führt
zu lokalen Abgrenzungen, die auf Grund der Eigenschaften des geologischen Untergrundes
und der erdgeschichtlichen Entwicklungsgeschichte homogene Einheiten darstellen
und sich von ihren Nachbarregionen abgrenzen.
Strukturraum mit Gesteinen aus dem Paläozoikum:
Paläozoische Gesteinsschichten sind in Hessen weit verbreitet. Das größte
zusammenhängende Gebiet bildet das Rheinische Schiefergebirge, daneben
gibt es inmitten jüngerer Schichten lokale Vorkommen paläozoischer
Gesteine, als „Paläozoische Aufbrüche“ bezeichnet,
sowie die Kristallin-Gebiete des Odenwaldes und des Spessarts. Diese
Strukturräume
zeichnen sich dadurch aus, dass die Gesteine noch während des Paläozoikums
eine Gebirgsbildungsphase durchlaufen haben. Sie sind daher deformiert,
gefaltet,
geschiefert und an tektonischen Grenzen gegeneinander versetzt bzw. metamorph
überprägt worden (Abb. 1).
Abb. 1: Gefaltete Kieselschiefer des Unterkarbons, Rheinisches
Schiefergebirge, Ostsauerländer Sattel, nordwestlich von Korbach |
Die Sedimentgesteine des Perms, des jüngsten Paläozoikums, wurden dagegen
von keiner Gebirgsbildung erfasst und sind vor allem in den Randbereichen des
Rheinischen Schiefergebirges bzw. den Paläozoischen Aufbrüchen verbreitet
(Abb. 2).
Abb.
2: Kalksteine des Oberperms (Zechsteins), Waldecker Scholle südlich
von Korbach |
Strukturraum mit Gesteinen aus dem Mesozoikum: Bis zu einem
Drittel der Landesfläche
von Hessen werden von Gesteinen aus der Zeit des Erdmittelalters aufgebaut. Vor
allem in Nord- und Osthessen sind diese Gesteine verbreitet. Das Mesozoische
Gebirge
besteht in Hessen im Wesentlichen aus den überwiegend rötlichen Sandsteinen
und Tonsteinen des Buntsandsteins (Abb. 3) sowie den hellgrauen Kalksteinen des
Muschelkalkes. Die Gesteine des Keupers, des Juras und der Kreide sind in Hessen
nur sehr untergeordnet an der Erdoberfläche erhalten geblieben.
Abb.
3: Sandstein des Buntsandsteins, Steinbruch Niemeyer bei Bad Karlshafen,
Ober-Weser Scholle |
Strukturraum mit Gesteinen aus dem Känozoikum: Die jüngsten
Gesteinseinheiten aus der Erdneuzeit sind in Hessen vor allem im Bereich des
Oberrheingrabens und
der Niederhessischen Tertiärsenke in Nordhessen verbreitet. Die Gesteine
setzen sich vorwiegend aus tertiär- und quartärzeitlichen Tonen, Sanden,
Kiesen und Kalksteinen zusammen, die als Rohstoffe große Bedeutung für
die hessische Steine und Erden-Industrie haben (Abb. 4).
Abb.
4: Kiesgrube Weilbach, östlich von Wiesbaden mit quartärzeitlichen
Flusssedimenten des Mains, Nördlicher Oberrhein |
Neben dem größten zusammenhängenden Vulkangebiet Europas, dem
Vogelsberg, sind tertiärzeitliche vulkanische Gesteine auch in den Vulkangebieten
des Westerwaldes, des Habichtswaldes und der Rhön weit verbreitet (Abb.
5).
Abb.
5: Basaltsäulen der Igelsburg bei Dörnberg, westlich von Kassel,
Vulkangebiet Habichtswald |