Geologie und Boden: Geologie

Abb. 12. Kirchenportal mit Buntsandstein-Säulen und Portaldach aus Dachschiefer; Treppe aus Basalt. Kirche St. Michael in Freigericht-Horbach
(Main-Kinzig-Kreis)

Naturwerksteine

Als Naturwerksteine werden natürliche Festgesteine bezeichnet, die durch Bearbeitung (z.B. spalten, behauen, sägen, fräsen, schleifen) in eine präzise dimensionierte und maßgerechte Form gebracht und überwiegend im Bau- und Monumentbereich (z.B. Fassaden, Bodenbelag, Grabsteine) verwendet werden.

Hessen besitzt aufgrund seiner geologischen Vielfalt ein großes Potenzial an Vorkommen unterschiedlicher Naturwerksteine, deren Nutzung in den letzten Jahrzehnten durch billigere Importe stark an Bedeutung verloren hat, so dass Naturwerksteine heute nurmehr an wenigen Stellen gewonnen werden (siehe Karte).

Tiefengesteine (Granite, Granodiorite, Diorite und Gabbros) zeichnen sich durch eine gute bis sehr gute Verwitterungsbeständigkeit aus und waren aufgrund der guten Polierfähigkeit über viele Jahrzehnte hinweg als Grabmal- und Fassadengesteine sehr beliebt. Im Odenwald hatte sich bereits in römischer Zeit (auf dem Felsberg bei Reichenbach) eine Werksteingewinnung etabliert. Ende des 19. Jahrhunderts galt der Odenwald als eines der Zentren der deutschen Naturwerksteinverarbeitung.

Ergussgesteine (Basalte, "Diabase" und Pikrite) sind im Rheinischen Schiefergebirge, Vogelsberg, Westerwald, Knüllgebirge und Habichtswald verbreitet. Mit Ausnahme des Habichtswald-Lapillituffs und des Michelnauer Schlackenagglomerats sind die Gesteine polierfähig und besitzen eine gute bis sehr gute Verwitterungsresistenz. Die Londorfer Basaltlava bei Gießen dient u.a. seit den fünfziger Jahren als Austauschbaustein für den Kölner Dom.

Gangquarze werden noch in einigen Kleinstabbauen bei Lautertal-Reichenbach ("Odenwaldquarz") gewonnen und überwiegend zu Grabsteinen verarbeitet.

Von den klastischen Sedimentgesteinen sind vor allem Sandsteine geschätzt, da sie leicht gewinn- und bearbeitbar sind. In Nordhessen bekannte Varietäten sind der weiße Wrexener und der gelbe Züschener Sandstein sowie der grünliche, rötliche bis bräunliche Rote Wesersandstein. Der Odenwälder Buntsandstein wird ebenfalls gerne eingesetzt.

Abb. 13. Einige Schichten des Buntsandsteins, wie der Bausandstein des Unteren Bundsandsteines in einem Steinbruch bei Marburg, lassen sich gut skulpturieren.

Die Gewinnung von sog. Lahnmarmor, der im geologischen Sinne allerdings ein devonischer Riffkalkstein ist (als Marmor wird ein durch höhere Drucke und Temperaturen überformter Kalkstein bezeichnet), hatte in der Vergangenheit große Bedeutung. Aus den Steinbrüchen von Villmar und Schupbach stammende Varietäten wurden unter verschiedenen Handelsnamen (z.B. Famosa, Goldader, Korallenfels, Unica) in alle Welt verschifft und als Gebäudeverkleidung im Innen- und Außenbereich eingesetzt.

Früher von herausragender Bedeutung war die Gewinnung von Dachschiefer, der noch das Erscheinungsbild vieler Orte im Rheinischen Schiefergebirge prägt. Im hessischen Anteil des Rheinischen Schiefergebirges ist der Abbau erst vor wenigen Jahren eingestellt worden.


 

 


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