Geologie und Boden: Geologie

Erdbeben

Die Karte zeigt die Verteilung der seit ca. 1000 n. Chr. in Hessen beobachteten Erdbeben und ist dem Erdbebenkatalog für Deutschland [7] entnommen, der von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe in Hannover laufend digital fortgeschrieben wird. Als Stärkemaßstab sind einheitlich Epizentralintensitäten gewählt, das sind die jeweils maximalen, beobachteten Erdbebenwirkungen. Intensität IV bedeutet dabei allgemeine Fühlbarkeit, ab VII ist bei strukturell guten Gebäuden mit leichten Schäden zu rechnen. Die heute weithin üblichen Magnituden nach der sog. Richter-Skala, ein Maß für die Bebenstärke im Herd, können nur für die instrumentell beobachteten Beben der jüngsten Vergangenheit exakt angegeben werden. In etwa gilt folgender Zusammenhang für die in Hessen typischen Herdtiefen von ca. 10 km:

Epizentralintensität I0 (MSK)
Magnitude nach Richter
IV (weitgehend gefühlt)
3,0
V (aufweckend, allgemein gefühlt)
3,6
VI (erschreckend)
4,2
VII (Risse an guten Gebäuden, starke Schäden an schlechten)
4,9


Die Erdbebenaktivität konzentriert sich vor allem auf Südhessen. Zahlreiche schwache Ereignisse aus diesem Raum werden an der Erdbebenstation am Feldberg/Taunus aufgezeichnet, daneben erinnern aber auch immer wieder schwach fühlbare Beben daran, dass Oberrheingraben und Taunus tektonisch noch nicht völlig zur Ruhe gekommen sind. Die Abb. 16 zeigt das Beispiel eines an der Station Feldberg/Taunus aufgezeichneten Bebens in der Idsteiner Senke vom 29.11.1997.

Die seismische Aktivität im Oberrheingraben ist nicht auf die Grabenrandstörungen beschränkt, sondern füllt den gesamten Graben aus. Herausragend war in dieser Region der Erdbebenschwarm von Groß-Gerau von 1869 bis 1871, als etwa 2000, meist schwache, Erdstöße beobachtet wurden.

Im Taunus, mit einer Betonung auf dem Südrand und entlang des Mittelrheintals, wird eine weitere Erdbebenhäufung festgestellt. Daneben treten tektonische Erdbeben nur noch sehr selten und schwach im Fuldatal auf.

Die Aktivität im Nordosten, mit mehreren Ereignissen der Intensität VI und größer, ist an den Kalibergbau gebunden. Dabei handelt es sich allerdings nicht um tektonische Beben, sondern um abbaubedingte Einsturzbeben in Kaligruben, wie beispielsweise den Gebirgsschlag vom 13.3.1989 in der Kaligrube Ernst-Thälmann im Kreis Bad Salzungen in Thüringen .

Geologisch gesehen ist die Erdbebenaktivität eine Folge des Wechselspiels zwischen dem aus der Kollision von afrikanischer und europäischer Platte resultierenden Spannungsfeld und alten Bruchstrukturen.

Die Verteilung der historisch beobachteten Erdbeben vermittelt ein anschauliches Bild vom Erdbebenrisiko eines Gebiets. Mit Hilfe moderner instrumenteller Beobachtungen kann dieses Risiko präzisiert werden.


Abb. 16. Seismogramm eines Erdbebens bei Idstein, aufgezeichnet am 29.11.1997 an der Erdbebenstation TNS (Kleiner Feldberg).



7 Leydecker, G. (1986): Erdbebenkatalog für die Bundesrepublik Deutschland mit Randgebieten für die Jahre 1900-1981.-Geol.Jb. E 36; Hannover

 


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