| Allgemeine Daten: Flächennutzung |
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In der öffentlichen Diskussion nimmt die Nutzung der Bodenflächen einen breiten Raum ein. Dabei war sie in der Vergangenheit beispiellosen Änderungen unterworfen. Die Verwendung möglichst aller geeigneter Bodenflächen zur Nahrungsmittelerzeugung hat ihre beherrschende Stellung verloren, und es haben sich, regional unterschiedlich, zwei ungleiche Entwicklungen herauskristallisiert. Einerseits stehen in hohem Ausmaß landwirtschaftliche Flächen außerhalb der betrieblichen Nutzung im Sinne der Agrarstatistik zur Verfügung bzw. fielen brach, auf der anderen Seite bestand und besteht in den hessischen Ballungsgebieten ein hoher Bedarf an Bodenfläche. Seitens der Politik wurde auf diese Fragestellungen mit unterschiedlichen Instrumenten geantwortet. Dazu gehören u. a. die Landschaftspflege in ländlichen Gebieten wie auch Kompensationsmaßnahmen in den Verdichtungsgebieten aufgrund des Flächenverbrauchs.
Die Flächenerhebung nach Art der tatsächlichen Nutzung wurde erstmals 1979 durchgeführt. Von 1981 bis 2009 fand sie im vierjährlichen Turnus statt. Mit dem Berichtsjahr 2009 begann schließlich die jährliche Erfassung der Flächennutzung. In dieser als Sekundärstatistik durchgeführten Erhebung erfolgt die Lieferung der Daten ausschließlich durch das Hessische Landesamt für Bodenmanagement und Geoinformation auf der Grundlage des Liegenschaftskatasters (jeweils zum Stand 31.12. des Vorjahres). Für den Flächennachweis ist das Belegenheitsprinzip maßgebend, d. h. die Flächen werden jeweils in den Gemeinden nachgewiesen, in deren Gemarkungen sie tatsächlich liegen. Die Nutzungsartenbezeichnungen entsprechen dem von der Arbeitsgemeinschaft der Vermessungsverwaltungen der Länder (AdV) erstellten Nutzungsartenkatalog. Darin werden folgende Nutzungsartengruppen unterschieden (100er-Positionen des AdV-Nutzungsartenschlüssels):
• 100/200 Gebäude und Freifläche
• 300 Betriebsfläche
• 400 Erholungsfläche
• 500 Verkehrsfläche
• 600 Landwirtschaftsfläche
• 700 Waldfläche
• 800 Wasserfläche
• 900 Flächen anderer NutzungJede Nutzungsartengruppe kann in weitere Nutzungsarten (10er- bzw. teilweise 1er-Positionen) untergliedert werden. Bebaute Flächen sowie die ihnen untergeordneten Freiflächen werden in der Regel der Nutzungsartengruppe 100/200 Gebäude und Freifläche nachgewiesen. Alle weiteren Nutzungsartengruppen enthalten unbebaute Flächen. Dabei zählen Verkehrswege, wie Straßen oder Eisenbahnstrecken im Sinne des AdV-Nutzungsartenverzeichnisses zu den unbebauten Flächen. D. h., dass sich aus dem Nutzungsartennachweis nicht die „versiegelte Fläche“ ableiten lässt, da bebaute Flächen auch immer einen Anteil von unbebauten Grün- und Freiflächen enthalten.
Zusätzlich zu den im AdV-Nutzungsartenverzeichnis nachgewiesenen Bodennutzungsarten wird seit der Flächenerhebung 1989 die Summenposition Siedlungs- und Verkehrsfläche ermittelt. Sie setzt sich aus den Nutzungsarten Gebäude- und Freifläche, Betriebsfläche ohne Abbauland, Erholungsfläche, Verkehrsfläche und Friedhofsfläche zusammen. Technische Voraussetzung dafür ist vor allem die zunehmende bundeseinheitliche Verwendung des „Automatisierten Liegenschaftsbuches“ (ALB) seitens der Katasterämter bzw. das seit 2010 im Einsatz befindliche Amtliche Liegenschaftskatasterinformationssystem - ALKIS®.
In der im Jahr 2010 durchgeführten Flächenerhebung nach Art der tatsächlichen Nutzung wurden von den 2,11 Mill. ha Landesfläche rund 890 000 ha Landwirtschaftsfläche (43 %), 848 000 ha Waldfläche (40 %) sowie 326 000 ha Siedlungs- und Verkehrsfläche (15 %) ermittelt. Die verbleibenden 47 000 ha (2 %) Landesfläche teilten sich in Wasserflächen, Abbauland, Öd- und Unland, Übungsgelände u. Ä. auf. Der flächenmäßig größte Verwaltungsbezirk in Hessen ist der Landkreis Waldeck-Frankenberg mit knapp 185 000 ha, der flächenmäßig kleinste Verwaltungsbezirk ist die Stadt Offenbach am Main mit knapp 4500 ha.
![]() Abb. 1: Flächennutzung 2010 nach Verwaltungsbezirken und Nutzungsarten |
Die gegenüber der Erhebung des Jahres 2005 erkennbare Ausdehnung der Siedlungs- und Verkehrsfläche um 6500 ha auf 326 000 ha war vor allem auf die Zunahme der Gebäude- und Freiflächen mit einem Zuwachs um 3900 ha auf nunmehr 159 000 ha zurückzuführen, während die Verkehrsfläche (siehe Karte) um gut 800 ha auf 140 000 ha anstieg. Die verbleibenden 27 000 ha teilten sich in 20 000 ha Erholungsflächen, 4300 ha Betriebsflächen (ohne Abbauland) und 2500 ha Friedhofsflächen auf.
Innerhalb der gesamten Position „Gebäude- und Freifläche“ mit 159 000 ha nahm die Wohnfläche mit gut 50 % oder 81 000 ha die größte Teilfläche ein. Es folgten Gebäude- und Freiflächen für Gewerbe und Industrie mit 17 000 ha sowie Gebäude- und Freiflächen für die Land- und Forstwirtschaft mit 15 000 ha. Weitere wichtige Unterpositionen dieser Nutzungsart waren die Gebäude- und Freiflächen für öffentliche Zwecke sowie für Handel und Dienstleistungen.
Der Anteil der Siedlungs- und Verkehrsfläche war dabei in den kreisfreien Städten am höchsten. Hier wurde im Jahr 2005 durchschnittlich ein Anteil von gut 48 % ermittelt, während dieser in den Landkreisen 14,3 % bzw. im Landesdurchschnitt 15,4 % betrug. Diese Aussage gilt analog auch für die Aufteilung der Siedlungs- und Verkehrsfläche in die Einzelpositionen. So findet sich in den kreisfreien Städten mit hoher Besiedlungsdichte der größte Anteil an ausgewiesenen Erholungsflächen (6,6 %), die wiederum zum großen Teil aus Grünflächen (5,3 %) bestehen. Insgesamt gab es in Hessen acht Verwaltungsbezirke auf Kommunalebene mit mehr als 5 % Erholungsfläche, wobei die documenta-Stadt Kassel mit fast 11 % ihrer Bodenfläche den Bürgern die insgesamt größten Erholungsflächen bieten konnte. Die anderen sieben Verwaltungsbezirke (3 kreisfreie Städte und 4 Gemeinden) befanden sich im Regierungsbezirk Darmstadt.
Abb. 2: Anteil der Siedlungs- und Verkehrsfläche an der Gesamtfläche 2010 nach Verwaltungsbezirken in Rangfolge
Über vier Fünftel der hessischen Landesfläche waren Landwirtschafts- und Waldflächen. Dabei entwickelten sich diese beiden Positionen im Zeitablauf recht unterschiedlich. Die Landwirtschaftsfläche nahm im Zeitraum 1981—2010 um knapp 87 000 ha ab. Zur plastischen Darstellung dieser Größenordnung: Der gesamte Landkreis Waldeck-Frankenberg besaß im Jahr 2010 eine Landwirtschaftsfläche von gut 78 000 ha. Bezogen auf die momentane durchschnittliche hessische Betriebsgröße von gut 43 ha landwirtschaftlich genutzter Fläche (LF) wurde mit diesem Flächenverlust theoretisch gut 2000 Betrieben die Produktionsgrundlage entzogen. Mit 67 % oder 593 000 ha der Landwirtschaftsfläche waren Ackerland, gefolgt von Grünland (32 % oder 282 000 ha ) die beherrschenden Nutzungsarten. Darüber hinaus gab es 9300 ha Gartenland und ca. 3800 ha Weingärten. Entsprechend den naturräumlichen Gegebenheiten differiert der Anteil der Landwirtschaftsfläche stark. Er dominiert in den traditionellen Ackerbaugebieten der Wetterau, des Limburger und Amöneburger Beckens sowie der Niederhessischen Senke. Insgesamt gab es in Hessen 13 Gemeinden mit einem Anteil von mehr als 70 % Landwirtschaftsfläche an der Bodenfläche. Darunter waren 4 Gemeinden, die der Wetterau zuzuordnen sind und 5 Gemeinden aus dem Landkreis Kassel. Einen hohen Anteil landwirtschaftlicher Flächen gibt es darüber hinaus noch im Hessischen Ried, einem Gemüseanbaugebiet. So gut wie keine landwirtschaftlichen Flächen gab es in den Städten Raunheim, Neu-Isenburg und Hirschhorn am Neckar.
Vergleicht man die Karte der landwirtschaftlichen Fläche mit der Karte der Waldfläche, so stellt man fest, dass diese fast invers sind.
Dass die Karte "Landwirtschaftsfläche" nicht identisch ist mit der Karte "Ertragspotenzial des Bodens" (vgl. Abschnitt Geologie und Boden) liegt daran, dass - historisch gewachsen - in landwirtschaftlichen Gunstlagen schon immer eine stärkere Siedlungsaktivität stattfand als in anderen Regionen. Es ist daher auch in anderen Bundesländern zu beobachten, dass Böden mit hohem Ertragspotenzial stark besiedelt sind und somit nicht mehr als Landwirtschaftsfläche zur Verfügung stehen.
Gegenüber der Landwirtschaftsfläche nahm die Waldfläche im Zeitraum 1981—2010 um gut 14 000 ha zu. Sie setzte sich überwiegend aus Mischwald (58 %) zusammen. Es folgten Laubwälder (24 %) und Nadelwald (17 %). Das verbliebene 1 % bestand aus Gehölzen. Obwohl Hessen eines der relativ waldreichsten Länder der Bundesrepublik ist, hatten nur drei Landkreise, nämlich der Odenwaldkreis, der Rheingau-Taunus-Kreis sowie der Hochtaunuskreis einen über 50%igen Waldanteil, absolut gesehen besaßen die Landkreise Waldeck-Frankenberg, Main-Kinzig-Kreis und der Vogelsbergkreis die meisten Waldflächen. In den Gemeinden Kriftel und Hochheim am Main gab es keinerlei Wald und 89 Gemeinden hatten einen über 50%igen Waldanteil. Große zusammenhängende Waldgebiete gibt es vor allem in den Mittelgebirgslagen Hessens wie z. B. der Kellerwald, Odenwald, Spessart oder die hessischen Teile des Sauerlandes und des Westerwaldes. Eine Besonderheit in der Flächennutzung Hessens sind die vier sogenannten gemeindefreien Gebiete, nämlich die Gutsbezirke Rheinhardswald, Kaufunger Wald sowie Spessart und das gemeindefreie Gebiet Michelbuch im Odenwald. Hier beträgt der Anteil der Waldflächen über 96 %. Gleichfalls gibt es in diesen Gebieten keine Gebäude- und Freiflächen und die Anteile der Verkehrsflächen liegen unter einem Prozent der Flächennutzung.
Das Land Hessen startete im April 2010 die Nachhaltigkeitsstrategie Hessen. In diesem Zusammenhang wird angestrebt, die künftige Flächeninanspruchnahme einzudämmen. Demnach soll die Zunahme der Siedlungs- und Verkehrsfläche bis 2020 schrittweise auf 2,5 ha pro Tag zurückgeführt werden und danach diesen Zielwert nicht überschreiten. Im Zeitraum 2006—2009 betrug die Flächeninanspruchnahme noch 3,6 ha pro Tag. Unter Beteiligung von Planungsinstitutionen, Verbänden und wichtigen Akteuren, darunter v. a. die Kommunen, werden Maßnahmen eingeleitet, die geeignet sind, die Erreichung dieses Minderungsziels für die Flächeninanspruchnahme zu unterstützen
Weitergehende Informationen, insbesondere in tiefer regionaler Gliederung sind im Statistischen Bericht „Flächenerhebung in Hessen zum 31.12.2009 — tatsächliche Nutzung; Kennziffer C I 2 – j/09„ veröffentlicht. Diese Publikation und weitere Statistische Berichte aus dem Bereich "Landwirtschaft" stehen unter www.statistik-hessen.de zum kostenfreien Download zur Verfügung. Gemeindedaten können darüber hinaus aus der Gemeindedatenbank des Hessischen Statistischen Landesamtes abgerufen werden.
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