Allgemeine Daten: Bevölkerung

Die Bevölkerung in Hessen

Allgemeines

Bevölkerungszahlen sind Fortschreibungsergebnisse, die auf den bei der Volkszählung 1987 ermittelten Bevölkerungszahlen basieren. Sie werden durch Auswertung der Standesamtszählkarten für Geburten und Sterbefälle sowie der Meldescheine der Meldebehörden über Zu- und Fortzüge festgestellt. Die Bevölkerungsentwicklung des Landes Hessen wird, wie auch die anderer Bundesländer, fast ausschließlich vom Wanderungsgeschehen, d. h. von der Entwicklung der Zu- und Fortzüge, geprägt. Die natürliche Bevölkerungsbewegung, das sind Geburten und Sterbefälle, beeinflusst die Bevölkerung des Landes seit den 70er-Jahren in seiner Gesamtheit negativ.

Hessen im Vergleich

Das Bundesland Hessen zählte Ende 2009 annähernd 6,1 Millionen Einwohner und liegt, bezogen auf die Bevölkerungszahl, an fünfter Stelle unter den Bundesländern. Mit 21 000 km2 nimmt es rund 6 % des Gebietes der Bundesrepublik Deutschland ein und belegt, gemessen an der Fläche, den siebten Platz unter den Bundesländern. Die Bevölkerungsdichte beträgt 288 Personen je km2. Damit nimmt Hessen unter den Flächenstaaten hinter Nordrhein-Westfalen, dem Saarland und Baden-Württemberg, den 4. Rang ein.

Wo wohnt der Hesse?

Ende 2009 lebten gut drei Fünftel der Bevölkerung im Süden Hessens, rund ein Fünftel war in Mittelhessen ansässig, und ein weiteres gutes Fünftel wohnte im Norden des Landes. Differenzierter stellt sich die Bevölkerungsverteilung auf der Ebene der Gemeinden dar:Rund jeder vierte Bürger lebte in einer der 5 hessischen kreisfreien Städte (mit 100 000 oder mehr Einwohnern). 29 % der Hessen wohnten in den 54 Städten mit 20 000 bis unter 100 000 Einwohnern, und rund die Hälfte der Bevölkerung des Landes lebte in den 367 Kommunen mit weniger als 20 000 Einwohnern. Fast jeder vierte Hesse wohnte in einer der 107 Städte und Gemeinden mit 10 000 bis unter 20 000 Einwohnern, 17 % lebten in einer der 143 Kommunen mit 5000 bis unter 10 000 Einwohnern, und 7 % der hessischen Bevölkerung waren in einer der 117 Gemeinden mit weniger als 5000 Personen ansässig.

Die Großstädte befinden sich überwiegend im südlich gelegenen Rhein-Main-Gebiet: Frankfurt am Main, Wiesbaden, Darmstadt sowie Offenbach am Main. Drei der insgesamt sieben hessischen Städte mit 50 000 bis unter 100 000 Einwohnern, und zwar Hanau, Rüsselsheim und Bad Homburg v. d. H. sowie die meisten Kommunen mit 20 000 bis unter 50 000 Einwohnern liegen ebenfalls im Süden. In Mittelhessen befinden sich die weiteren vier Städte mit Einwohnerzahlen zwischen 50 000 und unter 100 000, nämlich Marburg, Gießen, Fulda und Wetzlar. Die übrigen Gemeinden dieser Region weisen mittlere bzw. geringe Bevölkerungszahlen auf. Der Norden Hessens ist mit Ausnahme seines Zentrums, der kreisfreien Stadt Kassel, ebenfalls zumeist kleinstädtisch bis ländlich strukturiert.

Bevölkerungsentwicklung

Die Bevölkerung Hessens ist seit der Staatsgründung im Jahr 1945 um gut 2 Millionen gewachsen. Die Entwicklung verlief nicht kontinuierlich, sondern unterlag als Folge der jeweiligen politischen und ökonomischen Rahmenbedingungen starken Schwankungen. So wurde die Entwicklung zu Ende der 80er und Beginn der 90-Jahre gekennzeichnet durch die Öffnung der Grenzen zu Osteuropa und den Fall der innerdeutschen Grenze. Ein in Deutschland seit den Nachkriegsjahren nicht mehr beobachtetes Wanderungsvolumen setzte ein, das sich auch auf die regionalen Bevölkerungsstände in Hessen ausgewirkt hat. Diesen ungewöhnlich hohen Zuwanderungen folgten ab Mitte der 90er-Jahre deutlich moderatere Wanderungsbewegungen, sodass die Bevölkerung Hessens nur noch geringfügig zunahm. Das Jahr 2003 kennzeichnet einen Wendepunkt, da die Bevölkerungszahl seitdem stagniert oder gar leicht abnimmt.

Folgende statistische Daten belegen Hessens Bevölkerungsentwicklung der jüngeren Vergangenheit: Im Zeitraum 1988 bis Ende 1996 nahm die Einwohnerzahl um gut eine halbe Million Menschen zu. Von 1997 bis Ende 2000 stieg sie noch um weitere 40 800 oder 0,7 % an und erreichte einen Stand von 6 068 100. Danach wuchs die Bevölkerungszahl noch leicht weiter auf zwischenzeitliche Höchststände in den Jahren 2002 (6 091 600) und 2004 (6 097 800), bevor sie bis Ende 2009 mit 6 062 000 wieder auf das Niveau von 2000 zurückfiel.

Bezogen auf den letzten 10-Jahreszeitraum 2000 bis 2009, ist jedoch eine minimale Wachstumsrate von 0,2 % zu verzeichnen. Dieser liegt eine differenzierte regionale Entwicklung zu Grunde, deren Ausmaß und Struktur anhand der Karte verdeutlicht wird.

 

Bevölkerungsentwicklung
Abb. 1: Bevölkerungsentwicklung in Hessen 1946 bis 2009
nach dem Geschlecht

Dargestellt sind die 426 hessischen Kommunen sowie die vier gemeindefreien Gebiete Hessens. Das Spektrum der Veränderungsraten reicht von – 15,0 % (Stadt Bad Karlshafen im Landkreis Kassel sowie Gemeinde Comberg im Landkreis Hersfeld-Rotenburg) bis zum Maximum von + 24,3 % (Gemeinde Niederdorfelden im Main-Kinzig-Kreis). Kommunen, deren Bevölkerung in den letzten 10 Jahren schrumpfte, sind je nach Ausmaß des Rückgangs in unterschiedlichen Blautönen kartiert. Bevölkerungszunahmen sind je nach Stärke durch verschiedene Rottöne gekennzeichnet.

Deutlich sichtbar ist, wo in Hessen die Bevölkerungszahl sinkt (blauer Bereich). Dies ist vor allem mit Ausnahme des Landkreises Fulda in allen Landkreisen des Regierungsbezirks Kassel im Norden Hessens der Fall, aber auch in und um den mittelhessischen Mittelgebirgen Westerwald und Vogelsberg sowie in der Südhälfte des südhessischen Odenwaldes und in Teilen des Rheingau-Taunus-Kreises.

Die südliche Hälfte Hessens ist weitgehend durch leichte Bevölkerungszunahme (hellrot) gekennzeichnet. Überdurchschnittliches Wachstum (mittelrot bis braun) herrscht in verstreuten Gemeinden innerhalb und außerhalb des Rhein-Main-Ballungsgebietes, in und an den östlichen Randzonen des Taunus, an der Landesgrenze zur Rheinland-Pfalz, aber auch in den Landkreisen Main-Kinzig-Kreis und Landkreis Fulda sowie in der Umgebung von Kassel, Gießen und Marburg.


Abb. 2: Zu- bzw. Abnahme der Bevölkerung 2009 gegenüber 1996 nach Verwaltungsbezirken in Rangfolge


Bevölkerungsdichte

Setzt man die Bevölkerungszahl eines bestimmten Raumes in Beziehung zur Fläche dieses Raumes, so erhält man die Verhältniszahl „Einwohnerdichte“. Üblicherweise wird hierfür als Einheit „Einwohner je Quadratkilometer“ herangezogen. Als Folge der beschriebenen Bevölkerungsentwicklung hat sich auch die Bevölkerungsdichte Hessens im Zeitraum 2000 bis 2004 zunächst von 287 um 2 auf 289 Einwohner je km2 erhöht, bevor sie bis Ende 2009 wieder auf den Ausgangswert von 287 Einwohner je km2 zurückfiel. Die höchste Einwohnerdichte haben die beiden kreisfreien Städte Frankfurt am Main mit 2706 bzw. Offenbach am Main mit 2646 Einwohnern je km2. Eine deutlich niedrigere Bevölkerungskonzentration weisen die beiden kreisfreien Städte Wiesbaden und Darmstadt mit 1361 bzw. 1174 Einwohnern je km2 auf. Die kreisfreie Stadt Kassel hat mit 1824 Einwohnern je km2 ebenfalls eine sehr hohe Bevölkerungsdichte. In den kreisangehörigen Kommunen liegen die Dichteziffern zwischen 21 (Hesseneck im Odenwaldkreis) und 2271 (Schwalbach am Taunus im Main-Taunus-Kreis) Einwohnern je km2. Dabei weisen die in unmittelbarer Nähe der Großstädte liegenden Gemeinden, insbesondere im Frankfurter Raum, sehr hohe Dichteziffern auf. Mit zunehmender Entfernung der Gemeinden zu den Zentren nimmt der Konzentrationsgrad ab. Die östliche Region Mittelhessens sowie der Norden sind meist dünn besiedelt. Die überwiegende Zahl der Gemeinden hat hier nur eine Bevölkerungsdichte von unter 150 Einwohnern je km2. Lediglich Kassel mit seinem Umland sowie die Stadt Fulda mit einigen angrenzenden Gemeinden haben eine hohe bzw. mittlere Bevölkerungsdichte.

Die Karte stellt die verschiedenen Bevölkerungsdichten der Gemeinden des Landes dar. Gut sichtbar an der dunkelrot bis tiefbraunen Farbgebung ist die räumliche Konzentration der Bevölkerung in den vier Großstädten im Süden des Landes mit ihren jeweiligen suburbanen Räumen. Die Zentren Mittelhessens sowie der Agglomerationsraum Kassel heben sich ebenfalls deutlich von den weniger dicht bis dünn besiedelten Regionen ab, die beige und hellgelb kartiert sind.

Ausblick

Die künftige Entwicklung der Bevölkerungszahl des Landes wird weitgehend, aber nicht allein, von der Wirtschaftsentwicklung und dem Arbeitskräftebedarf abhängen, sodass in naher Zukunft kein sprunghafter Bevölkerungsanstieg zu erwarten ist. Gleichwohl lehrt die Erfahrung, dass Wanderungszahlen sehr stark schwanken können. Ob durch ein wiederholt verändertes Staatsangehörigkeitsrecht u. a. im Rahmen des Einigungsprozesses der Europäischen Union und/oder durch politische und kriegsbedingte Krisenherde innerhalb oder auch außerhalb Europas Wanderungsbewegungen ausgelöst werden, ist nicht vorhersehbar. Bevölkerungsprognosen, die für die Planung in den verschiedensten Bereichen von Gesellschaft, Wirtschaft, Politik und Verwaltung wichtig sind, sind daher schwierig. Bevölkerungsprognosen machen Grundtendenzen sichtbar, die aus der gegenwärtigen Bevölkerungsstruktur resultieren. Es sind keinesfalls Vorhersagen und sie können stets nur Modellrechnungen mit empirisch festgestellter Ausgangssituation sein. Da der Verlauf der maßgeblichen Einflussgrößen mit zunehmendem Abstand vom Basiszeitpunkt immer schwerer vorhersehbar ist, schwindet der Aussagewert mit zunehmendem Zeithorizont.

Erkenntnisse bezüglich der künftigen Bevölkerungsentwicklung liefert die 12. koordinierte Bevölkerungsprognose. Hierbei wurde die Bevölkerung nach dem Stand vom Jahresende 2008 nach Maßgabe der jüngsten Entwicklungen der Geburtenhäufigkeit, der Sterblichkeit und der Wanderungsbewegungen mit ihren für wahrscheinlich gehaltenen Veränderungen bis zum Jahr 2050 fortgeschrieben. Unterstellt wurde eine gleichbleibende Geburtenentwicklung im Durchschnitt der Jahre 2004 bis 2008 von 1,4 Kindern pro Frau sowie eine Zunahme der durchschnittlichen Lebenserwartung bis 2060 von gegenwärtig (Berichtszeitraum 2005/2007) 77,5 auf 85,2 Jahre bei männlichen bzw. von 82,4 auf 89,4 Jahre bei weiblichen Neugeborenen. Im Hinblick auf die Wanderungsbewegungen wird hier unter zwei Modellrechnungen die 1. Variante herangezogen, nach der die durchschnittlichen jährliche Zuwanderung bis 2014 kontinuierlich ansteigt und ab 2014 bei durchschnittlich rund 7000 liegt. Entsprechend den Annahmen der Variante 1 wird Hessen seinen derzeitigen Bevölkerungsstand von 6,06 Millionen Einwohnern nicht halten können. Die im Jahr 1995 überschrittene 6-Millionen-Einwohner-Grenze dürfte im Jahr 2015 wieder unterschritten werden. 2030 dürfte Hessen 5,8 Millionen und 2060 sogar nur noch etwa 4,9 Millionen Einwohner zählen. Nach den Berechnungen wird der Bevölkerungsrückgang von einem deutlichen Strukturwandel begleitet werden: Die Zahl der unter 20-Jährigen dürfte von gegenwärtig 1,2 Millionen bis 2030 auf 1 Million und bis 2060 auf 0,8 Millionen zurückgehen. Der Einwohnerbestand im Alter zwischen 20 und 65 Jahren dürfte im gleichen Zeitraum von knapp 3,7 auf 3,2 bzw. 2,5 Millionen sinken. Zunehmen dürfte dagegen die Zahl der 65-Jährigen und Älteren von heute 1,2 auf 1,6 Millionen im Jahr 2030 bzw. 1,7 Millionen bis 2060. Im Jahr 2060 ist dann jeder dritte Einwohner Hessens 65 Jahre oder älter; heute zählt jeder fünfte zu dieser Altersgruppe. Der Anteil der Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen unter 20 Jahren dürfte von 19 auf 16 % sinken.

Die Ergebnisse der Bevölkerungsstatistik sind in den Statistischen Berichten des Hessischen Statistischen Landesamtes

veröffentlicht. Diese Publikationen und weitere Statistische Berichte aus dem Bereich "Bevölkerung" stehen unter www.statistik-hessen.de zum kostenfreien Download zur Verfügung. Unter dieser Internetadresse sind auch ausgewählte Bevölkerungsdaten abrufbar. Gemeindedaten können darüber hinaus aus der Gemeindedatenbank des Hessischen Statistischen Landesamtes abgerufen werden.

© 2009 Hessisches Landesamt für Umwelt und Geologie