Abfall: Siedlungsabfall

Siedlungsabfall

Einführung

Die Kreislaufwirtschaft hat das Ziel, nicht vermeidbare Abfälle in den Stoffkreislauf zurückzuführen wo immer dies umwelt- und allgemeinwohlverträglich möglich und sinnvoll ist. Abfälle, die nicht vermieden oder verwertet werden können, sind in dafür zugelassenen Anlagen zu beseitigen. Dabei sind Siedlungsabfälle vor der Ablagerung auf Deponien zu behandeln.

Anlagen zur Sortierung, Aufbereitung und Behandlung von Abfällen sind somit Bestandteil einer umweltverträglichen Abfallwirtschaft.

Planung und Kontrolle der Abfallwirtschaft benötigen als Grundlage eine solide Datenbasis. Die relevanten Abfallmengen werden im Rahmen einer jährlichen Erhebung landesweit erfasst und sind Grundlage der nachfolgenden Karten.

Allgemeine Erläuterungen zum Thema

Siedlungsabfälle fallen überwiegend in Haushalten und in kleingewerblichen Betrieben an. Aber auch von Industrie- und Gewerbebetrieben werden erhebliche Mengen hausmüllähnliche und produktionsspezifische Abfälle erzeugt, die den öffentlich- rechtlichen Entsorgungsträgern zur Verwertung oder Behandlung und Beseitigung angedient werden.

Entsorgungspflichtig als öffentlich-rechtliche Entsorgungsträger sind die Landkreise und kreisfreien Städte sowie die Städte Bad Vilbel, Kelsterbach und Maintal.

Das Hessische Ausführungsgesetz zum Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetz (HAKA) verpflichtet die Entsorgungspflichtigen zur jährlichen Aufstellung von Abfallbilanzen, die Auskunft über Art, Menge und Verbleib der verwerteten und/oder beseitigten Abfälle geben.

Methode

Das Hessische Statische Landesamt (HSL) erhält Kopien der Abfallbilanzen, welche die öffentlich-rechtlichen Entsorgungsträger jährlich erstellen. Es prüft und wertet die darin enthaltenen Angaben aus und fertigt daraus die Abfallmengenbilanz des Landes Hessen. Die gelieferten Daten dienen dem Nachweis der ordnungsgemäßen Abfallverwertung und -entsorgung und zudem der landesweiten Planung der Abfallwirtschaft in Hessen. Bis 2009 erfolgte diese Bearbeitung durch das Hessische Landesamt für Umwelt und Geologie (HLUG).

Beschreibung der Kartendarstellung

Die Abfallkarten beinhalten nur Siedlungsabfälle. Angaben über die gefährlichen Abfälle aus Industrie und Gewerbe sind darin nicht enthalten. Von den Siedlungsabfällen ist wiederum nur jener Teil dargestellt, der in den Anlagen der öffentlich rechtlichen Entsorgungsträger oder von diesen beauftragter Dritter behandelt oder beseitigt wurde. Die Verwertung durch Privatunternehmen ist mit Ausnahme der kommunal erfassten Wertstoffe und der Verpackungen in den Darstellungen nicht enthalten.

Die ausgewiesenen Mengen stellen somit bei vielen Abfallarten nicht das tatsächliche Gesamtaufkommen dar. Während die ausgewiesenen Menge etwa beim Hausmüll mit dem Aufkommen identisch ist, kann der Anteil der beseitigten Bauabfallmenge weniger als 50 Prozent des tatsächlichen Aufkommens betragen, da der größere Teil dieser Abfälle in privaten Anlagen verwertet wird, welche jedoch nicht von der durchgeführten Erhebung erfasst werden. Beim Sperrmüll ist ebenfalls neben der in öffentlichen Anlagen entsorgten Beseitigungsmenge, nur ein Bruchteil jener Menge enthalten, der in Sortieranlagen zur Verwertung ausgesondert wird. Auch im Bereich der Bioabfallentsorgung erfolgt zunehmend eine Aufbereitung und Verwertung insbesondere holziger Abfälle direkt durch Privatunternehmen, sodass diese Mengen nicht in der Biolanz enthalten sind.

Bewertungen und Interpretationen werden nur möglich, sofern aus mehreren Jahresmengen Zeitreihen gebildet oder durch vergleichende Gegenüberstellung Abweichungen ermittelt werden.
Eine Betrachtung der Gesamtmenge der Abfälle aus Haushaltungen und Kleingewerbe über mehrere Jahre weist beispielsweise keine großen Schwankungen auf, während die einzelnen Fraktionen sich unterschiedlich entwickelten. Grundsätzlich geht infolge der zunehmenden Getrenntsammlung (Bioabfall, Altpapier, E-Schrott, Altmetalle, Altholz u.a.m.) die Menge des beseitigten Restabfalls weiterhin zurück, während der Anteil der verwerteten Abfälle nach wie vor steigt. Bei den getrennt gesammelten Wertstoffen wie Papier, Glas und Leichtverpackungen, scheinen ähnlich wie beim Hausmüll, die Erfassungsmengen zu stagnieren (Abb. 1).


Abb. 1: Siedlungsabfallmengen aus Haushaltungen und Kleingewerbe von 1991-2010

Weiterhin ist erkennbar, dass die in öffentlichen Anlagen beseitigten Gewerbeabfälle nach einem Rückgang bis zum Jahr 2000 bis 2004 deutlich angestiegen sind, um ab dem Jahr 2005 erneut abrupt zurückzugehen. (Abb. 2).


Abb. 2: Entwicklung der Anlieferungsmengen von Gewerbeabfall bei den Entsorgungsanlagen der öffentlich-rechtlichen Entsorgungsträger von 1995 - 2010


Für Vergleiche werden oft die Ermittlungen zum Pro-Kopf-Aufkommen herangezogen. Unterschiedliche Verfahren bei der Einsammlung (Bring- oder Holsysteme bei der Wertstofferfassung), verschiedene Strukturen der Wirtschaft und der Besiedelung, der Bevölkerungsdichte und viele andere Faktoren werden erst durch derartige Vergleiche transparent.

Darüber hinaus können unterschiedliche Abfallmengen auf strukturelle Differenzen bei der abfallwirtschaftlichen Organisation in den Gebietskörperschaften zurückgeführt werden. Beispielhaft wird im diesen Zusammenhang auf jene öffentlich rechtlichen Entsorgungsträger verwiesen, die über keine eigene Behandlungsanlage für Hausmüll verfügen.

Ausblick

Da seit Mitte des Jahres 2005 nur noch die Deponierung vorbehandelter und somit reaktionsträger bzw. inerter Abfälle zulässig ist, haben sich seit dem Jahr 2006 weitere Veränderungen der Mengenströme in der Abfallwirtschaft ergeben.

Bei der nunmehr notwendig gewordene Abfallbehandlung steht zu Beginn fast immer die Sortierung. Bei dieser Form der Vorbehandlung entstehen vermehrt sortenreine Stoffströme, die wiederum zu einer weiteren Steigerung der Verwertungsquoten führen. Das ist ein wichtiger Schritt zur Realisierung der Kreislaufwirtschaft.

Datenquellen

Auskünfte zu den abfallwirtschaftlichen Daten sind beim HLUG/HSL zu erhalten.
Zusätzlich auswertbare Erhebungen zu Bevölkerung, Wirtschaft Gebietsflächengrößen etc. können beim Hessischen Statistischen Landesamt abgefragt werden.

Der Mengenstromnachweis der dualen Systeme werden alljährlich veröffentlicht und enthalten umfangreiche Angaben zur Erfassung und Verwertung von Verpackungen sowie zur Beseitigung der nichtverwertbaren Anteile.

Angaben zur Abfallwirtschaft auf der kommunalen Ebene sind bei den Gebietskörperschaften abzufragen (jährliche Bilanzen, Gewerbeabfallkataster)

Übergeordnete Entwicklungsdaten können dem Landesentwicklungsplan Hessen entnommen werden.

Literatur

Abfallmengenbilanz des Landes Hessen für das Jahr 2008 (und vorhergehender Jahre) auf der Internetpräsentation des HLUG

die Abfallmengenbilanzen des Landes Hessen ab 2010 auf der Internetpräsentation des HMUKLV

Abfallwirtschaftsplan Hessen – Siedlungsabfälle und Industrielle Abfälle auf der Internetpräsentation des HMUKLV


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